Nachhaltig sitzen auf der Expo

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Geschrieben von: Manuela Ziegler, Basel 27.08.10
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Im Swiss Pavillon in Schanghai stehen Möbel aus Indonesien. Besser gesagt: Von INCHfurniture aus Basel, einem Zwei-Mann Unternehmen, das im indonesischen Teil Borneos produzieren lässt. Firmengründer Yves Raschle erklärt, wie sich nachhaltiges Wirtschaften für beiden Seiten lohnt.

Manuela Ziegler: Ihre Teakholz-Möbel werden in Indonesien produziert. Welche Philosophie steckt dahinter?

Yves Raschle: Wir waren im Zivildienst bei der Mission 21 in Kalimantan im indonesischen Teil Borneos. Dort haben wir dabei geholfen, den Produktionsbetrieb einer Holzfachschule neu zu strukturieren. Und haben festgestellt, dass die einheimischen Schreinereien im Holzhandwerk gut qualifiziert sind. Aber sie werden leider von westlichen Auftraggebern oft nicht als gleichberechtigte Geschäftspartner respektiert. Es wird über deren Kopf hinweg entschieden – unter dem Vorwand, man müsse den Einheimischen zeigen, wo es langgeht. Wir wollten es besser machen, indem wir eine nachhaltige Wirtschaftsweise aufbauen.

Manuela Ziegler: Warum haben Sie sich dabei für das umstrittene Teakholz aus Plantagenwirtschaft entschieden?

Yves Raschle:Es handelt sich dabei nicht um Plantagen im herkömmlichen Sinn. Sie wurden bereits von den holländischen Kolonialmächten angelegt. Heutzutage stammt aus ihnen ein Grossteil der indonesischen Teakholzproduktion. Der Vorteil ist, dass dafür kein Primärregenwald gerodet werden muss.

INCHfurniture im Swiss Pavillon

Die Projektleitung des Schweizer Pavillons (Präsenz Schweiz EDA/Nüssli) der Expo 2010, hat INCHfurniture beauftragt, das inhaltliche und gestalterische Konzept des Pavillons in der Möblierung umzusetzen. Inspiriert von der architektornischen Vision des Pavillons entwarf INCHfurniture in Zusammenarbeit mit den Architekten Buchner Bründler die Shanghai Collection für die Ausstattung des restaurants und der VIP-Lounge.
Die Shanghai Collection ist ab Herbst 2010 im Fachhandel erhältlich. Die original Möblierung des Schweizer Pavillons ist ab Januar 2011 als Limited Edition im Angebot, Reservationen werden dringend empfohlen.

Zudem arbeiten wir mit einem Forstbetrieb zusammen, der im Prozess der FSC-Zertifizierung steht. Dieser gewährleistet, dass die Wachstumszyklen für Teakbäume von 60 bis 80 Jahren eingehalten werden. Das heisst, es handelt sich bei den Plantagen um eine Art Mischkultur, in der schwerpunktmässig Teak, ergänzt um Reis, angepflanzt wird. Das Prinzip ist vergleichbar mit jenem der Schweizer Buchenwälder.

Manuela Ziegler: Welchen nachhaltigen Nutzen hat die einheimische Bevölkerung von Ihrer Wirtschaftsweise?

Yves Raschle: Die nationalen Gesetze schützen die Arbeitnehmer oft zu wenig. Daher haben wir uns als Auftraggeber entschieden mit Pika, einem Produktionsbetrieb mit Lehrwerkstätten, zusammen zu arbeiten. Die landesweit anerkannte Schreinerei mit einem modernen Maschinenpark engagiert sich sozial für ihre Mitarbeiter. Diese erhalten einen Durchschnittslohn und haben ausserdem – für dortige Verhältnisse unüblich -  einen Arbeitsvertrag sowie Anspruch auf Sozialleistungen. Diese sozialen Verpflichtungen bilden die Basis unserer Zusammenarbeit. Daneben gibt es einen regen  fachlichen Austausch mit den Handwerkern und Werkstattleitern.

Manuela Ziegler: Wie sieht die Zusammenarbeit konkret aus?

