Zug um Zug an die Spitze

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Geschrieben von: Georg Ackermann, Singapur 25.08.10
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China hat Japan als zweitstärkste Wirtschaftsnation überholt. Doch dabei soll es nicht bleiben. Das Reich der Mitte investiert massiv in die Infrastruktur, gerade in die Bahn. Das schafft Chancen für westliche Unternehmen. Mittelfristig wird China zum Konkurrenten.

Die Weltwirtschaft hängt zunehmend von der Konjunktur in China ab. Meldungen über eine Abschwächung des Wachstums im Reich der Mitte verunsicherten in der vergangenen Woche die Märkte. Doch von einer Schwäche kann keine Rede sein: China hat nun Japan als zweitstärkste Wirtschaftsnation überholt.

Grösstes Eisenbahnprojekt der Geschichte

Und das ist noch lange nicht das Ende. Denn China investiert weiterhin Milliarden in die Infrastruktur. Gerade der Schienenverkehr erlebt einen Boom ohne Gleichen. Erst am Freitag verabschiedete die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission einen neuen Plan über weitere 2.000 Streckenkilometer. Dieser sieht den Anschluss der Zentralchinesischen Henan-Provinz vor, Verbesserungen im Perlflussdelta und ein Metrosystem für die Stadt Xi’an im Nordwesten.


16.000 Kilometer soll das chinesische Hochgeschwindigkeitsnetz im Jahr 2020 umfassen. Die Weltbank spricht vom „grössten Eisenbahnprojekt für den Personentransport das jemals von einem Land auf die Beine gestellt wurde.“ Auf zwei Billionen Yuan (226 Milliarden Euro/305 Milliarden Franken) werden die Kosten für die Hochgeschwindigkeit allein geschätzt. „Der Schienentransport wird die nationale Integration auf eine neue Ebene bringen,“ heisst es aus dem Eisenbahnministerium. Sämtliche Provinzhauptstädte werden dann in weniger als acht Stunden von Peking aus erreichbar sein.

Alstom kritisiert Technologietransfer

Über Aufträge in der Höhe von mehreren Milliarden freuen sich auch die grossen westlichen Zulieferer, vor allem Bombardier, Siemens und Alstom. Siemens war 2008 an der ersten Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Peking und Tianjin beteiligt. Auch Alstom ist aufgrund seiner jahrelangen TGV-Erfahrung gefragt. Die Franzosen landeten ihre Deals zuletzt vor allem im Nahverkehrsbereich, wo sie 1200 Züge an die Shanghai Metro verkauften und mehr als 400 an die Metro in Nanjing.
Nun übten diese jedoch Kritik an den immer mächtiger werdenden chinesischen Partnern. China zwinge die Westfirmen zu Technologietransfer, um an die lukrative Aufträge zu gelangen, so der allgemeine Tenor. „Das stimmt nicht,“ kontert Hu Huawu, Chefingenieur beim Eisenbahnministerium. „Chinas Züge beruhen zwar auf ausländischer Technologie, seien aber in hohem Masse von chinesischen Ingenieuren verändert worden, um von Spitzengeschwindigkeiten von 200 Stundenkilometern bis auf 350 km/h zu gelangen.“
Auf der Peking-Shanghai-Strecke sollen ab nächsten Jahr bereits Züge eingesetzt werden, die bis 380 Kilometer pro Stunde beschleunigen. „Einige klagen darüber, China würde ihre Technologie klauen. Ich frage mich, wie das gehen soll, wenn wir selbst doch die schnellsten sind,“ setzt Ministeriumspecher Li Jun noch einen drauf. China schwingt sich in der Tat zu einem mehr als ernstzunehmenden Konkurrenten für die etablierten Wettbewerber auf. Man schaue sich einige Projekte in Russland, Brasilien, der USA, Myanmar und Laos an, heisst es. „China wird weiterhin mit ausländischen Unternehmen kooperieren und Konsortien bilden, um bei Überseeprojekten mitzubieten,“ so Li Jun.

Japan kritisiert chinesische Qualität

An der Schlammschlacht beteiligte sich zuletzt auch Japan, das die Qualitätskarte ausspielte. Chinas Schnellzüge hätten Defizite in Sachen Sicherheit, zitierte die Financial Times Yoshiyuki Kasai, Präsident der Central Japan Railway Company. „Alle internationalen Sicherheitsstandards werden eingehalten,“ schallt es zurück. China habe derzeit 355 Hochgeschwindigkeitszüge im Einsatz und alle zusammen hätten bereits 280 Millionen Kilometer zurückgelegt. „Unsere Züge sind sicher!“
Die Verbindung von Peking nach Shanghai, die im kommenden Sommer in Betrieb gehen soll, gilt als eine der ambitioniertesten. Die Reisezeit für die 1.060 Kilometer wird bis um die Hälfte auf unter fünf Stunden sinken. 220.000 Passagiere werden sich täglich auf der Strecke bewegen, die in der Jiangsu-Provinz über ein 164 Kilometer langes Viadukt führt, der angeblich längsten Brücke der Welt.
Sollte der chinesische Zug zum Exportschlager werden, so arbeitet man in Peking bereits an ganz anderen Zielen. Eine Verbindung für Südostasien wird bereits diskutiert, vom südwestlichen Nanning über Hanoi, Vientiane, Phnom Penh, Bangkok und Kuala Lumpur bis hinunter nach Singapur. Oder über Russland nach Europa. Das wäre selbst für die Chinesen eine Herausforderung.

 

Bild: Zu sehen: Der Transrapid Shanghai ist eine Magnetschwebebahn, die am 31. Dezember 2002 auf einer 30 km langen Strecke von der Station Lóngyáng-Strasse in einem Aussenbezirk Shanghais (VR China) zum Flughafen Pudong mit dem Probebetrieb gestartet wurde (www.transrapid.de).

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