Das neue erschienene Buch „Der Ecological Footprint: Die Welt neu vermessen“ von Mathis Wackernagel und Bert Beyers führt ins Footprint-Denken ein, mit vielen anschaulichen Bespielen. Hier eine kurze Leseprobe aus dem ersten Kapitel.
Kapitel 1: Footprint – Das Instrument
Die Fläche als Währung – Wie viel Biokapazität braucht ein Mensch? Ob gross oder klein, jeder Mensch hat einen Ökologischen Fussabdruck – einen Ecological Footprint. Wie viel Natur er braucht, hängt damit zusammen, was er isst, wie er sich kleidet, wie er wohnt, sich fortbewegt oder wie er sich seiner Abfallstoffe entledigt. All das kann man messen. Aus den Daten lässt sich die Grösse der Grünfläche bestimmen, die benötigt wird, um Lebensmittel oder Fasern für Kleidung zu produzieren, um Häuser zu bauen oder Abfälle wie Kohlendioxid-Emissionen zu absorbieren. Letzten Endes leben wir alle von den Erträgen des „globalen Bauernhofs". Verwandte Themen| { Bio-Bschiss lohnt sich nicht, 24.09.10 } | | { Ein Kilo Fleisch, 25 Liter Bier, 11.08.10 } | | { CO2 vergiftet die Arktis, 02.08.10 } | | { Open Air als CO2-Schleuder, 12.07.10 } | | { Verändern durch Konsum, 24.06.10 } | | { „Grüne Revolution“ wird ausgesetzt, 05.05.10 } | | { Für ein gesundes Klima, 04.03.10 } | | { Das Klimagefängnis von Kopenhagen, 21.12.09 } | | { CO2-neutral bis 2023, 19.11.09 } | | { Für eine grüne Wirtschaft, 18.11.09 } |
Jeder weiss, was Geld ist. Wer Geld hat, kennt keine Sorgen, jedenfalls keine materiellen. Wer über genügend Geld verfügt, lebt wie er will und wo er will. Überall ist er willkommen. So lange er zahlen kann, wird niemand ihn vor die Tür setzen.
Mit Geld kann man eine Menge machen, zum Beispiel Dinge vergleichen. Geld antwortet auf die Frage „Wie viel kostet das?" Den Preis wiederum kann man mit seinem Einkommen ins Verhältnis setzen. Wie lange muss ich arbeiten, um mir dieses Handy leisten zu können? Wie viel verdiene ich im Verhältnis zu meinen Ausgaben? Wie viel im Vergleich zum vorigen Jahr? Oder gemessen am Einkommen eines Äthiopiers?
In diesem Buch geht es um ein Instrument, das mit Geld durchaus vergleichbar ist. Die Frage hinter dem Footprint lautet nämlich „Wie viel Natur kostet das?" Wie viel Biokapazität steckt in einem Glas Orangensaft oder wie viel braucht ein Liter Benzin? Man kann die Frage aber auch erweitern: Wie viel Natur braucht ein Mensch? Die „Währung" des Footprint ist die Fläche, genauer gesagt die biologisch produktive Fläche, die erforderlich ist, um eine Ware oder Dienstleistung bereit zu stellen und zu entsorgen. Für einen Menschen berechnet man folglich die Summe dessen, was er verbraucht, einschliesslich des Abfalls, den er hinterlässt; auch der hat Auswirkungen auf die Natur. Was beim Geld Euro, Dollar oder Yuan heisst, ist beim Footprint der Hektar oder genauer, der globale Hektar.
Die verschiedenen Geldwährungen kann man gegeneinander verrechnen, die Flächeneinheiten des Footprint auch. Das ist ja gerade der Trick: Dass es stets nur eine Grösse gibt, worauf die Dinge bezogen sind, nur ein tertium comparationis. Beim Geld liegt das auf der Hand – sonst würde es nicht funktionieren. Bei ökologischen Modellen aber ist es durchaus nicht üblich, dass es nur einen Parameter gibt. Andere Methoden als der Footprint, etwa die Ökobilanz, arbeiten mit mehreren, um die vielfältigen Eigenschaften der Dinge zu beschreiben. Eine besondere Stärke des Footprint liegt also darin, dass er stets auf die biologisch produktive Fläche als die entscheidende Grösse Bezug nimmt. Diese Eindeutigkeit fördert, wie wir noch genauer sehen werden, in besonderem Masse Kommunikationsprozesse. Ebenso, wie man Preise zur Kenntnis nimmt und sich darüber austauscht, wie teuer oder wie günstig ein Warenangebot ist, ermöglicht es der Footprint, fruchtbare Diskurse über Naturverbräuche zu führen: über hohe und niedrige, über Auswirkungen auf dieses oder jenes Ökosystem – aber stets gibt es nur eine Zahl, eine quantitative Einschätzung, worin die Vielfalt der Natur enthalten ist.
Zu den Autoren: Mathis Wackernagel, Ph.D., geboren 1962 in Basel, ist Präsident des Global Footprint Network, mit Sitz in Kalifornien, Belgien und der Schweiz. Das Network hat Partner und Projekte auf allen Kontinenten. Mathis Wackernagel ist mit Bill Rees Pionier der Ecological Footprint-Methode. Er ist Ehrendoktor der Universität Bern und hat eine Gastprofessur in Cornell. Auszeichnungen: Herman Daly Award der US Society for Ecological Economics, WWF Award for Conservation Merit, Skoll Award for Social Entrepreneurs.
Bert Beyers, geboren 1956 in Mönchengladbach, ist im Hauptberuf Redakteur beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg. Seit Jahren befasst er sich mit ökologischen und Zukunftsfragen. Zuletzt von ihm erschienen: Welt mit Zukunft – Überleben im 21. Jahrhundert, zusammen mit Franz Josef Radermacher.
Der Ecological Footprint: Die Welt neu vermessen Von Mathis Wackernagel & Bert Beyers Europäische Verlagsanstalt, Hamburg, 2010 244 Seiten broschiert Zahlreiche Graphiken, € (D) 19,90 ISBN 978-3-931705-32-9
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