Masdar verzögert sich weiter. Aber die Golfregion bleibt ein grosser Interessent für Cleantech und nachhaltige Stadtentwicklung. Die Region wächst so schnell wie kaum eine andere. Der nächste World Future Energy Summit dürfte daher wieder ein wichtiges Schaufenster für die Cleantech-Branchen werden. Chancen ergeben sich auch über die Region hinaus.
Erst sollte es Anfang Juni sein. Dann Mitte Juni. Mitte Juni schliesslich sicherte Masdar City den Mitgliedern der Swiss Village Association zu, dass es bis Mitte Juli so weit sein sollte. Jetzt, Ende August, liegt der zweite Masterplan für Masdar noch immer nicht auf dem Tisch. Wie der erste wird er vom Londoner Architekturbüro Foster and Partners angefertigt. Ohne den zweiten Plan ist unklar, wie es mit der geplanten Ökostadt am Rand von Abu Dhabi weitergeht, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Mit IRENA unter Druck gesetzt
Bis zum Sommer schienen sich ein paar Fixpunkte abzuzeichnen: Masdar wird gebaut, es dauert nur wesentlich länger als geplant. Statt bis 2015 verzögert sich die vollständige Fertigstellung wohl um ein Jahrzehnt. Masdar startet zweitens mit einem kleinen Komplex, der sich an das Masdar Institute of Science and Technology anschliesst. Das Masdar Institute sollte jetzt im Herbst fertiggestellt sein, mit einem Jahr Verspätung. Offen ist, ob auch das Hauptquartier Masdars wenigstens in Teilen gebaut wird. Davon hängt ab, wie gross der erste Teil ausfallen wird. Drittens hat sich Abu Dhabi selbst unter Druck gesetzt, indem es den Hauptsitz der Internationalen Agentur für Erneuerbaren Energien (IRENA) an sich gezogen hat. Logischer Sitz wäre Bonn gewesen, immerhin hatte Deutschland die Gründung der Behörde angeregt und durchgesetzt. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten mit Masdar als Sitz geworben; nun müssten sie Masdar auch bauen. Swiss Pavilion am WFES Der World Future Energy Summit sieht sich selbst als das weltweit grösste Branchentreffen der Erneuerbaren Energien und der Umwelttechnologien. An der dritten Ausgabe im Januar 2010 haben mehr als 24000 Unternehmer, Politiker, Wissenschaftler, Experten und Journalisten aus 148 Ländern teilgenommen. Die vierte Ausgabe findet vom 17. bis zum 20. Januar erneut in Abu Dhabi statt. Bereits zum dritten Mal werden Schweizer Aussteller Gelegenheit haben, am Schweizer Gemeinschaftsstand teilzunehmen. Organisiert wird der Swiss Pavilion auch diesmal von T-LINK. Zu den Partnern gehören unter anderem swisscleantech als Verband der nachhaltig orientierten Schweizer Unternehmen, die Swiss Village Association, Swissmem, Osec als offizieller Schweizer Aussenwirtschaftsförderer, die Bundesämter für Energie und Umwelt und der Swiss Business Hub in Dubai. Neu wird diesmal auch eine Lounge „Switzerland is Cleantech“ zur Verfügung stehen. Immerhin, der World Future Energy Summit (WFES) findet wieder statt. Die Veranstaltung in Abu Dhabi war einst ins Leben gerufen worden, um als eine Art Werbeträger und Beschaffungsmesse für Masdar zu wirken. Trotz der Verzögerungen Masdars findet die vierte Ausgabe der Veranstaltung im kommenden Januar statt. Setzt sich die Linie der bisherigen drei Ausgaben fort, dann wird der Summit wieder zu einem Schaufenster für Anbieter in den Bereichen Erneuerbare Energien und Umwelttechnologien. Golfstaaten brauchen Cleantech
