Geld sparen bei Abwasserreinigung

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Geschrieben von: Redaktion 29.07.10
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Dübendorf – Das Schweizer Wasserforschungsinstitut Eawag hat ein biologisches Verfahren entwickelt, das Stickstoffelimination aus dem Klärschlammwasser sehr vereinfacht und Kosten halbiert. Das berichtet die Bundesverwaltung. Zwar haben die Kläranlagen in der Schweiz einen sehr guten Standard. Nach wie vor sei aber die Entfernung der Nährstoffe aus dem Abwasser ein energie- und kostenintensives Unterfangen.

Den neuen Prozess hätten bereits mehrere Abwasserreinigungsanlagen (ARA) eingeführt, so die Stadtzürcher Anlage Werdhölzli oder die ARA in Niederglatt (ZH) und St.Gallen. Andere Anlagen (Thun, Bilten/GL, Dietikon) setzten auf ein sehr ähnliches Verfahren des deutschen Unternehmens Cyklar-Stulz. Die Erfahrungen der Betreiber seien positiv.  

Der Schlüssel zum neuen Verfahren liegt laut Bundesverwaltung in einem erst vor rund zehn Jahren von der Eawag und von holländischen Wissenschaftern entdeckten bakteriellen Prozess: die anaerobe Ammoniumoxidation, abgekürzt als Anammox. Anammox-Bakterien könnten Ammonium (NH4+) ohne Kohlenstoff in unschädlichen Luftstickstoff umbauen. Damit der Prozess läuft, muss zuerst ein Teil des Ammoniums mit Sauerstoff zu Nitrit umgewandelt werden, schreibt die Bundesverwaltung. Mit dem Nitrit oxidierten dann die Bakterien das restliche Ammonium zum molekularen Stickstoff. Bisher habe man versucht, diese zwei Stufen des Prozesses getrennt ablaufen zu lassen. Zweistufige Anlagen benötigten aber mehr Platz und ihre Regulierung sei sehr komplex.

Die Vorteile der Schlammwasserentstickung mit Anammox-Bakterien gegenüber der klassischen Nitrifikation/Denitrifikation seien gross: Vor allem müsse das Becken nur noch knapp halb so viel belüftet werden und es müsse keine Kohlenstoffquelle (z.B. Methanol oder Acetat) mehr zugegeben werden. Das spart Energie und Betriebsaufwand, die Kosten sinken auf die Hälfte – rund zwei statt vier Franken pro Kilogramm entferntem Stickstoff, heisst es. Im Fall der Zürcher Anlage Werdhölzli mache es jährlich rund eine halbe Million Franken aus.

Ausserdem sei der Prozess sehr effizient: Die Umwandlung des Ammoniums im Prozesswasser zu Luftstickstoff zu über 90 Prozent entlaste die Kläranlage. So könnten der Vergärung mehr organische Stoffe beigemischt werden (zum Beispiel Abfälle aus der Lebensmittelproduktion). Die Kläranlage produziere dann mehr Biogas. Ein Fernziel aller Abwasserfachleute, dass nämlich die ARA vom Energieverbraucher zum Kraftwerk wird oder wenigstens ohne Energiezufuhr funktioniert, rücke damit ein Stück näher. (eg)

 

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