Masdar setzt auf Neustart

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Geschrieben von: Jonas Pepper, Dubai 12.10.10
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Sie soll die erste kohlendioxidneutrale Stadt werden. Nach Monaten der Unsicherheit hat Masdar nun Pläne vorgelegt, wie es seine ehrgeizigen Ziele erreichen will. Danach soll die erste Phase bis 2015 fertiggestellt werden, die gesamte Stadt bis 2025.

Masdar wird gebaut. Die vom Londoner Architekten Norman Foster geplante Ökostadt am Rand von Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, setzt auf einen Neustart. Wie die Bauherrin, die Abu Dhabi Future Energy Company, in einer Presseaussendung am Sonntag mitgeteilt hat, sind einige Änderungen an den ursprünglichen Plänen vorgenommen worden.

Energie nun auch von ausserhalb

So werden die führerlosen Elektrotaxis, die einst die gesamte sechs Quadratkilometer grosse Stadt bedienen sollten, sich wohl auf einen kleinen Teil der Stadt beschränken. Stattdessen werden auch andere Elektromobile eingesetzt – Nissan hofft bereits auf eine Zusammenarbeit mit Masdar. Zwar sind führerlose Elektrotaxis bereits heute verfügbar. Aber sie kosten noch immer mehr als eine Million Dollar pro Stück. Für die ganze Stadt brauchte es rund 3000 Stück.
Auch das Ziel, den gesamten Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen innerhalb der Stadt zu decken, wird relativiert. Künftig soll auch auf erneuerbare Energien weiter ausserhalb zurückgegriffen werden können, etwa aus Windenergie. Wegen der Nähe zum Flughafen von Abu Dhabi können bei Masdar keine Windräder aufgestellt werden. Das Emirat hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 insgesamt des nationalen Energieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen zu decken. Ausserdem soll die Erforschung neuer Energiequellen fortgesetzt werden. Einige Pilotprojekte sind bereits in Betrieb, etwa zur Nutzung der Erdwärme, die im ursprünglichen Konzept nicht vorgesehen war.

Verzicht auf Podium

Zu den stärksten Eingriffen in den ursprünglichen Plan gehört der Verzicht darauf, die ganze Stadt auf ein 7,5 Meter hohes Podium zu stellen. Damit wollte Norman Foster Raum schaffen, die Infrastruktur einschliesslich des Verkehrs unter die eigentliche Stadt zu verlegen. Mit dem Verzicht müssen nun einige Strassen verbreitert werden. Allerdings sollen die Bewohner wie die Besucher der Stadt auf – benzinbetriebene – Autos verzichten. Diese bleiben in Parkhäusern am Rand der Stadt.
Mit den Eingriffen in den Plan will Masdar auch auf die technologischen Veränderungen reagieren. „Die Technologie verändert sich ständig", sagt Alan Frost, Chef von Masdar City. „Wir werden diese neuen Lösungen auch zukünftig in unsere Pläne einbeziehen."

Erste Gebäude bezogen

Die wichtigste Änderung im Verhältnis zu den ursprünglichen Plänen ist die Etappierung des Aufbaus. Der erste Gebäudekomplex, das Masdar Institute of Science and Technology, eine Art Technische Universität, ist inzwischen fertiggestellt. Mitte September konnten die Studenten einziehen; im Vorjahr waren sie noch in Provisorien in Abu Dhabi untergebracht gewesen. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass die sechs neuen Gebäude die Ressourceneffizienz des Emirats verbessern. So wird hier 54 Prozent weniger Wasser und 51 Prozent weniger Energie verbraucht als im Durchschnitt Abu Dhabis. Ein knappes Drittel der Energie wird von Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern erzeugt, drei Viertel des Warmwasser kommen ebenfalls vom Dach. Ausserdem ist bereits seit einem Jahr ein Solarkraftwerk in Betrieb. Mit einer Kapazität von 10 Megawatt ist es die grösste der Golfregion.

Erster Teil bis 2015 fertig

Nun soll um das Masdar Institute ein erster Teil der Stadt entstehen. Dazu zählt vor allem auch das Hauptquartier von Masdar. In dieses grösste Gebäude der Stadt soll auch die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien einziehen; die erste internationale Behörde im Mittleren Osten. Als bisher einziges Land soll die Schweiz in diesem Teil Masdars ein eigenes Quartier erhalten. Das „Swiss Village" wird neben Büros und Wohnungen auch die Schweizer Botschaft umfassen.
Im ersten Teil Masdars, der knapp ein Sechstel der Stadt umfasst, sollen 8600 Menschen wohnen und weitere 11800 Pendler arbeiten. Insgesamt sollen Nutzflächen von einer Million Quadratmetern zur Verfügung stehen. Fertiggestellt werden soll Masdar zwischen 2020 und 2025.

Auf Finanzkrise folgte Denkpause

Die Überprüfung des ursprünglichen Plans war unter anderem nötig geworden, weil die Finanzkrise die Emirate stärker getroffen hatte als erwartet. Zwar ist Abu Dhabi das ölreichste und finanzkräftigste der sieben Emirate. Aber es musste das in Schwierigkeiten geratene Nachbaremirat Dubai finanziell unterstützen. In der Folge geriet auch die Wirtschaftlichkeit eigener Projekte verstärkt in den Blick. Der Chef der Abu Dhabi Future Energy Company, Sultan Al Jaber, ordnete deshalb Ende 2009 eine Denkpause an. Auch künftig würde Masdar seine Pläne ständig überprüfen. „Damit können wir die besten Technologien und Ansätze für nachhaltiges städtisches Leben am effizientesten nach Masdar City bringen", sagte Sultan Al Jaber in der Erklärung. Ziel sei es weiterhin, Masdar zu einer Blaupause für die Zukunft nachhaltiger Städte zu machen.

 

Bild: Die führerlosen Elektrotaxis, die einst die gesamte sechs Quadratkilometer grosse Stadt bedienen sollten, werden sich wohl auf einen kleinen Teil der Stadt beschränken (Steffen Klatt).

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