Und das in einer Region, die einen riesigen Bedarf dafür hat. Alle Staaten des Golfkooperationsrates, ausgenommen Katar, hätten zu wenig Erdgas für die Stromproduktion, sagt Chris Watts, Leiter des Swiss Business Hubs in Dubai. Alle Staaten der Region rechneten mit einer Verdoppelung ihrer Bevölkerung in den nächsten 20 Jahren. Allein für Saudi Arabien würde das bedeuten, dass 2030 bis zu 60 Millionen Menschen im Land lebten. „Damit wird sich auch der Energiebedarf verdoppeln“, so Watts. Die Vereinigten Arabischen Emirate setzen auf erneuerbare Energien und auf Kernkraft, vier Kernkraftwerke sind bereits in Südkorea bestellt. Ähnliche Diskussionen würden in Saudi Arabien geführt. Doch es geht nicht nur um Energie, sondern auch um Wohnraum. Saudi Arabien baue vier neue Städte, es könnten mehr werden. Die grösste, die King Abdullah Economic City, deren Bau nördlich der Hafenstadt Jeddah bereits 2006 begonnen hat, soll 2 Millionen Einwohner haben. Für Cleantech-Anbieter biete das grosse Chancen. Die Schweiz habe dabei gute Chancen wegen ihrer Produkte, ihres Wissens und ihrer Technologien sowie wegen ihres guten Rufes. Schon heute seien die Golfstaaten ein wichtigerer Markt als Indien oder Russland. Unter den Schwellenländern sei nur China etwas wichtiger. So exportierte die Schweiz im vergangenen Jahr für 5,25 Milliarden Franken an den Golf, für 5,4 Milliarden Franken nach China, aber nur für je 2,1 Milliarden nach Russland und Indien. „Die Bedeutung der Golfstaaten wird weiterzunehmen, auch wenn es zu Verschiebungen innerhalb der Golfstaaten kommt.“ Insbesondere wünscht sich Watts, dass die Schweiz eine Botschaft in Katar einrichtet, dem grössten Exporteur von Flüssiggas. Wie gut sich die Golfregion und insbesondere Masdar als Sprungbrett in andere Märkte eignet, zeigt das Beispiel der ETH Zürich. Der Lehrstuhl für Informationsarchitektur hat für Masdar City abgeklärt, wie sich die Vorgaben Foster and Partners unter Berücksichtigung etwa auf passives Design, Beschattung und Anforderungen an den Lebensraum von Tieren umsetzen lassen. Im vergangenen März einigten sich die ETH und der Nationale Forschungsrat von Singapur darauf, im Stadtstaat am Äquator ein Laboratorium für nachhaltige Stadtentwicklung einzurichten. Die Finanzierung in Höhe von mehreren Dutzend Millionen Franken übernimmt Singapur. Die ETH richtet dafür dort eine Aussenstelle ein, die von Gerhard Schmitt geleitet wird. Der Professor für Informationsarchitektur ist gleichzeitig ETH-Delegierter für institutionelle Angelegenheiten. In der Sichtweise der ETH geht es bei der nachhaltigen Stadtentwicklung auch um Energiesparmassnahmen und damit Klimaschutz. „Die gebauten Strukturen sind für 80 Prozent des CO2-Ausstosses verantwortlich“, sagt Jan Halatsch vom Lehrstuhl für Informationsarchitektur. Aber es geht dennoch um wesentlich mehr: „Lebensqualität ist der Schlüssel für dauerhaften Wohlstand.“ Und Städte leisten einen wichtigen Beitrag an die Lebensqualität. Halatsch stört sich im übrigen nicht daran, dass sich Masdar verzögert. Denn Städte müssen wachsen. „Ich finde es gar nicht so schlecht, wenn es etwas langsamer geht.“ Auch Nick Beglinger, Präsident der Swiss Village Association, ist überzeugt, dass Masdar zustande kommt. Er verweist auf die eine Milliarde Dollar, die bereits verbaut worden sind. „Es dauert vielleicht länger, aber Masdar wird Wirklichkeit.“ Bild: Abu Dhabis Kronprinz Scheich Khalifa bin Zayed Al Nayan lässt sich den Swiss Pavilion am World Future Energy Summit im Januar 2010 zeigen (T-LINK).
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