Raus aus der Nische

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Geschrieben von: Steffen Klatt 17.08.10
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Nun ist China die Nummer zwei. Das Reich der Mitte hat Japan an Wirtschaftskraft überholt.  Es wird so weiter gehen. Die chinesische Führung lässt massiv in die Infrastruktur investieren. Das freut Anbieter westlicher Technologien. Kein Wunder, dass Schweizer Exporte einen Aufschwung erleben.

Die Freude wird getrübt, weil viele westliche Produkte nachgeahmt werden. Uhren sowieso, Maschinen auch. Das hat sich seit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation gebessert, aber gut ist es noch nicht. Inzwischen hört es bei der Kopie nicht mehr auf. Aus dem Technologieabnehmer China wird ein Technologieanbieter. Ein Konkurrent also. Das schmerzt vor allem auf Schwellenmärkten.

Muss die Schweiz Angst haben? Im Gegenteil. Als Anbieterin von guten, aber teuren Nischenprodukten gedeiht sie am besten im Umfeld florierender Märkten mit starker industrieller Basis. Nicht umsonst ist Deutschland mit seiner Auto-, Chemie- und Umweltindustrie der grösste Absatzmarkt.

Freilich, Deutschland ist ein Nachbar mit ähnlicher Sprache und Kultur, China weit weg und ganz anders. So eng wird das Verhältnis also kaum werden. Braucht es auch nicht, denn China ist gross.

Die Grundlage dafür,  dass die Schweiz auch unter den neuen Gegebenheiten floriert, muss zuhause gelegt werden. Denn viele der Trümpfe, mit denen die Schweiz bisher stechen konnte, sind ererbt. Fast alle grossen Unternehmen des Landes wurzeln tief im vorvergangenen Jahrhundert. Manche der ererbten Trümpfe sind verspielt – der Finanzmarkt muss mehr als ein Lied davon singen. Und nicht alle Trümpfe werden richtig gespielt. So wird zwar immer wieder die Innovationskraft der Schweiz gepriesen. Aber bei der Umsetzung guter Ideen auf globaler Ebene ist sie alles andere als Spitze. Viele neue Anbieter bleiben in der Nische stecken. Technologiestark, aber umsatzschwach.

Die Schweiz muss sich wieder auf ihre eigentliche Stärke besinnen: den Unternehmergeist. Es reicht nicht, ererbte Trümpfe zu verwalten und die eigene Lebenslust ganz auf Snowboard und Surfbrett zu konzentrieren. Vielmehr sollten aus grossen Ideen endlich wieder grosse Projekte werden. Und daraus grosse Unternehmen. Hier.

 

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