
Die im Mai 2010 eröffnete Center-Parcs-Anlage im französischen Lothringen möchte zukunftsweisend sein für eine neue Generation umweltfreundlicher Ferienparks. Laut Chef-Biologe von Center Parcs, Jean Henkens, sei das Ziel, so nachhaltig wie möglich zu wirtschaften.
Claudia Kohlus: Warum braucht es Ihrer Meinung nach eine Badewelt mit exotischer Dschungelwelt in unseren Breitengraden? Verstößt das nicht gegen Naturgesetze?
Jean Henkens: Ich habe oft Menschen die kommen und fragen, ob es wirklich nötig ist, einen Bananenbaum in unseren Breitengraden zu pflanzen. Dann antworte ich, dass man in jedem Supermarkt Bananen und exotische Früchte kaufen kann – und das wird gesellschaftlich akzeptiert. Wenn wir aber einen Baum umsiedeln, der sonst gerodet worden wäre, findet das kein Verständnis.
Außerdem funktioniert das CenterParcs-Konzept nur dann, wenn wir zwölf Monate im Jahr für Besucher geöffnet haben. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wenn sich Leute in die Badelandschaft begeben, dann herrschen dort automatisch tropische Temperaturen, in denen eben auch nur tropische Pflanzen überleben können. Sinnvoll ist also, dort nur Pflanzen anzusiedeln, die dafür geeignet sind. Es wäre natürlich möglich, eine Badelandschaft nur mit einheimischen Pflanzen zu kreieren. Aber ich glaube nicht, dass die Menschen eine Badelandschaft bei zehn Grad genießen wollen – es soll ja schließlich beim Baden auch angenehm warm sein. Wir wollen also keine einheimischen Pflanzen ansiedeln, die das warme Klima nicht vertragen und die wir dann ständig auswechseln müssten. Das ist gegen unsere Philosophie.
Claudia Kohlus: Woher stammen die subtropischen Bäume und Pflanzen für Ihre Projekte?
Jean Henkens: In 99 Prozent der Fälle aus den Regionen des Dschungels, die bereits zerstört sind. Ich kämpfe seit 25 Jahren aktiv gegen Palmölplantagen, die überall in der tropischen Welt existieren. Die Rodungen für diese Plantagen sind oft illegal. Meist sind es große internationale Betriebe, die zwei bis drei große Bäume pro Hektar für die tropische Hartholzgewinnung fällen, um dann später die restliche Vegetation abzubrennen und das Gebiet für die Palmölplantagen vorzubereiten. Bevor das passiert, sammele ich Pflanzen und Ableger von den Bäumen. Außerdem versuche ich gemeinsam mit dem WWF, so viele Bäume wie möglich zu retten. Und nur diese werden von uns dann nach Europa exportiert.
Claudia Kohlus: Das heißt, Sie entnehmen keine Bäume aus dem unberührten Dschungel?
Jean Henkens: Nein, im unberührten Dschungel sammeln wir nur Samen und kleine Triebe. Es würde völlig gegen die Philosophie von Center Parcs sprechen, wenn wir in einen unberührten Dschungel eingreifen und dort Bäume entnehmen würden.
Claudia Kohlus: Wie werden die Bäume auf den Transport vorbereitet?
Jean Henkens: Viele der zu transportierenden Bäume wiegen zwischen 10.000 bis 20.000 Kilo. Nach dem Ausgraben bringen wir sie in eine eigens angelegte Baumschule in der Nähe. Dort werden sie dann für mindestens drei Monate gepflegt. Andere Bäume bleiben sogar ein ganzes Jahr. Von diesen lokalen Baumschulen werden dann die Bäume in den Hafen transportiert und dort in Containern gelagert.
Center Parcs Seit über 40 Jahren ist Center Parcs Europas Markftührer im Segment Kurzurlaub mit Ferienparks inmitten von Naturlandschaften. Heute verzeichnen sie jährlich über drei Millionen Gäste. Entstanden ist die Idee 1968 in den Niederlanden ist heute ein international operierendes Unternehmen mit insgesamt 14 Parks in den Niederlanden (6), Deutschland (2), Belgien (2) und Frankreich (4). Chefbiologe Jean Henkens arbeitet momentan an weiteren Projekten, die im Allgäu, in Frankreich und Italien entstehen sollen. Zur Pflege bezahlen wir Leute vor Ort. Und wir zahlen für die Bepflanzung neuer Bäume. Nebenbei wird den Menschen dort vermittelt, wie sie sich selbst besser helfen können, indem sie die besten Zitrus-, Papaya- oder Mangobäume kultivieren lernen.