Yves Raschle: Wir entwerfen Möbel, deren Fertigung besondere handwerkliche Kenntnisse verlangt. Jedes Bauteil wird entsprechend seiner konstruktiven und ästhetischen Anforderungen ausgesucht. Zweimal jährlich sind wir selbst vor Ort und diskutieren die Umsetzbarkeit unsere Entwürfe. Die Arbeitsprozesse werden verfeinert, und innovative Konstruktions- und Bearbeitungsmethoden gemeinsam entwickelt und umgesetzt. Das lohnt sich für beide Seiten.

Manuela Ziegler: Inwiefern?

Yves Raschle: Durch Vorträge wollen wir auf die Bedeutung der nachhaltigen Holznutzung aufmerksam machen und so ein ökologisches Denken in der Schule verankern. Sie kann eine Vorbildfunktion übernehmen und in der Bevölkerung allmählich ein ökologisches Bewusstsein schaffen. Dieser von uns ins Leben gerufene Aufklärungsprozess wird inzwischen auch von WWF Indonesien mit Vorträgen und Informationsmaterial unterstützt. Ausserdem leisten wir als Produktgestalter einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Schule und der Studenten. Und nicht zuletzt gibt es auch einen Erfolg in Zahlen. Pika hat im vergangenen Geschäftsjahr zehn Prozent ihres Umsatzes mit uns gemacht. In diesem Jahr rechnen wir mit 20 Prozent.

Manuela Ziegler: Das heisst, auch Sie machen ein gutes Geschäft?

Yves Raschle: Wir können ein Möbel zu einem Preis-Leistungsverhältnis anbieten, das hierzulande konkurrenzlos ist. Einen Stuhl in dieser Holz-, Desgin-, und Verarbeitungsqualität können sie – in der Schweiz produziert – nicht zu einem Preis von 800 Franken verkaufen.

Manuela Ziegler: Bedeutet das, Nachhaltigkeit funktioniert, wenn alle Beteiligten daran verdienen?

Yves Raschle: Ja, die Bedingung ist, dass wir Geschäfte auf gleicher Augenhöhe machen. Pika ist ein eigenständiger Betrieb mit dem wir einen Preis aushandeln. Wenn das Endprodukt nicht den Vereinbarungen entspricht, nehmen wir es nicht ab. Darin unterscheidet sich unser Geschäftsmodell von jenem der Weltläden, die als verlängerter Arm der Produzenten ehrenamtlich arbeiten. In diese Sinne sehen wir uns als Initianten. Nur auf diese Weise können wir die Produzenten für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisieren.

 

Zur Person:
INCHfurniture steht in der Zusammensetzung der Länderinitialen für eine schweizerisch-indonesische Zusammenarbeit. Dahinter verbirgt sich das 2004 von Yves Raschle und Thomas Wüthrich gegründete Gestaltungsbüro. Die beiden Innenarchitekten entwerfen Möbel und lassen diese in Indonesien bei Pika (der Pendidikan Industri Kayu Atas) in der Hafenstadt Samarang auf der Insel Java produzieren. Pika ist eine Schreinerei mit angegliederten Lehrwerkstätten und geniesst landesweit wegen der Qualität der handwerklichen Arbeit wie der sozialen Grundsätze einen sehr guten Ruf. Die Einrichtung entwickelte sich ursprünglich aus einem missionarischen Projekt. Auch die Möbelbeschläge aus Metall werden von einer ähnlichen Modell-Schule für Maschinenbau, Atmi, in der Stadt Solo gefertigt.

Die Macher von Inchfurniture wollen mit ihrem Geschäftsmodell für einen schonenden Umgang mit der Ressource Holz sensibilisieren. Sie verwenden ausschliesslich Teakholz aus Plantagen auf der Insel Java. Denn in Indonesien sind aufgrund der enormen Nachfrage nach Tropenholz riesige Flächen von Primärregenwäldern bereits rücksichtloser Rodung zum Opfer gefallen.

Bilder: Manuela Ziegler, www.inchfurniture.ch

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