Skurriles und Althergebrachtes

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Geschrieben von: Sylke Gruhnwald 26.07.10
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Anfang Mai öffnete die Expo in Shanghai Ihre Tore zur grössten Weltausstellung unter dem Leitmotiv «Eine bessere Stadt, ein besseres Leben» oder auf neu-deutsch «Better City, Better Life». Da darf die Landesvertretung der Schweiz natürlich nicht fehlen und zeigt ihre Schokoladenseite auf 4‘000m2, Thema hier «rural- urban interaction».

In der Gesamtkonzeption des Schweizer Pavillons stehen Mensch, Natur und Technik im Gleichgewicht, demonstriert die fast schon utopische Symbiose von Land und Stadt in einem hybriden Konstrukt mit passender Sesselbahn auf dem begrünten Dach. Schliesslich möchte man auch unterhalten. Und damit’s auf der Tour nicht fad wird, wird die rund 4 Minuten dauernde Sesselbahntour über das grüne Pavillondach akustisch untermalt. Die Idee hinter der schweiztypischen Attraktion könnte die Flucht aus dem urbanen Raum in die Natur sein, liegt nahe. Die Organisatoren wählen die positivere Formulierung der Verbindung zwischen Stadt und Land und betonen deren Komplementarität. So oder so, das Schlagwort Nachhaltigkeit spiegelt sich wieder in der intelligenten und beeindruckenden Bauweise des spiralförmigen, als Doppelhelix ausgebildeten Rampensystems. Die aus Aluminium gefertigte Fassade dient als Sensibilisierungsinstrument der Pavillonbesucher. Die Kurzversion: interaktive LED-Leuchten im Metallmantel reagieren auf Sonnenlicht, Kamerablitze oder Wind und verdeutlichen als weisse Blitze den Einfluss auf die Umwelt.  Im Vordergrund meint man stehe wohl die Suche nach nachhaltigen Lösungen für Stadt und Land, Urbanität und Naturraum.  Gut, dass in Shanghai gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden können. So dient der Schweizer Pavillon nebst Wissensaustausch in punkto Nachhaltigkeit auch zur Imagekorrektur sowie Aufhol- und Ausbauarbeit bei den Chinesen. Allein Uli Sigg kann die Schweiz schliesslich nicht retten.

Globale Skurrilitäten – oder Energieeffizienz am Beispiel Nordkoreas

Nebst der Schweiz sind weitere 241 Aussteller beteiligt. Und nebst dem Programm für’s gewöhnliche  Fussvolk, lädt je nach Nationentag ein anderes Land mit mehr oder weniger prominenter Besetzung zur Schau. Während der deutsche Pavillon vom jetzt ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler besucht wird, muss sich die Ausstellungsplattform der Islamischen Republik Irans mit einem Grusswort ihres Landesvaters Mahmud Ahmadinedschad zufrieden geben. Nennenswert auch der Pavillon Nordkoreas als Sinnbild für Nachhaltigkeit, so fragt Spiegel-Autor Weiland Wagner argwöhnisch:  «(…) wer könnte auf der Weltausstellung glaubwürdiger für Nachhaltigkeit werben als das Land der Kims, das auf nächtlichen Satellitenfotos als energiesparendes schwarzes Loch erscheint?». Besser machen’s da die Deutschen und verkaufen ihr graues Pavillon Monster gleich vor Ort und Stelle.

Dass die Ladung Schweizer Sackmesser, gedacht zur Netzwerkunterstützung im Gastgeschenke liebenden China, im Zoll stecken blieb, sei hier nur eine Randnotiz.

 

Bild: swisspavilion.ch 

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