Eine Revolution, die Spass macht

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Geschrieben von: Raphael Corneo, Zürich 13.09.10
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Der Film „Die vierte Revolution“ handelt von einem neuen Energiezeitalter. Und das hat schon  längst begonnen, sagt der Regisseur Carl-A. Fechner. Ende September startet der Streifen in den Schweizer Kinos, die dazugehörige Kampagne läuft bereits heiss.

Raphael Corneo: Ihr Film kündigt eine neue Revolution an. Was ist die 4. Revolution?

Carl-A. Fechner: Die 4. Revolution beschreibt den Übergang in eine Welt, die zu hundert Prozent mit erneuerbaren Energien versorgt wird. Dies ist heute weniger eine technische Frage als eine wirtschaftpolitische Frage. Technisch sind alle Möglichkeiten für eine Umstellung auf erneuerbare Energien gegeben. Was sich nun noch verändern muss, sind die heutigen Wirtschaftsstrukturen. Das heisst: Weg von einer zentralisierten Wirtschaftsstruktur, hin zu einer dezentralen. Also nicht mehr nur wenige grosse Energieversorger, sondern viele kleine. Regionen, Städte, Kommunen bis hin zu Familien sollen in Zukunft die eigene Energieversorgung übernehmen können. Diesen Übergang nenne ich die vierte Revolution.

Es ist eine Revolution, weil diese Umstellung sehr viele Veränderungen mit sich bringt und die Welt grundlegend verändert. Diese Umstellung würde sich auch positiv auf die Dritte Welt auswirken. Denn mit den monopolistischen Strukturen, wie sie heute bestehen, sind zwei Milliarden Menschen, die keinen Zugang zu Elektrizität haben, vom Markt ausgeschlossen.

Raphael Corneo: Hat diese 4. Revolution denn schon begonnen?

Carl-A. Fechner: Ja, ohne Zweifel. Man merkt, dass bei den Menschen ein Umdenken stattfindet. Heute kann man das vor allem im Konsumbereich sehen. Die Leute können sich eigene Solaranlagen kaufen oder sie treffen Entscheidungen, welche Produkte sie unterstützen wollen und welche nicht. Aber auch im Mobilitätsbereich kommt das allmählich.

Raphael Corneo: Wer oder was hat die 4. Revolution den bisher verhindert?

Carl-A. Fechner: Wir haben es auch mit einem Übergang von Macht zu tun. Die grössten Wirtschaftsunternehmen liegen im Bereich der Energieversorgung. Riesige Oligarchien, die durch die Monopolstellungen auch starken Einfluss auf die politische Leitung haben. Für sie geht es um sehr viel Geld. Denn bei der 4. Revolution gibt es sehr viele Gewinner: Millionen von Menschen, mittlere und kleine Betriebe, aber eben auch Verlierer. Die grossen Energiekonzerne werden Macht und Einfluss abgeben müssen und dagegen wehren sie sich. Sie sind die Gegenspieler.

Raphael Corneo: Trotzdem ist es aber so, dass wir immer mehr Strom brauchen. Sind wir nicht auch noch in Zukunft von den grossen Konzernen abhängig?

Carl-A. Fechner: Wir müssen keineswegs in Zukunft mehr Energie verbrauchen, sondern die Energie effizienter nutzen. Ein Zuwachs an Lebensqualität ist auch ohne einen Mehrverbrauch an Energie möglich. Der Energieverbrauch muss nicht steigen, ganz im Gegenteil. Denken Sie an das Bespiel solararchitektonisches Bauen und Renovieren, das im Film an zwei Stellen gezeigt wird. Allein im Bereich Wohnen und Leben können gesamtwirtschaftlich 40 Prozent der Energie eingespart werden. Oder die Umstellung von Mobilität auf Elektromobilität. Es gibt so viele neue energieeffiziente technologische Möglichkeiten. Viel mehr als nur die Energiesparlampe. Aber wichtig ist auch, dass gerade bei aufstrebenden Ländern wie China jetzt schon auf erneuerbare Energien umgestellt wird. Alles andere würde zum Kollaps unseres Planeten führen. Es ist ja nicht die Frage, ob wir diese Umstellung machen, sondern nur wie schnell. Wir haben gar keine andere Wahl.

Raphael Corneo: Was kann heute schon jeder einzelne tun, um diese Revolution voranzutreiben?

