Elektronenrechner heizen Helsinki

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Geschrieben von: Claudius Technau, Helsinki 06.08.10
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Rechenzentren gehören inzwischen zu den Grossverbrauchern von Energie. Ein Teil dieser Energie kann wieder genutzt werden. Das zeigt die Anlage unter der Uspenski-Kathedrale in Helsinki. Deren Abwärme wird in das Fernwärmenetz eingespeist.


Viele Rechenzentren sind wahre Energieschleudern. Insbesondere die Kühlung der immer leistungsfähigeren Systeme ist enorm energieaufwendig und verschlingt teilweise bis zu fünfzig Prozent der Unterhaltskosten. In Finnland macht der Energieerzeuger Helsingin Energia gemeinsam mit dem IT-Serviceanbieter Academica nun vor, wie sich die Energieeffizienz von Rechenzentren deutlich verbessern lässt. Der Felsen unter der prächtigen Uspenski-Kathedrale, der grössten orthodoxe Kathedrale West- und Nordeuropas, ist weitgehend ausgehöhlt. Hinter einer unscheinbaren grauen Stahltür erstrecken sich zahlreiche meterhohe Säle, die in der Vergangenheit unter anderem als Luftschutzkeller dienten. Jetzt entsteht hier eines der modernsten und energieeffizientesten Rechenzentren.

Rechnerwärme für Wohnungen

In den weissgetünchten Räumen ist es angenehm kühl – auch ohne Klimaanlage. Doch niedrige Raumtemperaturen sind längst keine Voraussetzung mehr für ein energiesparendes Data Center. In modernen Rechenzentren erfolgt die Kühlung direkt an den Servern. So auch in Helsinki. Innovativ sind jedoch die energieeffiziente Kühlung und die Nutzung der Abwärme. Die Server werden mit zentral erzeugter Fernkühlung gekühlt, und die von den Geräten abgegebene Wärme wird in das Fernwärmenetz der finnischen Hauptstadt eingespeist. Bei voller Auslastung – 160 Server-Racks auf 600 Quadratmetern – produziert das Rechenzentrum Wärme für 500 grosse Einfamilienhäuser.

Effizienzfaktor 1

Gewöhnliche Rechenzentren weisen eine Energieeffizienz zwischen 1,5 und 2 auf. Der Effizienzfaktor beschreibt das Verhältnis zwischen Gesamtenergieverbrauch und tatsächlicher für den Computerbetrieb genutzten Energie. Bei einem Wert unter 1,5 gelten Rechenzentren heute als energieeffizient, das Rechenzentrum unter der Uspenski-Kathedrale erreicht den Faktor 1. „Wir wollen diesen Wert noch auf 0,5 drücken“, sagt Juha Sipilä, Projektleiter bei Helsingin Energia. Damit, so die Verantwortlichen, würde Helsinki das weltweit energieeffizienteste Rechenzentrum beherbergen. Sipilä schätzt, dass der Primärenergieverbrauch des Helsinkier Rechenzentrums dank Fernkühlung nur ein Fünftel eines gewöhnlichen Rechenzentrums beträgt. Hinzu kommt die Nutzung der Abwärme. „Natürlich hätte man die Abwärme auch durch den Einbau einer Wärmepumpe nutzen können, aber das wäre nicht so effektiv gewesen“, erläutert Sipilä.

Lohnende Investition

Für die Kunden von Academica lohnt sich der Einstieg in das grüne Rechenzentrum nicht nur aus Imagegründen. „Wir sparen mit diesem Rechenzentrum jährlich 600.000 Euro Stromkosten. Diese Einsparungen geben wir an unsere Kunden weiter“, sagt Academica-Marketingchef Pietari Päivänen. Entsprechend gross ist denn auch laut Päivänen die Nachfrage nach Servern in dem unterirdischen Rechenzentrum. „Wir planen in Helsinki bereits ein zehnmal grösseres Rechenzentrum, das im Herbst eröffnet werden soll.“

 

Bild: Die Uspenski-Kathedrale ist die Kathedrale der finnisch-orthodoxen Diözese Helsinki. Sie stammt aus dem 19. Jahrhundert und befindet sich auf einem Felsen am westlichen Ende der Halbinsel Katajanokka im Zentrum von Helsinki, www.austria-lexikon.at.

 

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