Aus dem Blog von {Steffen Klatt}
Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit hat die ersten Lebensmittel nach dem Cassis-de-Dijon-Prinzip zugelassen: Was in der EU erlaubt ist, darf in der Schweiz verkauft werden. Das senkt nicht den Konsumentenschutz in der Schweiz, erhöht aber den Rechtfertigungsdruck für Schweizer Produzenten. Die Ferien sind vorüber. Hunderttausende Schweizerinnen und Schweizer sind zurückgekehrt. Die Erinnerungen an die Trattoria in Italien, das Restaurant im Burgund oder die Kneipe in Berlin bleiben. Dieses Jahr war es noch etwas schöner, weil der Franken so stark ist. Und weil er das immer noch ist, werden Tausende Schweizerinnen und Schweizer im nahen Ausland einkaufen. Mit anderen Worten: Im Alltag vertrauen Konsumentinnen und Konsumenten schon heute, dass sie in der EU einen ähnlichen Schutz geniessen wie zuhause. Das Cassis-de-Dijon-Prinzip haben sie für sich umgesetzt: Was in der EU zugelassen ist, kann bedenkenlos gekauft werden. Nun kommt dieses Prinzip in die heimischen Regale. Das Bundesamt für Gesundheit hat die ersten Produkte zugelassen, die den EU-Regeln, aber nicht den strengeren Schweizer Vorschriften entsprechen. Das ist gut so, denn es schafft unnötige Bürokratie ab. Das hat auch Schattenseiten: Die neue Freiheit bringt eine Anpassung nach unten. Wenn ein Fruchtsirup nur noch 10 statt 30 Prozent Fruchtsaft enthalten muss, ist er eben weniger fruchtig. Gleichzeitig konkurrenzieren die neu zugelassenen Produkte höherwertige einheimische Waren. Schweizer Produzenten müssen nicht fürchten, sämtliche Kunden zu verlieren. Denn des Schweizers Gewohnheit bleibt, Qualität kaufen zu wollen, wenn auch zu vernünftigem Preis. Geiz ist hier eben nicht geil – selbst Aldi hat sich anpassen müssen. Zunehmend wird es auch zu des Schweizers Gewohnheit, Regionales zu kaufen. Schweizer Produzenten stehen allerdings unter verstärktem Rechtfertigungsdruck. Sie müssen klarmachen, dass ihr Fruchtsirup mit 30 Prozent eben besser ist als der mit 10 Prozent. Aber dieser Rechtfertigungsdruck besteht ohnehin: Die Konsumentinnen (manchmal auch die Konsumenten) wollen vermehrt wissen, was sie konsumieren. Und wenn die Schweizer Produzenten zuhause ihre anspruchsvollen Kunden überzeugen können, dann haben sie Chancen auf dem EU-Markt. Der Einstieg in diesen Markt ist zwar nicht immer leicht. Aber bei einer halben Milliarde Konsumenten lohnt sich mancher Aufwand. Auf solche guten Nachrichten kann man doch mal einen Cassis nehmen. Oder Trockenbeerenauslese aus der Bündner Herrschaft. Teurer. Aber lecker.
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