Das Bohrloch im Golf von Mexiko ist geschlossen. Doch nun beginnt die juristische Aufarbeitung der Katastrophe. Das könnte für BP zum Alptraum werden. Gleichzeitig berät der US-Kongress, das Unternehmen von weiteren Bohrungen auszuschließen.
Das Bohrloch mag offiziell geschlossen sein. Aber die Folgen der Katastrophe werden das Leben von Toney Dardar, Garnelenfischer aus Louisiana, weiter beeinträchtigen. Er rechnet mit harten Zeiten. Die Angst vor der Vergiftung der Garnelen durch Öl werde wohl den Verbrauch dämpfen. „Wo ist das Öl?”, fragt er. „Wenn es sich im Wasser aufgelöst hat, was tut es da? Wen wird es töten.”
Neuer Name in den USA?
Eine ähnliche Unsicherheit hängt über BP, den Eigentümer der im April gesunkenen Plattform. Die Zukunft des britischen Ölunternehmens ist ebenso offen wie die Zukunft der Förderung im Golf von Mexiko, einem der lukrativsten Geschäfte von BP. Die Katastrophe hat bereits BP-Chef Tony Hayward die Stelle gekostet. Sein Nachfolger Robert Dudley ist Amerikaner aus Mississippi. Seine Ernennung hat die verärgerte US-Regierung wenigstens teilweise beruhigt.
Dudley tritt seine Stelle am 1. Oktober an. Eine seiner ersten Aufgaben wird der Vorsitz über eine Konferenz sein, bei der Vertreter von BP und von unabhängigen Tankstelleneigentümern entscheiden müssen, ob und wie sie die Gesellschaft in den USA umbenennen wollen. Bereits 1999 hatte sich das Unternehmen von British Petroleum in BP umbenannt.
BP hat seit der Explosion bereits 70 Milliarden Dollar (55 Milliarden Dollar/71 Milliarden Franken) an Marktwert verloren. Außerdem hat es 30 Milliarden Dollar für die Schadensbekämpfung und die Entschädigung der Betroffenen ausgegeben. Es ist offen, ob es diese Kosten jemals wieder kompensieren kann. US-Präsident Barack Obama hat ein Moratorium über weitere Tiefseebohrungen verhängt, das am 30. November auslaufen wird. Bis dahin könnten bis zu 12000 Beschäftigte ihre Stelle verloren haben. BP entschädigt auch sie.
Noch teurer könnte es BP zu stehen kommen, wenn es das Geschäft in den USA ganz verliert. Der US-Kongress diskutiert darüber, BP von Bohrungen im Meer auszuschließen. „Die Leute sind verärgert und Wahlen stehen vor der Tür”, sagt Christine Tiscareno, Analystin von Standard & Poor’s. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die US-Regierung irgendeine Art von Sanktion gegen BP im Golf von Mexiko verhängt.”
Bis zu 17,6 Milliarden Dollar Strafe
Und auch die Strafen und Bußen, die auf das Unternehmen zukommen, könnten sich gewaschen haben. Es geht um Dutzenden Milliarden Dollar. „Die erste Phase des Alptraums ist vorbei”, sagt Fadel Gheit von Oppenheimer. „Der juristische Alptraum könnte schlimmer sein.” Es werde entscheidend für BP sein, dass es nicht als der einzige Schuldige im Raum bleibe.
Das US-Recht schreibt Strafen von 1100 bis 4300 Dollar pro Fass vor. Schätzungen gehen von vier Millionen Fass aus, die ausgelaufen sein könnten. Damit könnte die Strafe bis zu 17,6 Milliarden Dollar erreichen.
Sicherung wird kriminalistisch untersucht
Die wichtigste Aufgabe für BP dürfte es in den nächsten Monaten daher sein, die Ermittler wie die US-Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass es nicht der einzige Verantwortliche für die Explosion und die anschließende Katastrophe gewesen sei. So wollen BP-Experten herausgefunden haben, dass das US-Bauunternehmen Halliburton die Bohrung nicht ausreichend betoniert und die automatische Sicherung des Bohrturmbetreibers Transocean versagt habe. Allerdings ergab die gleiche Untersuchung, dass BP die Ergebnisse von Tests nicht angemessen interpretiert habe. Transoceans Sicherung ist nun in einem gut bewachten Lager der Weltraumbehörde Nasa in New Orleans. Kriminalisten sollen nun herausfinden, ob BPs Anschuldigungen gegen den US-Konzern mit Sitz in der Schweiz berechtigt sind. „Das Ergebnis der Untersuchungen könnte die gesamten Ermittlungen entscheiden”, sagt Daniel Bechel. Der Rechtsanwalt vertritt die Anwohner des Golfs von Mexiko, die ihre Stelle in Folge der Katastrophe verloren haben.
Bild: U.S. Coast Guard
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