Pack Whisky in den Tank

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Geschrieben von: Gabriel Rath, London 20.08.10
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Schottland findet Ersatz für seine versiegenden Ölquellen und setzt auf Whisky. Aus den Abfällen der Whiskyherstellung wird Butanol erzeugt, was als Treibstoff gängige Automotoren zum Laufen bringen kann. Regierung und Umweltverbände jubeln.

Mit einem derartig angetriebenen Auto werden auch Schlangenlinien erlaubt sein: Forscher der schottischen Napier University in Edinburgh haben nun ein Verfahren zum Patent angemeldet, bei dem aus den Abfällen bei der Whiskyherstellung Bio-Treibstoff gewonnen wird. „Es ist eine nachhaltige und umweltfreundliche Lösung, die Erträge auf Grundlage eines der grössten Wirtschaftszweiges Schottlands verspricht“, sagt Projektleiter Martin Tangney.

Mit dem Whisky-Tank durch die USA

Die schottische Whiskyindustrie ist mit einem Jahresumsatz von vier Milliarden Pfund (4,8 Milliarden Euro / 6,5 Milliarden Franken) einer der grössten Wirtschaftszweige des Landes. Bei der Herstellung des „Wassers des Lebens“, wie die Schotten ihren Whisky nennen, fallen jährlich 16 Millionen Hektoliter Destillat und 187.000 Tonnen Getreideabfall an. Unter Anwendung eines von dem späteren ersten Präsidenten Israels, Chaim Weizmann, entwickelten Verfahrens ist es Professor Tangney und seinem Team nun gelungen, aus dieser Masse Butanol zu gewinnen. Dieser Alkohol (C4H9OH) hat nicht nur keine CO2-Emissionen, sondern ist auch ungleich energieeffizienter als andere Ersatzstoffe: 2005 legte der US-Erfinder David Ramey laut The San Diago Union Tribune fast 9.000 Kilometer quer durch die USA mit einer Tankfüllung zurück.

Potenzial ist ein „Geschäftsgeheimnis“

Der von den schottischen Forschern gewonnene Bio-Treibstoff könnte nach den Worten von Tangney ab sofort und ohne Veränderungen an gängigen Automotoren verwendet werden. Wahrscheinlicher jedoch sei „die Beimischung von fünf bis zehn Prozent Bio-Treibstoff zu Benzin und Diesel. Aber selbst das würde einen riesigen Unterschied ausmachen.“ Tangney wollte nicht sagen, wieviel Treibstoff man in Schottland mit seiner Methode gewinnen könne („Geschäftsgeheimnis“), an der kommerziellen Umsetzung der Erfindung wird aber bereits gearbeitet. „In ein paar Jahren ist es durchaus möglich, dass der neue Treibstoff überall erhältlich sein wird.“ Die erste Frage sei nun, einen geeigneten Vertrieb zu finden.

Butanol hat die bessere Ökobilanz

Butanol hat nicht nur einen wesentlich höheren Wirkungsgrad als etwa Ethanol. Es kann auch ohne Folgewirkungen gewonnen werden, da es allein auf der chemischen Spaltung der Abfallprodukte der Whisky-Produktion beruht, während etwa für die Ethanolherstellung riesige Abholzungen erforderlich sind. Nicht nur die Umweltorganisation WWF und die schottische Regierung zeigten sich begeistert, die Whiskyindustrie sprach gar von einer „Pioniertat“. Für Schottland kommt der Durchbruch auch zeitlich ausgesprochen willkommen: Die Ölförderung in der Nordsee hat ihren Höhepunkt überschritten und liegt heute nach Ausschöpfung der reichsten Vorkommen unter dem Stand von 1979. Tangney gibt sich selbstbewusst: „Öl wird nichts als einen Moment in der Treibstofferzeugung unseres Planeten darstellen. Es hat nie Sinn gemacht, alles auf eine Ressource aufzubauen, die wir erschöpfen werden.“

Bild: www.homecomingscotland2009.com

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