Die Schweiz tut zu wenig

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Geschrieben von: Steffen Klatt, St. Gallen 07.09.10
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Die Schweiz nutzt ihr Potential in Energieeffizienz und erneuerbare Energien zu wenig, sagt Christian Huggenberg. Die von ihm initiierte Blue-Tech in Winterthur will helfen, das zu ändern. Sie will den Dialog zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik fördern und die Möglichkeiten der sauberen Technologien einer breiten Bevölkerung näher bringen.

Steffen Klatt: In wenigen Tagen beginnt Blue-Tech. Was will Blue-Tech?

Christian Huggenberg: Blue-Tech ist die einzige Veranstaltung in der Deutschschweiz, bei der sich Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik über effiziente Energielösungen und erneuerbare Energien austauschen können. Wir haben gesehen, dass dieses Thema ein enormes Potential hat. Nur wird in diesem Bereich in der Schweiz viel zu wenig getan. Auch Bundespräsidentin Doris Leuthard regt dazu an, diesen Wirtschaftssektor, der sich in der Schweiz neu entwickelt, mehr Raum und Bedeutung beizumessen. Wir brauchen innovative Lösungen in der Zukunft. Die Fähigkeit und das Wissen, diese Lösungswege zu erarbeiten, besitzt die Schweiz bereits.

Steffen Klatt:Warum wurde dieses Potential bis jetzt nicht genutzt?

Christian Huggenberg:Diese Frage habe ich mir auch oft gestellt. Ich denke, dass es auf politischer Ebene verschlafen wurde. Auch wirtschaftlich orientierte Parteien haben dieses Thema zu wenig ernst genommen. Leider ist das heute noch so – was mich sehr erstaunt. Denn wenn man sich den Energiesektor ansieht, dann wird heute gemäss den Zahlen der Internationalen Energieagentur am meisten im Bereich erneuerbare Energien investiert. Und diese Investitionen zeigen, wo in Zukunft Wertschöpfung und auch Arbeitsplätzen entstehen.


Ein weitere Grund für die zu wenige Nutzung dieses Potentials liegt sicherlich auch an der föderalen Struktur unseres Landes. Jeder bastelt in diesem Bereich für sich, anstatt sich gemeinsam zu koordinieren und zu fokussieren.

Steffen Klatt:Hat die Wirtschaft genauso wie die Politik gezögert?

Christian Huggenberg:Zum einen gibt es da die grossen Unternehmen wie die ABB, für die Energieeffizienz sehr wichtig ist. Diese Unternehmen sind aber meist international ausgerichtet und sehen deswegen vielleicht weniger, was sich vor Ort in diesem sehr jungen Wirtschaftzweig tut. Und auf der anderen Seite gibt es die kleinen und mittleren Unternehmen oder aber Spin-offs von Universitäten, die sehr innovative Lösungen in Bereichen wie Photovoltaik, Windenergie oder neuen Heizungssystemen entwickelt haben. Nur werden diese zu wenig beachtet oder aber sie haben es nicht geschafft, sich Gehör zu verschaffen. Und genau da kommt Blue-Tech ins Spiel. Blue-Tech will den Dialog zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik fördern.

Steffen Klatt:Welchen konkreten Beitrag kann Blue-Tech leisten?

Christian Huggenberg:Der Standort Winterthur ist sicherlich sehr hilfreich. Weil zum einen die Region seit 200 Jahren eine Industrieregion ist und es hier deshalb sehr viel tradiertes Wissen gibt. Und zum anderen bilden die jungen und gut ausgebildeten Fachhochschulabsolventen einen guten Nährboden für dieses Thema. Damit der Dialog zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auch zu Stande kommt, veranstalten wir Kongresse, machen Ausstellungen, haben Medienauftritte zum Beispiel in der NZZ, der unser Medienpartner ist, oder bieten Workshops an.

Steffen Klatt:Und wer steht hinter Blue-Tech?

Christian Huggenberg:Da ist zum einen unsere kleine Firma die Taktform AG – übrigens auch ein Start-Up – und als Kooperationspartner „energie bewegt winterthur“, ein Verein, der wiederum durch die hiesige Wirtschaft, die Stadt Winterthur und der School of Engineering der ZHAW getragen wird.

Steffen Klatt:An wen richtet sich Blue-Tech?

Christian Huggenberg:Mit dem Kongress wenden wir uns an die Fachleute. Hier können sich Experten austauschen und ein breites Netzwerk ausbauen. Und mit der Ausstellung, die gleichzeitig läuft, wenden wir uns an das breite Publikum. Hier soll Interessierten aufgezeigt werden, was heute bereits beispielsweise im Bereich der Elektromobilität oder des energieeffizienten Wohnens möglich ist.

Steffen Klatt:Wird Blue-Tech über die Grenzen Winterthurs hinaus ausstrahlen?

Christian Huggenberg:Ich denke, dass wir ganz besonders mit dem Kongress, aber auch teilweise mit der Ausstellung eine schweizweite Aufmerksam erzeugen werden. Wir haben sehr renommierte Personen wie Rolf Wüstenhagen, Direktor des Instituts für Wirtschaft und Ökologie der Universität St. Gallen, oder Uwe Krüger, den Präsidenten von Cleantech Switzerland, oder aber Ian Johnson, den Generalsekretär von Club of Rome, für Blue-Tech gewinnen können. Hinzu kommt noch, dass wir eine Partnerschaft mit der Internationalen Bodenseehochschule haben. All das wird sicherlich über die Grenzen Winterthurs hinaus ausstrahlen.

Steffen Klatt:Blue-Tech gibt es seit drei Jahren. Was hat es bewirkt?

Christian Huggenberg: In diesen drei Jahren konnten wir einiges bewegen. Wir haben es geschafft, dass eine ganze Region sich mit dem Thema Energieeffizienz und erneuerbare Energien befasst und diesen Bereich weiter ausbaut. Es wurden sehr viele Projekte in diesem Bereich gestartet. Es entstehen Institutionen, die sich intensiver mit der Materie befassen und wir erhalten von der Politik, der Wirtschaft und der Wissenschaft eine sehr breite Unterstützung.
Ich glaube auch, dass wir vielen Personen die Möglichkeit gegeben haben, das erste Mal über ihre Innovationen zu sprechen und sich mit Experten auszutauschen. Wir haben Investorenanlässe veranstaltet, die Interessierte bis aus Frankfurt angezogen haben.

Zur Person:
Christian Huggenberg gründete 2007 die Firma Taktform AG, die Veranstalterin von Blue-Tech, dem Marktplatz für effiziente Energielösungen. Zuvor war er Partner der Kommunikationsagentur ContractMedia AG in Zürich. Über viele Jahre hat er als Wirtschaftsjournalist für gedruckte und elektronische Medien gearbeitet, zuletzt 5 Jahre als Redaktor der Handelszeitung. Er hat Wirtschaft, Politik, Geschichte in Berlin sowie Manchester studiert.

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