LEED hat Rückenwind

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Geschrieben von: Nathalie Schoch, St. Gallen 27.09.10
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Immer mehr Bauherren wollen nachhaltig bauen - und sich zertifizieren lassen. Möglichkeiten dazu gibt es viele. Wenn nicht gar zu viele. Es sollte deshalb eine einheitliche Variante geben, damit Bauherren den Überblick behalten, sagt Peter Stolz von der Karl Steiner AG. Das amerikanische LEED werde sich auch in der Schweizer durchsetzen, erwartet er. Neben Minergie.

Nathalie Schoch: Wie viele verschiedene Labels für nachhaltige Gebäude sind derzeit auf dem Markt?

Peter Stolz: Auf dem internationalen Markt gibt es zirka 20 Labels. In der Schweiz sind vor allem die Labels Minergie, Minergie ECO und Minergie P sowie die Kombinationen davon bekannt. In letzter Zeit kommt allerdings immer mehr das amerikanische Label LEED (Leadership in Energy & Environmental Design) auf – dies vor allem für Grossprojekte von institutionellen Anlegern mit internationaler Klientel.

Nathalie Schoch:Läuft man in dieser Vielfalt nicht Gefahr, dass sowohl Architekten wie auch Bauherren den Überblick verlieren?

Peter Stolz:Diese Gefahr besteht tatsächlich. Viele Bauherren wissen nicht, auf welches Label sie setzen sollen.

Nathalie Schoch:Wie könnte man diesem Problem entgegenhalten?

Peter Stolz:Indem die Label-Eigner sich auf eine Standardisierung von Bewertungskriterien einigen würden. Da dies aber so schnell nicht geschehen wird, empfehlen wir den Architekten und Bauherren, sich so früh wie möglich bei unabhängigen Fachstellen oder zum Beispiel bei der Karl Steiner AG General- und Totalunternehmung beraten zu lassen. Die Karl Steiner AG empfiehlt je nach Projektstand, Lage und Grösse des Projekts das geeignete Label.

Nathalie Schoch:Welche Labels überzeugen Ihrer Meinung nach am meisten?

Mich überzeugt vor allem Minergie ECO und LEED. Letzteres, weil es pragmatisch ist und auch dem Standort Bedeutung beimisst. Ansonsten sind LEED und Minergie ECO ähnlich.

Nathalie Schoch:Sollte es nicht sinnvollerweise ein einziges Label geben, das alle wichtigen Komponente vereint und damit einfacher an die Verantwortlichen gelangt?

Peter Stolz:Idealerweise sollte man ein einheitliches Labelsystem haben, jedoch fährt hier jedes Land seinen Extrazug. Auf die Dauer wird sich meines Erachtens LEED international durchsetzen. In der Schweiz werden wir dazu parallel „unser“ Label Minergie haben. Hier wird sich vor allem Minergie ECO (ohne P) durchsetzen.

Nathalie Schoch:Könnte es auch sein, dass sich LEED auch in der Schweiz durchsetzt und zusammen mit Minergie gemeinsame Sache machen?

Peter Stolz:Ich bin überzeugt, dass sich LEED in der Schweiz vermehrt durchsetzen wird, denn je mehr sich internationale Firmen, Institutionen und Investoren aber auch Privatpersonen aus dem Ausland in der Schweiz niederlassen, desto mehr werden andere Labels in der Schweiz eingeführt. So gibt es bereits ausländische Firmen, die ihre Schweizer Niederlassungen dazu auffordern, sich nur noch in zertifizierten Gebäuden einzumieten. Minergie ist im Ausland kaum bekannt, LEED hingegen schon. Daher wird es zu einer Verschiebung Richtung LEED kommen, kaum aber zu einer Verdrängung von Minergie. Dass sich LEED und Minergie zusammentun, scheint mir aufgrund der unterschiedlichen Herkunft und Ausgangslage kaum denkbar.

Nathalie Schoch:Wie sieht die Zukunft der Labels für nachhaltige Gebäude aus?

Peter Stolz: Die Labels werden sich in Zukunft immer mehr angleichen, d.h. die Bewertungskriterien werden überall dieselben werden müssen. Selbstverständlich sind aufgrund der unterschiedlichen geographischen und klimatischen Bedingungen die Schwerpunkte von Land zu Land verschieden und werden es auch bleiben. So sind in wasserreichen Gebieten die Themen Wassereinsparung weniger wichtig wie in Dürregebieten. Und auf dem Land ist das Thema verdichtetes Bauen weniger wichtig wie in der Stadt.


Zur Person:
Peter Stolz arbeitet seit sieben Jahren bei der Karl Steiner AG in Zürich, anfangs als Teamleiter in der Ausführung, dann als Q-Leiter und Verantwortlicher für die Zertifizierung von Bauten. Davor war er in leitenden Funktionen bei Generalplanern und einer Generalunternehmung tätig. Peter Stolz ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 11 und 13 Jahren.

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