Parken wird jetzt nachhaltig

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Geschrieben von: Tobias Müller, Rotterdam 14.09.10
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Grau wird grün: unter diesem Motto wurde in Rotterdam eine nachhaltige Garage eröffnet. Das Projekt vereint CO2- Reduzierung mit Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel - und ambitionierter Architektur, für die die Hafenstadt bekannt ist.

Ausgerechnet ein Parkhaus soll die grüne Lunge der Rotterdamer City werden: Mit diesem Anspruch wurde am Freitag die "Parkeergarage Westblaak" im Zentrum der Hafenmetropole als "Green Park" neu eröffnet. Ausser ein paar Efeupflanzen, die sich an den grauen Wänden hochziehen, ist nach den Bauarbeiten, die den ganzen Sommer dauerten, davon bisher wenig zu sehen. Doch innerhalb von drei Jahren, so ist der Plan, wird sich das deutlich ändern: dann soll die Aussenwand des sechsstöckigen Parkhauses vollständig bewachsen sein und mit 5.000 Quadratmetern zur grössten grünen Fassade Europas werden.

So nützlich wie 200 Bäume

In puncto Nachhaltigkeit will das Green-Park-Projekt auf verschiedenen Ebenen ansetzen. Im Mittelpunkt steht dabei die Luftqualität : Nicht nur CO2 soll gebunden, sondern auch Feinstaub aus der Luft gefiltert werden. Der Effekt, hieß es bei der Eröffnung hoch über der Maas- Stadt, soll dem von 200 ausgewachsenen Bäumen gleich kommen. Zudem wirkt die grüne Schicht als zusätzliche Isolation und verhindert die Erwärmung des Gebäudes. Auch die Biodiversität im Zentrum erhöht sich, und nicht zuletzt steigert es die Attraktivität des innenstädtischen Geschäftsbezirks, wenn Fassaden die Farbe wechseln: "von grau zu grün."

Mit Regenwasser bewässert

Die Bewässerung der Pflanzen soll durch ein Regenwasser-Verwertungssystem sichergestellt werden. Da diese auch in mehreren Reihen oberhalb des Dachs verlaufen sollen, kann das grüne Parkhaus bis zu 4 Millionen Liter Regenwasser jährlich absorbieren, so der Initiativnehmer Christian Stadil, als Inhaber des dänischen Konzerns Thornico-Group auch Besitzer des Parkhauses an einer der Hauptverkehrsachsen Rotterdams. "Notwendigkeit ist der Motor allen Fortschritts ", witzelte ein gut gelaunter Stadil, in Anspielung auf die besondere Gefährdung der Niederlande durch höhere Niederschlagsmengen.

An Klimawandel anpassen

Tatsächlich schliesst dieser Aspekt an ein Konzept an, das in den Niederlanden besondere Aufmerksamkeit geniesst. Seit langem legt man hier neben der Bekämpfung des Klimawandels durch die Verringerung des Kohlendioxidausstosses besonderen Wert auf Strategien zur Anpassung an klimatisch veränderte Lebensbedingungen. Beide Komponenten finden sich auch im 2008 gegründeten Netzwerk Rotterdam Climate Initiative (RCI), in dem Stadt, Umweltbehörde DCMR, Hafen und die Vereinigung der dort angesiedelten Betriebe vertrete sind. "Zuerst ging es dabei natürlich um die Verringerung des CO2-Ausstosses, aber inzwischen wird Anpassung immer wichtiger. Rotterdam muss klimabeständig werden", so RCI- Mitarbeiterin Nicolien Wirschell. Dazu sollten Bewohner, Unternehmen und Gemeinde zusammen arbeiten. ´Green Park´ ist ganz in diesem Sinne: "Das schöne daran ist, dass hier ein Unternehmen die Initiative ergriffen hat." Die Stadt beteiligt sich an dem 450.000 Euro (585.000 Franken) teuren Projekt mit 25 Prozent.

Dächer werden grün

Ein weiteres Projekt soll ebenfalls großen Anteil an einer Stadt haben, die mit der Veränderung zu leben lernt: Groene Daken (Grüne Dächer). In zwei Jahren sind in Rotterdam rund 40.000 Quadratmeter begrünt worden. Bei heftigen Sommer-Schauern wird das Kanalsystem überlastet. Für extra Gräben ist kein Platz, also braucht man Alternativen", erläutert Programmmanager Daniel Goedbloed. Das grüne Parkhaus steht nicht nur für sich, sondern ist auch ein Pilotprojekt. Damit sollen in den kommenden Jahren Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie der Ansatz von Dächern auf Fassaden ausgedehnt werden kann.
Technische Grundlage des nachhaltigen Parkhauses ist ein Greenface genanntes System aus etwa armlangen Korbelementen. Diese sind in verschiedenen Tiefen kombinierbar, wodurch das neue Design der Fassade gestaltet werden kann. Innerhalb der Korbgitter befinden sich die Efeupflanzen. Ein angeschlossenes Monitorsystem soll feststellen, ob die aufgefangene Niederschlagsmenge zur Bewässerung ausreicht oder ob die Pflanzen zusätzliche Nahrung benötigen. Hinter der Idee wiederum steht unter anderem das renommierte Rotterdamer Architekturbüro Kühne & Co.

 

Bild: Green Park Rotterdam (Tobias Müller).

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