Grünes Öl

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Geschrieben von: Ralph Prudent, ÖKOWORLD LUX S.A. 28.07.10
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Der Ruf von BP-Oil, bis April 2010 noch grün gefärbter Dauerbrenner vieler Best-in-Class Nachhaltigkeitsfonds, ist auf das nachhaltigste geschädigt. Musste das so kommen?

Inzwischen zeigt sich offensichtlich, dass die Katastrophe tatsächlich das Ergebnis von Schluderei, Leichtsinnigkeit und Gewinnstreben ist. Unabhängig von den ohnehin hohen Risiken einer Tiefseebohrung, soll BP erhebliche Zusatzrisiken aus Kostengründen bewusst mit in Kauf genommen haben.

Die anderen Ölmultis schiessen sich auf BP ein. Die Explosionen auf der Plattform sei ein BP-Unfall gewesen, der sich wahrscheinlich niemals in der Erdöl-Branche wiederholen werde. Und eigentlich hätte er gar nicht zu dem Unglück kommen dürfen, ist die einhellige Branchenmeinung. Ganz nach dem Motto: „Bei uns kann das nicht passieren!"

Die traurige Realität sieht jedoch anders aus. Auch die Nordsee ist in Gefahr! Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich am 21. Mai 2010 ein weiterer Zwischenfall auf einer Ölplattform ereignet. Die Norwegische Ölgesellschaft Statoil – auch ein Liebling der Best-in-Class Manager – ist knapp einem ähnlichen Desaster entgangen. Und nun erleben wir den nächsten Vorfall des Ölkonzerns China National Petroleum, bei dem durch eine beschädigte Pipeline in der Hafenstadt Dalian 1.500 Tonnen Öl austraten und ins Gelbe Meer liefen.

Die schärfsten Wettbewerber von BP ziehen Konsequenzen. Exxon, Chevron, Conoco und Shell investieren eine Milliarde Dollar in ein Auffangsystem für auslaufendes Öl. BP hält sich raus. Aber auch durch solche Aktionen werden Erdölbohrungen nicht nachhaltiger.

Dass BP die Angriffe von Politikern und aus der eigenen Branche unbeschadet übersteht, halten Branchenkenner kaum für möglich. Fast 50 Prozent seines Börsenwertes hat der Konzern seit dem 20. April 2010 eingebüsst. Der Konzern erwägt in zwischen eine Aussetzung der Dividende. Besonders hart würde dies britische Rentner treffen. Bisher zeichnete BP im Durchschnitt für 12 Prozent des Dividendeneinkommens britischer Pensionsfonds verantwortlich. Im Hause BP hat der eigene Ausverkauf bereits begonnen. Wie Tafelsilber werden Unternehmensanteile abgestossen.

Zum Thema „nachhaltige Investments mit BP": War BP jemals nachhaltig? Oder der Schluderer im Depot? Die Frage beantwortet sich nun von alleine. Nachhaltigkeitsfonds sollten eigentlich nur Aktien aufnehmen, wenn die Firmen umweltschonend und sozial verantwortlich handeln. Unter dem Label „Nachhaltigkeitsfonds" wird gerne der Best-in-class-Ansatz angewandt. Bei diesem Best-in-class-Modell wird nur der Branchenstandard gemessen, so dass auch „das beste Unternehmen unter den Schlechten" die Chance hat, ins nachhaltige Bestin-class-Portfolio aufgenommen zu werden. So landet auch schon mal eine BP wegen ihres Umwelt- und Risikomanagements in Best-in-class-Portfolios, obwohl Erdöl grundsätzlich nicht ohne schwerwiegende Umweltbelastungen gefördert werden kann.

Aber auch andere Ölfirmen wie Statoil, Shell oder Total schminken sich gerne auf ganz grün und werden oft in derartige Portfolios aufgenommen. Dadurch wird der Eindruck vermittelt, als sei es dauerhaft „damit getan", Belastungen, relativ betrachtet, so gering wie möglich zu halten, selbst dann, wenn sie, absolut betrachtet, zu hoch bleiben. Was bitte hat das mit Nachhaltigkeit zu tun? Wirklich nachhaltig ist es zum Beispiel in Wasser oder Erneuerbare Energien zu investieren. Der fossile Energieträger Öl ist ersetzbar. Wasser nicht. Wasser ist ein nachhaltiges Anlagethema – Öl nicht. Erneuerbare Energien sind unendlich – Öl ist endlich. Aus Sicht der echten und ehrlichen nachhaltigen Kapitalanlage ist es spätestens seit der von BP verursachten Ölpest im Golf von Mexiko und der Beinahekatastrophe auf der Statoil Plattform Gullfaks C in der Nordsee geboten, auf Ölinvestments grundsätzlich zu verzichten. Positiv- und Negativkriterien für das Anlageuniversum sind dabei unumgänglich.

Die nachhaltige Kapitalanlagegesellschaft ÖKOWORLD LUX S.A. schliesst derartige Umweltrisiken im ÖKOWORLD ÖKOVISION CLASSIC konsequent und transparent aus. Entsprechend den Anlagekriterien des ÖKOWORLD ÖKOVISION CLASSIC Nr. 4 e (verbindlich festgelegt in Teil II des Verwaltungsreglements) investiert der Fonds nicht in Unternehmen, die Raubbau an natürlichen Ressourcen betreiben oder dazu beitragen. Hierzu zählt natürlich die Erdölindustrie. Zudem verursacht die Förderung und Weiterverarbeitung nicht erneuerbarer Rohstoffe wie Öl seit jeher sehr schwerwiegende Umweltbelastungen. Unternehmen, die diese Rohstoffe fördern, sind nicht investierbar. Zusätzlich bewertet der Anlageausschuss auch die Zulieferkette. Immer dann, wenn Rohstoff-Effekte eine wesentliche Rolle in der Supply Chain eines Produkts spielen, beeinflusst dies die Bewertung des Produkts und damit auch des Unternehmens.

Ein Etikettenschwindel mit Grünfärberei gehört schlicht und ergreifend verboten. Alle Anleger, die vermeiden möchten in diesem Sinne „fehl zuinvestieren", sollten sich Anbieter mit klar definierten und nachprüfbaren Positiv- und Negativkriterien suchen. Das sorgt für Transparenz, wenn man seinem Geld eine ehrlich gute Richtung geben will.

 

Zur Person: Ralph Prudent ist Geschäftsführer der nachhaltigen Investmentgesellschaft ÖKOWORLD LUX S.A. mit Vertriebssitz in Hilden/Düsseldorf. Die ÖKOWORLD LUX S.A. ist eine 100 Prozentige Tochtergesellschaft der börsennotierten versiko AG. 

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