Carl-A. Fechner: Man muss sich entscheiden. Das wichtigste ist eine persönliche Entscheidung, welchen Weg man einschlagen will. Ob man sich treiben lassen will, in der falschen Hoffung, dass vielleicht ja doch alles gut geht oder ob man Teil dieser Revolution sein will. Eine Entscheidung, ob man weiter am fossilen Weg festhalten möchte oder mit in die solare Richtung geht. Und dann müssen die Menschen eben auch wieder einmal auf die Strasse gehen, um für eine andere Welt einzustehen.

Raphael Corneo: Tut die Politik genug für einen Umstieg auf erneuerbare Energien?

Carl-A. Fechner: In Deutschland ganz sicher nicht. Wir erleben bei uns eine Art Gegenbewegung. Plötzlich wird wieder der Atom-Lobby nachgeredet und überlegt, Laufzeiten von Atomkraftwerken zu verlängern. Trotz besseren Wissens und Bekundens wird die Seite der Bremser vertreten. Aber ich bin mir sicher, dass diese Politik abgewählt wird, denn die Menschen merken, dass sie manipuliert werden. Jetzt ist jeder Einzelne gefordert. Politisch als Wähler und aktiver Mitgestalter und konkret im eigenen persönlichen und beruflichen Umfeld. Ich bin mir sicher, dass dies auch geschehen wird. Das hat man auch nach dem Umweltgipfel in Kopenhagen gesehen. Der Misserfolg hat die Menschen nicht entmutigt. Im Gegenteil. Viele haben sich gesagt: Jetzt erst recht. Nun müssen wir etwas tun.

Raphael Corneo: Hinter diesem Film steht ja auch noch eine Eventkampagne. Wie funktioniert diese?

Carl-A. Fechner: Der Film wurde im vornhinein schon von vielen verschiedenen Menschen unterstützt. Wir haben das aufgenommen und kamen auf die Idee der Eventkampagne. Man konnte sich bei uns melden und kann dies immer noch tun und eine Eventgruppe in der eigenen Stadt gründen. In Deutschland gibt es dies schon in 160 Städten. Diese Eventgruppen bestehen aus Leuten aus allen Bereichen. Das können Umweltorganisationen, Kirchen oder Unternehmen sein. Sie begleiten den Film medial und durch Aktionen. Sie berufen runde Tische ein und beraten sich, wie man den Film und die 4. Revolution weiter verbreiten kann.

Raphael Corneo: Wird die Kampagne auch in der Schweiz durchgeführt?

Carl-A. Fechner: Ja. Auch hier in der Schweiz haben sich schon viele Verbände und Unternehmen gemeldet. Wir freuen uns sehr darüber und tun alles, um sie zu unterstützen. Wir spüren, dass hier in der Schweiz ein Interesse dafür da ist. Es gibt eine Bewegung und den Wunsch, dieses Thema zu besetzen. Wir sagen: „Macht euch unseren Film zu Eigen. Nehmt ihn euch!“

Raphael Corneo: Sie wirken sehr positiv. Woher kommt ihre Überzeugung?

Carl-A. Fechner: Wir können positiv in diese Veränderungen hineingehen. Ich bin sehr überzeugt davon, dass sich nun etwas zum Positiven verändern wird. Das lässt auch dieser Film spüren. Aber auch die ganze Eventkampagne ist grossartig. Man merkt, hier ist etwas in Bewegung. Diese Eventgruppen werden zusammenbleiben und weiterarbeiten. Es gibt unserer gesamten Crew ein unglaublich gutes Gefühl zu sehen: Wir haben einen Film gemacht, der funktioniert und der in die richtige Richtung zeigt. Die 4. Revolution ist eine lustvolle Revolution, sie kann viel Spass machen!

 

Zur Person:
Carl-A. Fechner ist Journalist, Filmemacher und Produzent. Nach seinem Studienabschluss der Medienpädagogik 1980 erhielt er einen Forschungsauftrag der Deutschen Welle über den Medieneinsatz in der Dritten Welt. Anschliessend war er zwei Jahre Geschäftsführer des Tourneetheaters Berliner Compagnie und hatte einen Kurzzeiteinsatz als ARD Auslandskorrespondent. Seit 1989 ist er geschäftsführender Gesellschafter der fechnerMEDIA GmbH, die schon eine Vielzahl von preisgekrönten Dokumentarfilme produzierte.

Bild: zvg

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