Der Alternative Nobelpreis zeichnet unter anderem Nnimmo Bassey für dessen Arbeit gegen die Umweltverschmutzung durch Ölfirmen in Nigeria aus. Drei weitere Preisträger –darunter Bischof Erwin Kräutler - werden für Umweltschutz und Armutsbekämpfung ausgezeichnet.
Wahrer Wandel beginnt von unten – unter diesem Stichwort hat die Right Livelihood Stiftung am Donnerstag in Stockholm die diesjährigen Träger des Alternativen Nobelpreises bekannt gegeben. Der offiziell als Right Livelyhood Award bezeichneten und auf 1,8 Millionen Kronen (200.000 Euro/260.000 Franken) dotierte Preis geht zu gleichen Teilen an mehrere Personen und Organisationen: Ausgezeichnet werden der Umweltschutzaktivist Nnimmo Bassey aus Nigeria, Bischof Erwin Kräutler (Brasilien), Shrikrishna Upadhyay und die Organisation Sappros in Nepal sowie die "Mediziner für Menschenrechte - Israel".
Gegen Zerstörung durch Ölförderung
Nnimmo Bassey erhält den Preis "weil er die ökologischen und
menschlichen Kosten der Ölforderung aufzeigt und mit seinem Einsatz Umweltbewegungen in Nigeria und der ganzen Welt stärkt". Gerade die Ölgewinnung in Nigeria verursache eine langsam fortschreitende Umweltkatastrophe, die selten in der westlichen Welt thematisiert werde. Dies wolle man mit der Preisvergabe an Bassey ändern, betonte Stiftungschef Ole von Uexküll der sich vor Ort ein Bild gemacht hat. „Das Öl leckt überall aus und verschmutzt das Anbauland der Bauern. Menschen stehen mit den Füßen im Öl, und zwar dort, wo eigentlich Lebensmittel angebaut werden", sagte er. Bassey kämpfe mit in seinem Heimatland darum, dass die Ölfirmen größere Verantwortung übernehmen. Bassey ist erfreut über die Auszeichnung. „Ich bin glücklich und stolz über den Preis"; sagt der Preisträger in einer ersten Reaktion am Telefon. Verwandte Themen| { BP kämpft um seine Zukunft, 21.09.10 } | | { Alpenflüsse im Betonkorsett, 14.09.10 } | | { Stopp dem Artenschwund , 22.06.10 } | | { Umwelt schützen lernen, 17.06.10 } | | { BP kämpft um seine Zukunft, 31.05.10 } | | { Für einen fairen Ausgleich, 19.05.10 } | | { Armutsfallen vermeiden , 08.04.10 } | | { Beim Öl wird Obama konservativ , 31.03.10 } | | { Alarm für Griechenlands Tierwelt, 01.03.10 } | | { Biodiversität schützen , 13.02.10 } | | { Vielfalt fördert Lebensqualität , 09.02.10 } | | { Biodiversität stärken, 27.01.10 } | | { Afrika fordert Milliarden, 19.11.09 } | | { Kampf gegen Malaria, 19.11.09 } |
Für Benachteiligte eingesetzt
Auch der aus Österreich stammende Bischof Erwin Kräutler in Brasilien wird geehrt: "für ein Leben, den Rechten indigener Völker gewidmet, und für sein unermüdliches Engagement, den Urwald des Amazonas vor der Zerstörung zu bewahren", so die Jury. Kräutler gehört seit langem zu jenen Bischöfen Südamerikas, welche die Seelsorge für die Unterschicht fest mit der Armutsbekämpfung verknüpfen. Dazu gehört auch der Kampf um Bürgerrechte, etwa für die Indios. Kräutler wurde deshalb in den 80er Jahren von der Militärpolizei festgenommen und verprügelt und überlebte einen Mordanschlag schwer verletzt.
Gegen Armut, für Recht auf Gesundheit
Shrikrishna Upadhyay und die Organisation Sappros in Nepal werden ausgezeichnet, "weil sie selbst im Angesicht der Bedrohung durch politische Gewalt und Instabilität der Welt zeigen, wie die Mobilisierung von Dorfgemeinschaften Armut überwinden kann". Die Organisation „Mediziner für Menschenrechte in Israel" wird "für ihren unbezähmbaren Geist, mit dem sie für das Recht auf Gesundheit für alle Menschen in Israel und Palästina einstehen" geehrt. Die Stiftung lobt die Mediziner, weil sie nicht auf Politiker und offizielle Versöhnungsverträge warten, bevor sie handeln, um unnötiges Leiden im Nahen Osten zu beenden. In diesem Jahr würden sowohl arme Dorfbewohner, die sich selbst aus der Armut helfen, als auch Umweltbewegungen geehrt, die den Opfern der Umweltzerstörung helfen, sagt Jakob von Uexküll, der Gründer der Right Livelihood Awards.
Preis für richtige Lebensführung
Die als „Alternative Nobelpreise" bezeichneten Right Livelihood Awards gehen häufig an Personen und Organisationen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Sie machen auf Akteure und Probleme aufmerksam, die in den Industrieländern kaum thematisiert werden. Der schwedisch-deutsche Publizist Jakob von Uexküll gründete den „Preis für richtige Lebensführung" 1980 aus seinem privaten Vermögen. Der Preis versteht sich als sozial orientierte Alternative zu den traditionellen Nobelpreisen, die nach Meinung Uexkülls von westlichen und konservativ orientierten Preisträgern dominiert sind. Der Preis gehört nicht zum offiziellen Reigen der Nobelpreise. Obwohl eine Aufnahme mehrmals beantragt worden ist, heißt es aus dem Nobelgremium, dass der Preis nicht mit dem testamentarischen Willen Alfred Nobels vereinbar sei. Allerdings hatte die Nobelstiftung den Wirtschaftsnobelpreis, der nicht im Testament vorgesehen war, ebenfalls nachträglich aufgenommen. In diesem Jahr waren 120 Kandidaten aus 51 Ländern für den Alternativen Nobelpreis vorgeschlagen worden. Davon kamen 69 aus Entwicklungsländern. Vergeben wird der Preis am 4. Dezember im schwedischen Parlament.
Bild: Der Alternative Nobelpreis zeichnet unter anderem Nnimmo Bassey für dessen Arbeit gegen die Umweltverschmutzung durch Ölfirmen in Nigeria aus. Hier ist Bassey während Klimaverhandlungen in Kopenhagen, Dezember 2009 von Journalisten umgeben (www.rightlivelihood.org).
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