Nachhaltig besser

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Geschrieben von: Steffen Klatt, St. Gallen 25.10.10
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Die Bank Sarasin gehört zu den Pionieren nachhaltiger Anlagen weltweit und sieht sich heute als Marktführer in Europa. Laut Burkhard P. Varnholt, Chief Investment Officer, erzielen die nachhaltigen Anlagen eine deutlich bessere Performance als vergleichbare konventionelle Investments.

Steffen Klatt: Die Bank Sarasin hat sich schon Anfang der 90er Jahre auf nachhaltige Anlagen spezialisiert. Warum?

Burkhard P. Varnholt:Aus dem gleichen Grund, aus dem wir sie auch heute anbieten: Wir sind der Meinung, dass eine reine finanzmathematische Analyse zu kurz greift. Verantwortungsbewusste Anleger investieren ganzheitlich. Damit meine ich nicht die ethisch-moralische Komponente. Vielmehr erreichen wir mit diesen Investitionen die besseren Resultate. Wir nennen das die dreifache Profitabilität des Unternehmens. Es geht erstens darum, wieviel Gewinn am Ende des Jahres erzielt wird, und zweitens, ob es dem Unternehmen gelingt, einen guten Ausgleich zwischen seinen unmittelbar ökonomischen Interessen und den Interessen der Gesellschaft zu erzielen, in der es tätig ist. Im Fokus stehen Angestellte ebenso wie Zulieferer und die Gesellschaft allgemein. Drittens stellen wir dieselbe Frage in Bezug auf die Umwelt: Gelingt es auch hier, einen guten Ausgleich zwischen Natur und unmittelbarer Produktion zu finden? Nachhaltig zu sein bedingt, dass das Unternehmen langfristig der Natur nicht mehr Ressourcen entnehmen darf, als es künftigen Generationen zur Verfügung stellt.

Steffen Klatt:Welche Unternehmen erfüllen diese Bedingungen?

Burkhard P. Varnholt:Im Prinzip kann man in praktisch alle Branchen investieren. Es gibt nur wenige Branchen, in die wir nicht investieren würden. Wir investieren aber durchaus auch in den Öl- und Gassektor und in den Bergbau. Natürlich liegt da die Latte höher, weil die Risiken grösser sind, wie man jetzt bei BP gesehen hat. Es werden also in diesen Branchen konkret höhere Anforderungen an die Unternehmen gestellt, um sie zu qualifizieren. Aber im Prinzip versuchen wir in jeder Branche mit dieser dreifachen Perspektive die besten Unternehmen zu finden.

Steffen Klatt:Wie haben die Kunden Ihre Strategie aufgenommen?

Burkhard P. Varnholt: Als wir in den 80er Jahren damit begannen, war das für viele Kunden noch Neuland. Es gab damals schon die Nachhaltigkeitskommission der Vereinten Nationen, die Brundtland-Kommission, es gab den Club of Rome, es gab bereits eine Sensibilität dafür, dass wir dem Planeten nicht mehr Ressourcen entnehmen sollten, als wir zukünftigen Generationen überlassen. Für viele Kunden war aber neu, dass wir keinen ideologischen Ansatz hatten, sondern einen ganzheitlichen.
Heute können wir zeigen, dass man durch einen solchen ganzheitlichen Ansatz eine bessere Performance erzielt als mit einem ignoranten Ansatz. MSCI World hat in den letzten zehn Jahren etwa 30 Prozent an Wert verloren. Unser globales Aktienportefeuille hat in der gleichen Zeit etwa 30 Prozent an Wert gewonnen. Das ist nicht nur 60 Prozent Unterschied, sondern der Unterschied zwischen Gewinn und Verlust. Auch bei unserem Obligationenportefeuille haben wir eine ähnliche Performance.

Steffen Klatt:Für die Bank Sarasin hat es sich also gelohnt, auf diesen ganzheitlichen Ansatz zu setzen?

Burkhard P. Varnholt:Absolut. Denn heute können wir auf unsere eigene Performance verweisen. Andere dagegen, die erst jetzt damit anfangen, müssen entweder auf andere Fondsmanager verweisen wie uns oder auf akademische Studien. Und die sind für Kunden nicht so relevant.

Steffen Klatt:Die Finanzkrise hat viele Innovationen des Finanzmarktes in den Augen der Anleger diskreditiert. Wieviel Innovation verträgt der Finanzmarkt?

Burkhard P. Varnholt:Es ist so, wie Sie sagen: Vieles ist diskreditiert worden. Manches ist aber auch „kreditiert“ worden. Vor einem Jahr hatten wir noch 6 Milliarden Schweizer Franken an nachhaltig verwalteten Geldern. Heute sind es über 12 Milliarden Schweizer Franken. Gerade in der Finanzkrise konnten wir zeigen, dass sich unsere nachhaltigen Portefeuilles dank vorausschauender Risikominimierung besser gehalten haben als viele andere.

Steffen Klatt:Es gibt immer mehr Anbieter von nachhaltigen Anlagen. Verkleinert sich damit Ihr Spielraum?

Burkhard P. Varnholt: Das ist eine gute Frage. In fünf Jahren wird vielleicht niemand mehr über nachhaltige Anlagen reden, weil sie Standard sind. Es ist eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Ich bin jedoch überzeugt, dass die Bank Sarasin dank ihrer langjährigen Expertise und Glaubwürdigkeit in diesem Bereich noch eine Weile von ihrer Marktführerschaft in Europa profitieren kann. Das sehen wir auch daran, dass wir weit schneller wachsen als der Gesamtmarkt.

Steffen Klatt:Wo sitzen Ihre Kunden?

Burkhard P. Varnholt:Die Bank Sarasin fokussiert auf die Regionen Europa, den Mittleren Osten und Asien.

Steffen Klatt:Ist es schwerer geworden, Kunden zu gewinnen?

Burkhard P. Varnholt: Nein. Der per 30. Juni 2010 ausgewiesene ungebrochen hohe Zufluss an Neugelder in der Höhe von 6,4 Milliarden Schweizer Franken, wie auch das bereits erwähnte Wachstum bei den nachhaltig verwalteten Vermögen belegen diese Aussage. Wir sind im Markt für unsere Dienstleistungen, für unsere Lösungsorientierung und für höchste Qualitätsstandards anerkannt und stellen für unsere Kunden einen attraktiven und glaubwürdigen Partner dar.


Zur Person:
Burkhard P. Varnholt ist Chief Investment Officer der Bank Sarasin. Vor seiner Zeit bei der Bank Sarasin war er von 1998 bis 2007 für die Credit Suisse Private Banking tätig, unter anderem als Chef für Finanzprodukte und Investmentanalysen. Er hat an der Universität St. Gallen promoviert und dort sowie am Massachusetts Institute of Technology und der Stern School of Business der Universität New York gelehrt.

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