Grönland hofft auf Öl

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Geschrieben von: Thomas Hug, Oslo 26.08.10
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An der grönländischen Westküste hat die schottische Gesellschaft Cairn Energy Erdgas gefunden. Die grösste Insel der Welt hofft nun auf Erdöl, auch, um die künftige vollständige Unabhängigkeit von Dänemark zu finanzieren.

Seit den 70iger Jahren wird in Grönland nach Erdöl gesucht, bislang vergebens.  Diese Woche  aber kam von der schottischen Erdölgesellschaft Cairn Energy endlich eine Erfolgsmeldung. Bei Probebohrungen in der Diskobucht an der grönländischen Westküste ist die Cairn Energy in 2000 Meter Tiefe auf Gas gestossen. Der Fund befindet sich im so genannten Sigukk-Block, wo die Erdölgesellschaft die Erlaubnis für vier Probebohrungen hat.

Experten mahnen zu Vorsicht

Sowohl die fündige Erdölgesellschaft selber wie auch dänische Experten  versuchen die Erwartungen zu dämpfen. „Wir haben bis jetzt kein Erdöl gefunden, aber wir haben ein System gefunden, das Erdöl andeutet“, sagt Cairn Energys kommerzieller Direktor Simon Thompson zum grönländischen Radio. Jedes Bohrloch habe eine rund zehnprozentige Chance, dass es auch Erdöl enthalte. Doch wolle Cairn Energys  die Erwartungen nicht zu hoch schrauben.  „Wir probieren unser Bestes, wir machen viele Untersuchungen, wir haben Talent und hoffentlich auch Glück“, meinte Thompson weiter.

Professor Erling Stenby von der Dänischen Technischen Universität in Kopenhagen mahnt ebenfalls zu Vorsicht. „Vom Resultat dieser Bohrung kann man nicht  darauf schliessen, dass Erdöl gefunden wurde oder schon nur dass man sichere Zeichen für Erdöl habe“, sagt Stenby zum dänischen Radio.

Behörden sind optimistisch

In Grönlands Hauptstadt Nuuk gibt man sich freilich schon lange optimistisch. „Das Schwarze hier ist Erdöl“, hatte Jörn Skov Nielsen schon vor einigere Zeit zu Journalisten gesagt. Der Chef es grönländischen Rohstoffamtes legte demonstrativ einen Steinklumpen auf den Tisch. Skov Nielsen war sich schon damals sicher, dass es auf Grönland Erdöl gibt. „Die Frage ist nur, ob die Vorkommen eine lohnende Gewinnung erlauben“,  meinte der grönländische Rohstoff-Chef. Nun scheint er richtig mit seiner Prognose gelegen zu haben.

Längst hat sich Grönland Gedanken gemacht, wie eventuelle Erdöleinkommen verteilt werden können, ohne die Wirtschaft zu erhitzen. Vorbild ist dabei Norwegen, das den Grossteil der Einnahmen in einem Fonds einbringt. Damit sollen den Bedürfnisse kommender Generationen befriedigt und vor allem künftig Renten gesichert werden.  Skov Nielsens Fachdirektion ist denn auch wie die norwegischen Erdöldirektion organisiert.

Erdöl soll Unabhängigkeit schmieren

Doch für Grönland hätten Ölfunde eine andere, grössere Bedeutung als für Norwegen. Sie sollen die Unabhängigkeit finanzieren. Erst 1953 wurde das Land gleichberechtigter Teil Dänemarks bislang war die grösste Insel der Welt eine dänische Kolonie. 1979 erhielt Grönland Autonomiestatus mit einer „Hjemmestyre“- Ordnung,  einer in vielen Bereichen autonomen Regierung. Im November 2008 stimmten die Grönländer und Grönländerinnen für mehr Unabhängigkeit von Dänemark und mehr Selbstverwaltung. Einnahmen aus der Rohstoffgewinnung sollten Hilfsgelder aus Kopenhagen überflüssig machen.
Zurzeit erhält Grönland von Dänemark jährlich einen Zuschuss von 3,2 Milliarden dänischen Kronen (430 Millionen Euro/560 Millionen Franken).

Ein Erdölfund hätte denn auch grosse Konsequenzen für Grönland, sagte der grönländische  Regierungschef  Kuuip Kleist Anfang August zum norwegischen Nachrichtenbüro NTB.

„Wir  werden unsere Vereinbarungen mit Dänemark erfüllen, Grönlands Wirtschaft entwickeln, so dass wir es dann einmal ohne dänische Zuschüsse schaffen werden“, meinte Kleist.

Greenpeace beobachtet

Doch Bohrungen vor Grönlands Westküste sind riskant. Wassertiefen von über 1000 Meter und treibendes Eis steigern die Gefahr von Unfällen. Insbesondere nach der Katastrophe vom Golf von Mexiko häufen sich die Bedenken, in diesem heiklen arktischen Gebiet Erdöl zu fördern. Das Greenpeaceschiff „Esperanza“ verfolgte denn auch die Probebohrungen von Cairn Energy aus nächster Nähe.

Grönlands wichtigste wirtschaftliche Einnahmequelle ist bisher die Fischindustrie mit Garnelen als einem der wichtigsten Produkte. Das lässt die Fischer aufhorchen, die die Folgen der Katastrophe im Golf von Mexiko für die dortige Garnelenindustrie registiert haben.

 

Bild: Grönland (Cairn Energy).

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