Noch fahren erst wenige Elektroautos auf Schweizer Strassen. Damit sich dies in Zukunft ändert, setzt sich e’mobile für die Markteinführung von emissionsarmen Fahrzeugen ein. Geschäftsleiterin Dr. Susanne Wegmann ist überzeugt, dass es am kleinen Angebot liegt, dass noch nicht mehr E-Autos auf den Strassen fahren.
Raphael Corneo: Wie sieht es in 10 Jahren auf Schweizer Strassen aus? Fahren da nur noch Elektroautos? Susanne Wegmann:So schnell geht das ganz sicher nicht. Ich denke das braucht noch ein bisschen mehr Zeit. Aber es wird in Zukunft sicherlich einen sichtbaren Anteil an Elektroautos auf Schweizer Strassen geben. Auch die Anzahl der Hybridfahrzeugen wird zunehmen. Sie werden sich zudem weiterentwickeln. Ausserdem werden sicherlich in den neueren Autos Technologien eingebaut werden, welche die Energieeffizienz erhöhen. Es wird also in 10 Jahren eine viel grössere Vielfalt an Fahrzeugen auf der Strasse geben. Unser Ziel ist es, dass die individuelle Mobilität vollständig nachhaltig abgedeckt werden kann. Ob ich das noch erleben werde weiss ich jedoch nicht. Verwandte Themen| { Grün sind alle meine Autos, 23.07.10 } | | { Tesla zieht es an die Wall Street, 30.06.10 } | | { Alpauffahrt mit 60 E-Autos, 30.06.10 } | | { Elektroauto erobert die Alpen , 10.06.10 } | | { Stromschlag für Autoindustrie, 04.05.10 } | | { Stammtisch unter Strom, 12.04.10 } | | { Daimler macht ernst mit E-Autos, 03.03.10 } | | { Öko-Auto im Alltagstest, 16.02.10 } | | { Stromkonkurrenz für Zweitakter, 03.02.10 } | | { Ampeln für Stromautos auf Grün, 27.01.10 } | | { Die Steckdose lernt fahren, 21.01.10 } | | { Autobauer haben Nachholbedarf, 30.10.09 } | | { Güterverkehr gleich behandeln, 14.10.09 } |
Raphael Corneo:Warum haben sich Elektroautos bisher noch nicht durchgesetzt? Susanne Wegmann:Das lag vor allem an den Batterien. Die Entwicklung bei den Batterien brauchte ihre Zeit. Deshalb sind die grossen Autohersteller darauf nicht eingestiegen und so fehlte lange ein breites Angebot. Noch heute ist das Angebot sehr begrenzt. Mit dem hohen Preis waren die Elektroautos auch noch nicht massentauglich. Ich denke aber, dass der politische Druck zunimmt und eine Veränderung im Gange ist. Zudem wissen auch die grossen Autokonzerne, dass sie nicht ausschliesslich auf Erdöl setzen können und sich für die Zukunft rüsten müssen. Raphael Corneo:Was wird getan, damit sich E-Autos durchsetzen? Susanne Wegmann:Wir denken das Wichtigste ist, dass die Leute die Elektroautos Probe fahren können. Es ist ein ganz anderes Fahrgefühl und wir sind sicher, dass wir viele Leute mit Probefahrten für die neue Technologie begeistern können. Beim Fahren mit dem Elektroauto gibt es kaum Vibrationen, es ist viel leiser und man hat eine sehr gute Beschleunigung. Das macht den meisten Leuten Spass. Wir sorgen aber auch für eine Marktübersicht. Die Kunden sehen, was überhaupt erhältlich ist und so kann sich jeder sein Wunschauto aussuchen. Raphael Corneo:2009 kamen nur 72 neue Elektroautos auf die Strassen. Es sieht nicht danach aus, als ob sich das E-Auto durchsetzt... Susanne Wegmann:Wir sind trotzdem sehr stolz auf diese Zahl. Auch wenn das noch nicht sehr viele sind, es sind 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Das stimmt uns optimistisch. Das Problem ist wirklich, dass ein breites Angebot an Elektroautos fehlt. Die Nachfrage wäre da. Ich habe viele Leute die mich anrufen und ein gerne ein Auto hätten, aber ich muss sie auf später vertrösten. Raphael Corneo:Die Batterien sind heute aber immer noch zu wenig leistungsstark... Susanne Wegmann:Es kommt ganz darauf an für was man das Auto braucht. Die Batterien haben sich in den letzten Jahren stetig verbessert. Es ist heute möglich mit einer Batterien-Ladung 100 Kilometer zurückzulegen. Wenn man täglich zwischen Bern und Zürich pendelt, ist das natürlich noch zu wenig, aber um an den Bahnhof zu fahren oder im Dorf die Einkäufe zu erledigen reicht es aus. Die meisten fahren nicht mehr als 100 Kilometer pro Tag. Raphael Corneo:Wie sieht es aus mit der Infrastruktur? Susanne Wegmann:Der Vorteil der Elektroautos ist, dass sie eigentlich nur eine Steckdose brauchen. Also überall wo es Strom gibt, kann getankt werden. Zudem gibt es in der Schweiz heute etwa 200 öffentliche Ladestationen. Als Besitzer eines Elektroautos ist man also heute schon ziemlich unabhängig. Raphael Corneo:Der Verbrennungsmotor hat nach wie vor seine Anhänger. Glauben sie die Leute sind bereit für eine Umstellung? Susanne Wegmann:Es gibt sicherlich viele, die beim Verbrennungsmotor bleiben wollen und die wird es auch immer geben. Das heisst aber noch nicht, dass man nicht auch mit einem Hybrid- oder einem Erdgasauto fahren kann. Ich habe aber schon viele Leute erlebt, die, nachdem sie einmal in einem Elektroauto gesessen sind, kein anderes Auto mehr fahren wollten. Es wird sicherlich bald eine ganze Palette von verschiedenen Antriebarten geben und somit ist auch für jeden etwas dabei. Das Interesse der Leute ist sicher da und man kann einen Trend zu emissionsarmen Fahrzeugen spüren. Raphael Corneo:Ist dieser Trend eine Erklärung für den grossen Erfolg der E-Bikes? Susanne Wegmann: Das kann sein. Die Elektrovelos sind für mich ein klassisches Beispiel dafür, wie schwer es ist Prognosen abzugeben. Die Verkaufszahlen haben die Erwartungen weit übertroffen. Es hat eine Dynamik bekommen, die wir nicht erwartet haben. Ich glaube auch hier hat vor allem das grössere Angebot dazu geführt, dass sich die Leute für Elektrovelos zu interessieren begannen.
Zur Person: Dr. Susanne Wegmann ist Geschäftsleiterin von e’mobile. Der 1980 gegründete Verband engagiert sich in der ganzen Schweiz für die Markteinführung von verbrauchs- und emissionsarmen Strassenfahrzeugen wie Elektro-, Hybrid- und Erdgas-/Biogasfahrzeugen sowie von Treibstoffen aus erneuerbaren Quellen.
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