BP-Schlachtross an der Golffront

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 28.07.10
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Der neu berufene Generaldirektor von BP, Bob Dudley, steht vor einem Berg von Aufgaben: Der Amerikaner, der momentan für BP den Einsatz im Golf von Mexiko leitet, wird das beschädigte Verhältnis zur Regierung in Washington reparieren müssen.

Der künftige Vorstand von BP, der Amerikaner Robert Dudley, hat eine wahre Herkulesaufgabe vor sich. Aber er gilt als gut gerüstet, um zum einen die Folgen des Öl-Desasters im Golf von Mexiko zu bewältigen, die Bilanzen des durch die daraus resultierenden Kosten angeschlagenen Multis in Ordnung zu bringen und nicht zuletzt, die eisigen Beziehungen des Konzerns zur Regierung in Washington wieder aufzutauen.

Schließlich macht BP ein Drittel seines Geschäftes in und mit den USA.

Besserer Zugang zu Washington

Der 54jährige Bob Dudley, der den am Montag weggelobten Tony Hayward ablöst – formal zum 1. Oktober, tatsächlich aber schon jetzt – stammt aus Hattiesburg im US-Bundesstaat Mississippi. Er kennt die Golfküste und amerikanische Regierungsvertreter scheinen ihm zu vertrauen. „Ein Amerikaner als CEO (Chief Executive Officer, oder Vorstandschef) wird eindeutig besser in der Lage sein, die politischen Beziehungen von BP zur Regierung der Vereinigten Staaten zu verbessern“, kommentierte Tim Riley vom auf die Energieindustrie spezialisierten Fonds Guinness Atkinson Asset Management in Kalifornien und London die Berufung.

Einen Tag nach Bekanntgabe des Personalswechsels an der BP-Spitze gab das Unternehmen bekannt, dass es im zweiten Quartal Verluste von 27,5 Milliarden Dollar gemacht hat, vor allem wegen der Folgekosten für die am 20. April im Golf von Mexiko explodierte und dann gesunkene Ölplattform Deepwater Horizon.

Als eine „Wasserscheide“ für den Konzern bezeichnete Verwaltungsratschef Carl-Henric Svanberg den Zwischenfall. Aber: „BP bleibt stark im Geschäft, mit guten Wertanlagen, ausgezeichnetem Personal und eine lebenswichtigen Rolle, die es auch künftig bei der Befriedigung des Energiebedarfs der Welt spielen wird.“ Allerdings, so Svanberg, „wird dies ein anderes Unternehmen sein, das mit einer neuen Führung und energischer Geschäftspolitik und einem sehr engagierten Vorstand“ vorangehen werde.

Hayward sucht den wahren Schuldigen

Auch Dudley und Hayward gaben Erklärungen ab. Während der neue Dudley auf die finanzielle Stärke von BP und „ein  professionelles Team, das zu den besten in dieser Industrie zählt“ verwies, machte sich Hayward indirekt auf die Suche nach einem anderen Schuldigen als er selbst. „Ich fühle mich zutiefst verantwortlich, gleichgültig, wo man auch immer letztlich die Schuld finden wird.“

In den USA war Hayward zum Sinnbild für Unternehmensarroganz und Verantwortungslosigkeit geworden. Ihm wurde vorgehalten, er stehe abseits, während tausende Amerikaner in den Golf-Bundesstaaten ihre Jobs verloren oder ihre wirtschaftliche Existenz in der Fischerei oder dem Tourismus zusammenbrechen sahen. Der Justizminister Floridas, Bill McCollum, brachte dieses Gefühl auf den Punkt: Hayward solle die Region möglichst bald verlassen. „Während der gesamten Katastrophe erschien Tony Hayward einfallslos und desinteressiert, und oft abschätzig gegenüber dem Leiden unseres Staates, unserer Wirtschaft und unserer Bevölkerung.“

Räumt Dudley auf?

Von Dudley erwartet man in den USA nicht weniger als ein großes Aufräumen. Das Interesse an BP ist groß, denn der Multi macht ein Drittel seines Geschäfts hier und 40 Prozent der Aktionäre wie auch der Angestellten von BP sind Amerikaner. Dudley werde wohl den Produktionsleiter Andy Inglis entlassen, der dem Vernehmen nach kräftig mit dem US-Energieminister Steven Chu aneinander geraten ist. Auch der Leiter der Bohr- und Produktionsabteilung Doug Suttles muss mit Verabschiedung rechnen, heißt es. Die US-Regierung hat die anfänglichen gemeinsamen Pressekonferenzen mit BP, vertreten durch Suttles, abgesetzt, nachdem dieser sich abfällig über die Aufräum- und Reinigungsarbeiten der Amerikaner geäußert hatte.

Kampferprobter Topmanager

Bob Dudley hat schon zuvor schwieriges Fahrwasser bei BP erlebt. Er leitete ein gemeinsames Unternehmen mit Russland BP-TNK und geriet ins Visier der russischen Oligarchen, die eigentlich BP’s Partner waren. Er leitete das joint venture vom Ausland aus, bis sich die wogen geglättet hatten. Zeitweise hatte er ein Einreiseverbot nach Russland. „Dieser Mann hat gezeigt, dass er unter Druck arbeiten kann“, urteilt Robin West, Verwaltungsratsvorsitzender von PFC Energy in Washington. „Das ist ein Mann, der wirklich schon zweimal kampferprobt ist.“
Hayward wird seinen Posten offiziell am 1. Oktober verlassen. Aber bis dahin soll er bei TNK-BP untergebracht werden.

Dudley muss sich an seiner Stelle jetzt damit befassen, die havarierte Ölquelle auf dem Meeresboden vor Louisiana endgültig zu schließen. Die Entlastungsbohrungen und Verschlussarbeiten mussten wegen des Tropensturms Bonnie unterbrochen werden. Dudley will sie bis Ende kommender Woche abgeschlossen sehen.

 

Bild: http://www.youtube.com/watch?v=wVFWCRfD0PQ&NR=1

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