Die westliche Welt lebt auf zu grossem Fuss. Die Plattform Footprint Österreich drängt darauf, den Fussabdruck zu verkleinern. Das ist möglich, wenn sich jeder seines eigenen Fussabdrucks bewusst wird, sagt Wolfgang Pekny. So entspricht der Ressourcenverbrauch für ein Kilogramm Fleisch einer Autofahrt von 200 Kilometern oder 25 Litern Bier.
Elke Bunge: Was ist das Ziel der Plattform Footprint Österreich? Wolfgang Pekny: Unsere Aufgabe besteht in der intensiven Aufklärungsarbeit über den menschlichen Footprint, also den individuellen Fussabdruck, den jeder Einzelne von uns hinterlässt. Wir leben heute in einer Gesellschaft, die auf zu grossem Fusse lebt, der Fussabdruck von Österreich liegt beispielsweise derzeit bei knapp fünf Hektar pro Einwohner. Ein gängiger Fussabdruckrechner berechnet dann, wieviel Erden wir verbrauchen, würden alle Erdenbürger diesen Fussabdruck haben. Für das Land Österreich sind es zweieinhalb Planeten, das heisst die Bevölkerung von Österreich verbraucht zweieinhalb Mal mehr Ressourcen, als die Erde zur Verfügung hat. Unser Ziel ist es, grösstmögliche Aufklärungsarbeit zu leisten, ihren individuellen Fussabdruck zu betrachten und natürlich auch zu verbessern. Dafür gehen wir in Schulen, Institute oder Industrie, also an Orten, wo wir direkt in Kontakt mit den Menschen treten. Elke Bunge:Dieser zwischenmenschliche Kontakt ist ein wichtiger Faktor in ihrer Arbeit? Wolfgang Pekny:Ja, wir glauben, dass er entscheidend ist, um sich über den ganz eigenen Footprint bewusst zu werden. Ich nenne es den „face to face“ Kontakt, er ist notwendig, um wirklich Feuer zu fangen für dieses Thema. Und nur mit diesem Feuer ist jeder einzelne bereit, etwas zu verändern. Das Internet oder Broschüren allein reichen dafür nicht aus. Elke Bunge:Und wie sieht diese Aufklärungsarbeit dann aus? Wolfgang Pekny:Unser Konzept nennen wir „ein Hektar workshop“. Das heisst wir gehen mit den Menschen nach draussen in die Natur. Dort stecken wir einen Hektar Land ab, und unterteilen diese Stück Land in einzelne Bereiche, die unserem Verbrauch entsprechen. Die Fläche für die Handynutzung inklusive Produktion ist zum Beispiel klein gegenüber der Fläche, die benötigt wird, um das Fleisch zu produzieren, das wir essen. Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel, die Produktion von einem Kilogramm Fleisch entspricht im Equivalent mit gleich grossem Footprint 50 Kilogramm Kartoffeln, oder 10 kg Holz, oder 6 Kilogramm Papier, oder 6 Minuten mit dem Flugzeug, oder 200 Kilometer mit dem Auto oder 45 Tagen Nutzung des Computers inklusive seiner Herstellung oder aber 25 Litern Bier. Dieses Gefühl für die Dinge, die wir jeden Tag konsumieren und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen, wollen wir mit unserem Workshop vermitteln. Elke Bunge:Hilft die Natur also, um den Verbrauch der Ressourcen zu verstehen? Wolfgang Pekny:Es ist enorm hilfreich, die Teilnehmer spüren geradezu ihren Verbrauch. Ein Hektar Land entspricht der Grösse von eineinhalb Fussballfeldern. Am Abend, wenn der Workshop zu Ende ist, sind die Menschen müde von den Distanzen, die sie gelaufen sind. Aber sie sagen mir auch: „Dieser Tag hat mein Leben verändert“. Das ist ein fantastisches Gefühl, so etwas zu hören, denn wir versuchen die Menschen positiv an ein anderes Konsumverhalten heranzubringen. Elke Bunge:Wie lässt sich eine Veränderung des Konsumverhaltens positiv beeinflussen? Wolfgang Pekny:In den Workshops erkläre ich immer wieder die Fünf-Finger-Regel: Der Zeigefinger steht für weniger Fliegen, der Mittelfinger für weniger Autofahren, der Ringfinger für geringeren Fleischkonsum und kleiner Finger für ein Einsparungen von Energie im Haus. Der entscheidende Finger jedoch ist der Daumen, denn er steht für Freude und Spass. Ich möchte, dass die Menschen mit Freude und Vergnügen achtsamer werden. Die Ressourcen nicht gedankenlos verbrauchen, sondern ein gutes Leben haben mit einem fairen footprint für eine friedliche Welt. Dazu gehört auch, die Geschwindigkeit, mit der wir uns bewegen zu beobachten, diese eventuell zu drosseln, sich einfach mal wieder Zeit zu nehmen und durch diese Verlangsamung auch wieder ein anders Bewusstsein zu haben. Zur Person:
Wolfgang Pekny ist Medieninhaber, Herausgeber sowie Redakteur der Plattform Footprint Österreich. Die Plattform ist ein Zusammenschluss von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, die den „Ökologischen Fussabdruck“ als wesentliches Mass für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft einbringen will. Die Organisation wird vom WWF, von Greenpeace, von der österreichischen Umweltorganisation Global 2000, dem Klimabündnis Österreich und weiteren Organisationen unterstützt.
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