Wasser ist in China schon heute nach Kohle und Öl die wichtigste Energiequelle. Sie soll weiter massiv ausgebaut werden. Doch das schafft neue Probleme. Auch die südlichen Nachbarstaaten fürchten, benachteiligt zu werden. Der Xiaowan-Staudamm in der südwestchinesischen Yunnan-Provinz ist zwar deutlich kleiner als der berühmt-berüchtigte Dreischluchten-Damm. In Sachen Polemik kann die Nummer zwei jedoch dem grossen Bruder durchaus das Wasser reichen. Seit letzter Woche läuft die Stromproduktion in der “Xiaowan Hydropower Station” auf vollen Touren. China sieht sich als Wasserkraft-Supermacht Im fernen Peking jubelt die Staatspresse und verkündet wie gewohnt Erfolgsbotschaften. “China ist nun die Wasserkraft-Supermacht,” titelt China Daily. Die Kapazität beträgt bereits 200 Millionen Kilowatt. Bis 2015 soll sie bis auf 300 Millionen Kilowatt steigen. Nach Meinung von Zhang Guobao, dem Direktor der nationalen Energiebehörde NEA ist dies nötig, um den Kohlendioxidausstoss bis 2020 um 40 bis 45 Prozent zu senken, verglichen mit dem Stand, den er ohne erneuerbare Energien und Massnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz erreichen würde. Gegenwärtig gewinnt China noch 83 Prozent seiner Energie aus Kohleverstromung. Die Umweltorganisation Greenpeace weist in einem am Wochenende veröffentlichen Bericht nochmals mit Nachdruck auf die schädlichen Wirkungen hin. Ein hoher Kohleverbrauch führe zu einem Anstieg von Krebsraten und Geburtsfehlern, Erkrankungen des Nerven- und Immunsystems sowie der Atemwege, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters. “Viele der Kohlekraftwerke behaupten, sie seien nun sauber. Das ist ein Missverständnis, denn Kohle schafft Verschmutzung und ‘saubere Kohle’ gibt es nicht,” sagt Yang Ailun von Greenpeace China. Bisher sieben Prozent Wasserkraft ist nach Kohle und Rohöl die bedeutendste Energiequelle in China. Im vergangenen Jahr trug sie nach Zahlen der Branchenorganisation “China Electricity Council” sieben Prozent zum nationalen Energiemix bei, deutlich mehr als die übrigen erneuerbaren Energieformen. Auf 542 Millionen Kilowatt wird das Potenzial der Wasserkraft in China geschätzt. “Wir werden davon aber wohl nur 300 bis 350 Millionen erschliessen können,” sagt Herr Zhang von der Energiebehörde. Wenn auch die Emissionen gering sind, so können die Umweltschäden katastrophale Ausmasse erreichen. Dämme sollen mehr Steuern bringen Beispiele gibt es genug und sogar hochaktuelle. Anfang August wälzen sich enorme Schlammmassen in die Täler des Bezirks Zhouqu in der hochgelegenen Gansu-Provinz. Mindestens 1500 Menschen werden darunter begraben. In der South China Morning Post kritisiert der Geologe Fan Xiao den “Dammkonstruktionswahn” an nahezu jedem Fluss in der Gegend, zusammen mit der Abholzung, um Agrarflächen an den Hügeln zu gewinnen. Die Daten der Bezirksverwaltung zeigen, dass in Zhouqu zwischen 2003 und 2007 insgesamt 41 Wasserkraftwerke errichtet wurden und weitere 12 sich in Planung befinden. Dahinter steht die Absicht, Investoren anzuziehen und den Bezirk aus der Armut zu holen. “Die lokalen Behörden haben Warnungen ignoriert und sahen in den Dämmen nur ihre Hauptquelle für mehr Steuereinnahmen,” so Fan. Risse am Drei-Schluchten-Damm Nach ungewöhnlich heftigen Regenfällen in diesem Sommer sind am Dreischluchten-Damm Risse aufgetreten. “Der Flut-Kontrollmechanismus funktioniert nicht unbeschränkt,” gesteht man auf Seiten der Regierung ein. Noch stärkere Fluten könnten sogar die Struktur in Gefahr bringen. Man hätte nie behauptet, dass der Damm die Überflutungen des Jangtse, die im Laufe des letzten Jahrhunderts schätzungsweise eine Million Menschenleben gekostet haben, ganz stoppen könnte. Für das 24 Milliarden Euro teure Projekt mussten 1,5 Millionen Bewohner der Region umgesiedelt werden. Das Projekt verfügt insgesamt über eine Kapazität von 22,5 Gigawatt, das Xiaowan-Werk am Mekong 4,2 Gigawatt. Mekong-Anrainer besorgt Der Xiaowan-Damm ist der vierte von acht geplanten Stauwerken am Fluss, den die Chinesen Langkang nennen. Die Anrainerstaaten im unteren Lauf des Flusses beklagen sich immer öfter über einen Rückgang des Wasserniveaus. Burma, Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam sehen ihre Fischindustrie in Gefahr und damit auch eine wichtige Nahrungsgrundlage für die 60 Millionen Menschen im Mekong-Delta. Mit der “Mekong River Commission” (MRC) entstand eine Lobbygruppe, die verhindern will, dass aus dem Mekong ein “chinesischer Fluss” wird. “Wir glauben nicht dass der Xiaowan-Damm alleine einen so grossen Einfluss hat,” sagt Damian Kean, einer der Sprecher der Organisation. “Aber wenn noch mehr Dämme errichtet werden, erwarten wir Auswirkungen.” China soll endlich alle Informationen auf den Tisch legen. Auf den Beistand der USA kann die MRC bereits zählen. Aussenministerin Hillary Clinton mischt sich ein und zeigt, das ihr Land nicht mehr aussen vor steht, wenn es um wichtige Entscheidungen in der Region geht. Bild: Der Drei-Schluchten-Damm ist eine Talsperre mit einem Wasserkraftwerk, einem Schiffshebewerk und einer Schleusenanlage im Jangtsekiang in China (www.ctgpc.com).
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