Google entdeckt die saubere Energie

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 15.10.10
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Google will sich zusammen mit der im Schweizer Zug ansässigen Beteiligungsgesellschaft Good Energies an dem fünf Milliarden Dollar teuren Projekt eines Untersee-Stromkabels vor der amerikanischen Ostküste beteiligen.

Google betreibt die weltgrösste Internet-Suchmaschine. Fündig geworden aber ist das Unternehmen aus Kalifornien jetzt in einem ganz anderen Netz: Google wird sich einem Konsortium mit drei anderen Firmen anschliessen, um vor der amerikanischen Atlantikküste ein Untersee-Stromnetz zu installieren, mit dem der von grossen Windparks weit draussen vor den Stränden aufs Festland transportiert werden soll.

„Rückgrat” für den Ostküstenstrom

560 Kilometer lang soll dieses „Rückgrat” der Stromverteilung für erneuerbare Energien werden. Rund fünf Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro/4,8 Millionen Franken) werden als Kosten veranschlagt. Die Beteiligung eines Grosskonzerns wie Google - der eine eigene Abteilung für „Green Business” (Umweltbewusste Wirtschaft) unterhält - wird schon etwas euphorisch als der überfällige Durchbruch der sauberen Energie in den USA gewertet. „Es ist eine Chance, diese Industrie auf Trab zu bringen und, auf lange Sicht, für die Bundesstaaten am Mittelatlantik einen Weg zu öffnen, um ihre Zielsetzung zu erfüllen, sich mit erneuerbarer Energie zu versorgen”, schrieb Richard Needham, Direktor der Green Business-Abteilung bei Google auf der Firmen-Webseite.

Der Leiter der US-Energiebehörde, Jon Wellinghoff, sagte: „Vom Konzept her sieht das aus meiner Sicht nach einem der interessantesten Verteilungsvorhaben aus, das ich jemals auf den Tisch bekommen habe.” Das Projekt trägt den Namen Atlantic Wind Connection.

Kalifornien, Schweiz, Japan und Maryland

Die Energie-Investoren von Google wollen mit der im schweizerischen Zug ansässigen Firma Good Energies zusammengehen, die auf erneuerbare Energie spezialisiert ist. Die Beteiligungsgesellschaft gehört der Familie Brenninkmeijer, den Eigentümern des Kaufhauskonzerns C&A. Good Energies hatte allerdings bisher wenig Glück: Ein guter Teil des Kapitals steckt im ostdeutschen Solarmodulhersteller Q-Cells - und der hat in den vergangenen Jahren dramatisch an Wert verloren.

Vor der US-Ostküste mit dabei sollen auch die japanische Firma Marubeni sowie der Stromleitungsbauer Trans-Elect aus Maryland sein. Sie wollen gemeinsam das „Rückgrat” der Versorgung mit Wind-Strom für den am dichtesten bewohnten Landstrich in den Vereinigten Staaten realisieren.

Anschub für amerikanische Windindustrie

Das Windstromprojekt ist nur ein Beispiel für die Investition der Google-Gewinne in moderne, umweltfreundliche Technologien. Soeben erst hat das Unternehmen sein Roboter-Auto vorgestellt, auf der Basis eines Toyota-Hybridmodells vom Typ Prius, das mit GPS effizienter fährt, als ein Mensch am Steuer dies je könnte.

Am Projekt Atlantic wind Connection hält Google einen Anteil von 37,5 Prozent mit einer Startinvestition von 200 Millionen Dollar, die das Vorhaben ins Laufen bringen soll.
„Die nordamerikanische Windindustrie hat bisher keine Partner gehabt, die mit Motivation und ausreichend Finanzen in der Lage gewesen wären, diesen Markt voranzubringen”, sagte der Energie-Analyst von Bloomberg, Charlie Hodges in London. „Google könnte diese Rolle übernehmen.”

Durchbruch erhofft

Die Atlantic Wind Connection soll grösser werden als das bisher umfangreichste Windprojekt der USA vor der Küste, das umstrittene Cape Wind-Projekt in Massachusetts, das jahrelang blockiert worden war und erst vergangene Woche von den Bundesbehörden genehmigt worden ist.
Umweltschützer meinen, die Genehmigung für Cape Wind und das neue Projekt könnten die Amerikaner endlich überzeugen, dass man die Windenergie rascher anzapfen solle. „Diese Art mutiger Idee mag genau das sein, was wir brauchen, um uns aus dem Stillstand zu befreien”, sagte Melinda Pierce, die Sprecherin der renommiertesten amerikanischen Umweltverbandes Sierra Club.

Googles Green Technologies-Direktor Needham sagte, das Cape Wind-Vorhaben habe die Notwendigkeit für neue Stromversorgungsleitungen und für mehr Windkraftanlagen in anderen Teilen der USA deutlich gemacht. „Warum Offshore-Anlagen und warum am Mittelatlantik?” fragte Needham, um gleich die Antwort zu geben: „Viele Küstenregionen der USA haben grosse Bevölkerungszentren und ein überlastetes Stromnetz. Sie können den Vorteil ihrer Lage nutzen und ihre vielversprechendste erneuerbare Energiequelle durch den Einsatz grösserer Windfarmen mit grösseren Turbinen bei stärkeren und stetigeren Winden vor der Küste nutzen.”

Vom Strand nicht zu sehen

Das geplante Untersee-Sammelkabel soll 20 Seemeilen vor der Küste verlaufen, so dass niemand am Strand die Windparks weiter draussen auf See sehen kann. Die Leitung soll für 6000 Megawatt ausgelegt werden, so viel, wie fünf herkömmliche Atomkraftwerke produzieren. Es soll von Süd-Virginia über Maryland und Delaware bis in den Norden New Jerseys verlaufen. Die Entwickler hoffen, schon 2013 mit dem Bau beginnen und drei Jahre später das Netz in Betrieb nehmen zu können. Bevor die Windturbinen laufen, kann das Super-Kabel auch billigen Strom aus dem Süden nach New Jersey und vor allem nach New York transportieren, wo der Blackout von 2003 noch in schrecklicher Erinnerung ist, as Millionen Menschen ohne Strom waren.

Bild: The official Google Blog

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