Liechtenstein setzt auf Werte

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Geschrieben von: Steffen Klatt, Vaduz 20.09.10
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Der Finanzplatz Liechtenstein gehört zu denen, die im Ringen um das Bankgeheimnis am stärksten unter Druck gekommen sind. Er hat schon vorher auf verantwortungsbewusste Anlagen gesetzt. Die Mikrofinanzinitiative Liechtenstein und die Life Klimastiftung sind nur zwei Beispiele. Nun zahlt sich das aus.

Klaus Tschütscher will den Finanzmarkt seines Landes neu positionieren. Der Finanzplatz Liechtenstein solle künftig mit verantwortungsvollem Investieren und mit nachhaltiger Entwicklung verbunden werden. Werte und Gewinn schlössen sich nicht aus, im Gegenteil. „Werte haben einen ökonomischen Nutzen“, sagte der liechteinsteinische Regierungschef bei der Eröffnung des Kongresses über nachhaltige Entwicklung und verantwortungsvollem Investment an der Hochschule Liechtenstein in Vaduz Mitte September. Tschütscher zählt zu diesen Werten Vertrauen und Anstand. „Es sind alte Werte, die jetzt ein ganz neues Gewicht erhalten.“

Regierung stand Pate

Tschütscher konnte darauf verweisen, dass die Regierung mit anderen Pate gestanden hat bei zwei Initiativen, die neue Themen ins Fürstentum am Rhein gebracht haben. So wurde 2006 die Mikrofinanzinitiative Liechtenstein gegründet. Getragen wird sie sowohl vom Amt für Auswärtige Angelegenheiten, dem Liechtensteinischen Entwicklungsdienst und der Hochschule auf der öffentlichen Seite als auch der Hilti Familienstiftung, der Medicor Foundation und dem Bankenverband auf der Seite des Finanzplatzes.

Mikrofinanz als neue Anlageklasse

Initiant der Mikrofinanzinitiative war Oliver Oehri, damaliger Dozent an der Hochschule. Er wollte zunächst theoretisch untersuchen, ob Mikrofinanz auch als neue Anlageklasse tauge. Doch bei der Theorie blieb er nicht stehen. Mit der Mikrofinanzinitiative entwickelte er eine Möglichkeit, den Stiftungsplatz Liechtenstein mit der Vermögensverwaltung zu verbinden, der Stärke des Finanzplatzes. Aus seiner Sicht ist Mikrofinanz keine Nische mehr. Impaktinvestment sei inzwischen ein wichtiges Thema für Anleger. „Da, wo Kapital eine Wirkung erzielen kann, ist die Anlage interessant für Stiftungen“, sagt Oehri. Denn viele Stiftungen hätten bisher nur mit dem Gewinn aus ihren Anlagen Gutes getan. Doch sie könnten auch mit dem Kapital selber etwas Gutes tun. Als Beimischung sei dafür Mikrofinanz gut geeignet. Die Nachfrage der Investoren sei durchaus gegeben. Doch es brauche mehr Anbieter. „Es braucht zwei bis drei Jahre, um ein Projekt zu entwickeln. Aber es braucht nur wenige Monate, um zu investieren.“ Deshalb ist er inzwischen einen Schritt weiter gegangen und hat mit Partnern das Center for Social and Sustainable Products AG gegründet. Es unterstützt Marktteilnehmer beim Zugang zu diesem Markt, berät, evaluiert und konzipiert. 

Dreifach beim Emissionshandel dabei

Die Regierung hat 2009 auch Pate gestanden bei der Gründung der Life Klimastiftung. Beteiligt waren zudem der Bankenverband, der Treuhänderverband und die Hochschule. Ziel ist die Förderung des Emissionshandels auf dem Finanzplatz. Liechtenstein will dabei von seiner besonderen Stellung profitieren. Das Land nimmt wie andere industrialisierte Länder auch am Emissionshandel der Vereinten Nationen teil. Gleichzeitig ist es als Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums Teil des EU-Emissionshandels. Schliesslich ist es auch in den Wirtschaftsraum Schweiz mit seiner Sonderregelung eingebunden. Aus der Sicht Sven Bradens vom Amt für Umwelt, einer der Initianten der Klimastiftung, hat der Emissionshandel Zukunft. Denn bis 2020 ist der EU-Emissionshandel bereits geregelt. Ab 2013 würden die Kosten von CO2 zunehmend auch in die Bücher der Unternehmen eingehen. Auch China führt ab nächstem Jahr einen eigenen Emissionshandel einführen.

Verantwortungsvoll investieren

Doch der Finanzplatz Liechtenstein greift nicht nur neue Themen auf, er dekliniert auch alte Themen neu. Ein Beispiel bietet die Kaiser Ritter Partner Gruppe. Die Gruppe, die in dieser Form erst seit 2006 besteht, wurzelt in der ältesten grossen Treuhandgesellschaft des Landes, der 1931 gegründeten Präsidialanstalt. Den anderen Pfeiler der Gruppe bildet die Kaiser Ritter Partner Privatbank AG. Fritz Kaiser, Chef und Vorsitzender des Verwaltungsrates der Gruppe, hat schon früh auf das gesetzt, was später „Weissgeldstrategie“ genannt werden sollte: Die Vermeidung von Steuern mittels des Bankgeheimnisses konnte nicht auf Dauer eine Geschäftsgrundlage bilden. Fritz Kaiser setzt auf Investitionen, welche die sozialen und ökologischen Folgen einbeziehen. Auf diese Weise könne das Vermögen nicht nur langfristig gesichert, sondern auch überdurchschnittliche Renditen erzielt werden. Es gehe dabei nicht um Spenden, wie sie von den Milliardären Bill Gates und Warren Buffet angeregt worden waren.  „Verantwortungsbewusste Investoren verdienen vielmehr Geld, indem sie die richtigen langfristigen Entwicklungen unterstützen.“

Bedarf an neuen Ideen

Der Kongress war von Peter Droege angeregt und organisiert worden. Der Architekturprofessor war 2008 vom australischen Newcastle nach Liechtenstein gekommen. Die erste Ausgabe des Kongresses 2009 war noch der Immobilienwirtschaft gewidmet. „Doch es kamen soviele Vertreter des Finanzplatzes, dass wir beim zweiten Mal den Finanzplatz von vornherein einbezogen und thematisiert haben.“ Zu recht, wie es scheint. Denn der Saal der Hochschule war gut gefüllt. Der Bedarf an neuen Ideen für den Finanzplatz ist gegeben.

 

Bild: Der liechteinsteinische Regierungschef Tschütscher bei der Eröffnung des Kongresses über nachhaltige Entwicklung und verantwortungsvollem Investment an der Hochschule Liechtenstein in Vaduz Mitte September (Sven Beham).

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