Coaching hilft Führungskräften, an mangelnden Kompetenzen vor allem im sozial-kommunikativen Bereichen zu arbeiten. Manchmal wird dies nach einem Bewerbungsprozess sogar nahe gelegt, sagt Dominik Godat, der als Coach und Dozent in Luzern arbeitet.
Simon Riklin: Was zeichnet ihrer Meinung nach eine gute Führungskraft aus?
Dominik Godat:Sicherlich benötigt eine Führungskraft ein hohes Mass an Sozialkompetenz, Stresstoleranz und Konfliktpotential. Wichtig ist auch, dass man am Abend abschalten kann und nicht die Arbeit mit nach Hause nimmt.
Simon Riklin: Gibt es denn „den“ richtigen Führungsstil? Dominik Godat: Nein, gibt es nicht. Die Anforderungen an einen Chef sind je nach Unternehmen sehr unterschiedlich. Es kommt auf die verschiedenen Anspruchsgruppen der jeweiligen Unternehmung an. Wenn Sie Gandhi mit Obama vergleichen, hatten diese einen total unterschiedlichen Führungsstil, aber beide waren auf ihre Art äusserst erfolgreich. Verwandte Themen| { Ein Banker, der nicht spekuliert, 25.08.10 } | | { Mit Verantwortung zum Erfolg, 04.08.10 } | | { Lean Management in der Amtsstube, 30.07.10 } | | { Freiwillige für Ökoeinsätze, 15.07.10 } | | { Bankgewerkschaft will Respekt, 14.07.10 } | | { Werkplatz Schweiz stärken, 28.06.10 } | | { Arbeitstempo ist selbstmörderisch, 02.06.10 } | | { Praktischer Leitfaden, 26.04.10 } | | { Pragmatismus statt Bürokratie, 15.04.10 } | | { Angst um das freie Internet, 12.04.10 } | | { Auf die Stärken besinnen, 18.03.10 } | | { Grüne Banker sind gefragt, 10.02.10 } | | { Verantwortung tragen, 08.02.10 } | | { Clinton wirbt für Behinderte, 05.11.09 } |
Simon Riklin: Mit welchen Problemen kommen Führungskräfte am häufigsten auf Sie zu?
Dominik Godat: Die Führungsspannen werden immer grösser und die Stressbelastung in der Arbeitswelt steigt ständig. Dies sind Gründe weshalb Führungspersonen Hilfe suchen. Dann gibt es natürlich auch jene, die in erster Linie den grösstmöglichen Führungserfolg suchen. Und häufig bin ich auch mit Fragen im kommunikativen Bereich konfrontiert. Ich setze mich aber nicht mit der Weiterbildung im fachlichen Sinn auseinander, sondern eben mit den bereits erwähnten Softskills, wie Stressbewältigung und Sozialkompetenz.
Simon Riklin: Führungskräfte kommen also in der Regel auf Sie zu und nicht die Unternehmen?
Dominik Godat:Oft sind es Führungskräfte, die einen Bewerbungsprozess durchlaufen haben. Das Unternehmen möchte dann, dass diese Führungskraft an den mangelnden Kompetenzen arbeitet, die durch den Bewerbungsprozess herausgefiltert wurden. Häufig sind es aber auch Führungspersonen die von sich aus zu uns kommen.
Simon Riklin: Die Chefs stehen also zu ihren Schwächen?
Dominik Godat: Es gibt natürlich auch solche, die heimlich solche Coachings machen, da sie Angst haben, dass dies in der Firma ihrem Ansehen schaden könnte.
Simon Riklin: Wie genau läuft ein solches Coaching in der Regel ab?
Dominik Godat: Die Führungsperson setzt sich selbst ein konkretes Ziel, wo sie ihre Kompetenz verbessern möchte. Es handelt sich letztlich um einen Selbstreflexion-Prozess, den die Führungskraft durchläuft. Viele sehen in einem bestimmten Bereich keine Lösungsmöglichkeiten mehr. Im Coachingprozess beschreitet man dann diesen Weg mit der Person und versucht, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man dieses Problem anpacken könnte. Ich erlebe oft, dass die Personen danach wieder viel befreiter und handlungsfähiger sind und auch lösungsorientierter arbeiten können als zuvor. Zur Person: Dominik Godat ist Dozent für Führungskompetenz an der Hochschule Luzern und arbeitet als selbständiger Coach mit Führungskräften.
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