Die wahren Fashion Victims

Drucken
E-Mail
Geschrieben von: Sylke Gruhnwald 10.08.10
Bookmark and Share

Die gemeinsame Aktion 10 Rappen von der Erklärung von Bern und der Clean Clothes Campaign Schweiz präsentiert bis Anfang Oktober 2010 jede Woche ein Label in diversen Fashion-Kategorien. Deren Gemeinsamkeit: Alle Unternehmen auf dem Präsentierteller bezahlen weniger als den sicherenden Existenzlohn.

Mindestlohn, Existenzlohn – im chinesischen Shenzhen, in unmittelbarer Nähe zu Hong Kong gelegen, steigt  vor allem die wirtschaftliche Öffnung der Volksrepublik. Und damit auch die Löhne. Was ist die fast schon natürliche Reaktion der dort ansässigen produzierenden Unternehmen? Sie ziehen weiter, gerne in das kostengünstigere Bangladesch. Dort liegen die Löhne bei umgerechnet 25 Schweizer Franken im Monat für eine Arbeitskraft im Nähbetrieb. «Dieser Betrag reicht nicht einmal in Bangladesch zum Leben», erklärt Christa Luginbühl von der Clean Clothes Campaign. Auf diesen Misstand in der Textilindustrie möchte die Kampagne 10 Rappen hinweisen. Das erklärte Ziel ist deshalb die Forderung nach der Zahlung von existenzsichernden Löhnen. Das wichtigste für uns Verbraucher: Fairness muss nicht teuer sein.  Denn der Kuchen wird nicht gleichmässig verteilt. So entfallen auf den Lohnanteil pro T-Shirt gerade einmal 0.5 bis 3 Prozent des Verkaufspreises. Die Bezahlung von fairen, existenzsichernden Löhnen soll und darf kein Luxusproblem sein, und schon gar nicht als wirtschaftlicher Wettbewerbsnachteil angeführt werden. 

Denn es geht auch anders: American Apparel auf internationaler Bühne und Switcher in der Schweiz und Europa setzen sich für nachhaltiges Wirtschaften ein. So setzt Switcher in der unternehmenseigenen Ethik-Charta 17 Punkte für die Bereiche Geschäftsführung, Arbeitsbedingungen, Lebensbedingungen, Umwelt und zur konkreten Umsetzung dieser Charta fest. Natürlich kann viel aufgeschrieben werden, aber was wird wirklich umgesetzt? Transparenz schafft der Respect Code, der in den Kleidungsstücken von Switcher zu finden ist. Über die Eingabe des Codes wird die Produktionskette des Textils offen gelegt und somit nachvollziehbar gemacht. Ein erster Schritt in die richtige Richtung! Als weitere Orientierungshilfe im dichten Dschungel hilft der praktikable Einkaufsführer der Erklärung von Bern weiter. Die letzte Ausgabe vom August 2008 wird gerade überarbeitet und erhält einen Nachfolger im November dieses Jahres.

Ob wir uns wirklich der Illusion hingeben dürfen, dass ein höherer Verkaufspreis merkliche Auswirkungen auf das Lohnniveau der NäherInnen in Südostasien hat, ist fraglich. Ob’s die 10 Rappen mehr tun? Erst einmal ist es sicherlich eine Geste seitens der Verbraucher, d.h. von jedem einzelnen von uns.

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

Cleantech.ch

cleantech_ch

SCA_LOGO_RGB_marginal
mit swisscleantech ins neue Energiezeitalter

Meistgelesene Artikel

    Abonnieren Sie noch heute Ihren persönlichen Newsletter.
    Noch grössere Aktualität erhalten Sie mit unserem RSS-Feed.

    Kalender

    Der Veranstaltungskalender wird vorbereitet.

    {Zum Kalender}

    Magazin Cleantech Switzerland

    Magazin Cleantech Switzerland 2011-1

    Gründungssponsoren