Die US-Umweltschutzbehörde EPA muss entscheiden, ob die Asche aus den Kohlekraftwerken als Sondermüll behandelt werden muss. 40 Prozent der Asche wird derzeit wiederverwendet.
Asche lässt derzeit Lobbyisten rotieren. Die amerikanische Kohleindustrie und die Umweltschützer in den USA wetteifern in Washington, um eine aus der jeweiligen Sicht nützliche Entscheidung über den Umgang mit der Asche aus den mehr als 600 Kohlekraftwerken in den Vereinigten Staaten zu bewirken. Die US-Umweltschutzbehörde EPA muss die Regeln für die Gewinnung von Elektrizität aus Kohle neu formulieren. Sie muss dabei auch entscheiden, ob die Kohleasche als gefährlicher Sondermüll eingestuft wird – wie von den Umweltschützern gefordert – oder weiterhin als Abfall, der normal entsorgt oder wieder verwendet werden kann. In de kommenden Woche beginnen Anhörungen der EPA darüber, eine Entscheidung soll bis Januar fallen. Verwandte Themen| { Kohle steht vor der Wiedergeburt, 26.07.10 } | | { Klimastiftung hilft beim CO2-Sparen, 19.07.10 } | | { Angst vor dem Stromausfall, 08.07.10 } | | { Obama will endlich Energiewende, 16.06.10 } | | { Beim Öl wird Obama konservativ , 31.03.10 } | | { Gold für Kohlendioxid, 07.12.09 } | | { Keine Lust auf CO2, 27.11.09 } | | { CO2-neutral bis 2023, 19.11.09 } | | { Handeln dringender denn je, 11.11.09 } | | { CO2-Anstieg aus Menschenhand, 24.09.09 } | | { Amerika hat Lust auf Sonne, 21.09.09 } |
„Ein regulatorischer Overkill“
Diskutiert werden bei der EPA zwei Entwürfe. Zum einen der, die Asche zum Sondermüll zu erklären und die Kontrolle über den Umgang damit den US-Bundesstaaten wegzunehmen und auf die Bundesebene zu verlagern. Und zum anderen, den Bürger zwar ein Klagerecht gegen eventuelle Schädigungen durch Kohleasche einzuräumen, die Asche selber als nicht gefährlich einzustufen. „Die Frage ist nicht ob, sondern wie reguliert wird“, erklärt Jim Roewer, Sprecher der industrienahen Utility Solid Waste Activities Group. Würde Kohlasche aus den Kraftwerken als gefährlich eingestuft, dann dürfte es schwer sein, sie auch weiter als Recycling-Material zu nutzen. Mehr als 40 Prozent der Kohleascheproduktion in den USA findet derzeit Verwendung in Zement, Fertigbauteilen und Ähnlichem. Greift die Umweltschützervariante der neuen Regulierung, müssten die Kohlekraftwerke in den USA mit Mehrkosten von 20 Milliarden Dollar (16 Milliarden Euro/20,5 Milliarden Franken) rechnen, sagte Roewer. „Das ist ein regulatorischer Overkill.“ In den amerikanischen Kohlekraftwerken, wo die Hälfte der Elektrizität für die USA entsteht, werden jährlich rund eine Milliarde Tonnen Kohle verbrannt. Dabei entstehen etwa 125 Millionen Tonnen Kohleasche. Hinzu kommt seit Einführung der Abgasreinigung auch in Kohlekraftwerken der Klärschlamm.
Gefahr für das Trinkwasser?
Mehrere amerikanische Umweltverbände haben jetzt einen Bericht vorgelegt, laut dem in 21 von 50 Bundesstaaten ganz gefährliche Stoffe aus den Asche-Lagerstätten sickern wie Schwermetalle, Arsen und Blei. Von einer „riesigen und sehr realen“ Frage für die Nationalgesundheit sprach Jeff Stant vom Environmental Integrity Project. Die Denkfabrik ließ zusammen mit Earthjustice und Sierra Club die Studie erarbeiten. „Überall dort gefährdet Kohleasche das Trinkwasser.“ Akut betroffen seien Staaten wie Ohio, Illinois, Indiana, Kentucky und Pennsylvania, wo Kohle gefördert wird. Die Umweltschützer erklärten, die Bundesstaaten hätten keine Regulierungen für die Trinkwassergewinnung in den Lagergebieten für Kohleasche erlassen. Die „Earthjustice“-Anwältin Lisa Evans sprach gar davon, dass die Staatsbehörden „russisches Roulette“ mit der Gesundheit ihrer Bürger spielten. Als konkretes Beispiel werden drei Kohlekraftwerke in Tennessee angeführt, die angeblich Arsen und Blei ins Grundwasser lassen. Der Betreiber, die öffentlich-rechtliche Tennessee Valley Authority (TVA), wies die Studie als „subjektiv“ zurück. Die Autoren hätten nicht die gesamte Information über die Behandlung von Kohle und Asche verwendet. „Die TVA-Ablegrungen sind gut überprüft und unter den Auflagen erlaubt, zum Schutz von Trinkwasser und Ökosystemen in Flüssen“, sagte die TVA. In den vergangenen Wochen waren Beamte der Regierung 30 Mal mit den Vertretern der Kohleindustrie zusammen gekommen, mit den Umweltverbänden halb so oft.
Bild: The North Antelope Mine Rochelle in Wyoming ist eines der grössten und produktivsten Minen in der USA (Peabody Energy). Peabody Energy ist der grösste Kohleproduzent der Welt (Peabody Energy).
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