Claudia Kohlus: Für die Verschiffung der Tropenbäume haben Sie eine spezielle Methode entwickelt. Die Bäume werden in eine Art künstliches Koma versetzt. Können Sie das genauer erklären?
Jean Henkens: Dazu injizieren wir eine Art Naturlatex in die Bäume, die sie in einen künstlichen Schlaf versetzen. So können sie vier bis sieben Wochen in dem Container überleben. Ohne Licht und ohne Wasser. Die Methode habe ich übrigens selbst entwickelt. Für jede Baumart gibt es eine eigene, spezielle Lösung. Das bedeutet, dass ich für eine Kokospalme nicht dieselbe Lösung nehmen kann wie zum Beispiel für eine Papaya oder einen Litschibaum.
Claudia Kohlus: Verraten Sie die Zusammensetzung der Mixturen?
Jean Henkens: Nein, die Rezepturen kenne nur ich. Aber wenn ich einmal sterbe, dann werde ich das Geheimnis rechtzeitig weitergeben (lacht). Und ich entwickele ständig weitere Lösungen und versuche, die bestehenden noch zu verbessern. Inzwischen haben wir 1.830 Mixturen für die verschiedensten Baumarten.
Claudia Kohlus: Wie hoch ist das Risiko, einen Baum dennoch zu verlieren?
Jean Henkens: Sehr gering, das Verhältnis liegt bei 1:1000. Das ist auch immens wichtig, denn die Verschiffung kostet ein Vermögen. Wenn ich als Botaniker entscheide, einen alten Baum zu verpflanzen, der sich vielleicht schon hundert Jahre auf der anderen Seite der Welt entwickelt hat, dann muss ich dafür die volle Verantwortung übernehmen.
Claudia Kohlus: Ziel der neuen Center-Parcs-Generation ist es, besonders nachhaltig zu planen. Die Unterhaltung einer so riesigen Tropenanlage benötigt doch aber viel Energie…
Jean Henkens: Da haben Sie Recht. Die Badelandschaft ist ein großer Energiekonsument. Wir versuchen aber, den Energieverbrauch so gering wie möglich zu halten. Im Center Parc in Lothringen haben wir beispielsweise ein eigenes Biomasse-Heizwerk. Die ganze Badelandschaft wird mit Abfall aus den umliegenden Holzsägewerken beheizt, die uns regelmäßig beliefern.
Claudia Kohlus: Gibt es Berechnungen über den durchschnittlichen Energieverbrauch in dem Modell-Projekt in Lothringen?
Jean Henkens: Es wurde ausgerechnet, dass eine Familie während ihres Aufenthaltes nur 90 Prozent von dem Energieverbrauch hat, den sie in derselben Zeit zu Hause hätte – und zwar mit Besuch der Badelandschaft und weiteren Annehmlichkeiten.
Claudia Kohlus: Wie wird die einheimische Vegetation außerhalb der Badelandschaft in die Projekte integriert?
Jean Henkens: Wenn wir einen neuen Park entwickeln, dann wollen wir uns dem ursprüngliche Landschaftsbild annähern. Wir versuchen also, die Landschaft zurück zu entwickeln, und zwar so, wie sie vor 200 Jahren aussah. Oft finden wir heute nur noch Nutzwald vor, der ausschließlich für die Holzproduktion gepflanzt wird. Ich kann sagen, dass es in Frankreich fast keinen ursprünglichen Wald mehr gibt. Also haben wir für das Projekt in Lothringen wieder einen Mischwald angepflanzt. Insgesamt waren das bislang 500.000 neue Bäume und Sträucher. Diese Vegetation war ja schon längst verschwunden. Wir haben also angefangen, sie wieder zu integrieren. Mit der Anpflanzung wird das Waldmanagement übrigens noch die nächsten dreißig Jahre zu tun haben. Denn wir wollen keinen Wald, in dem alle Bäume gleich alt und gleich groß sind, sondern einen natürlich gewachsenen Wald mit alten und jungen Beständen.
Claudia Kohlus: Was sind Ihre nächsten Pläne für die Zukunft?
Jean Henkens: Ich arbeite gerade an einem Projekt, das bald im Allgäu entstehen wird. Außerdem sind weitere Projekte in Frankreich und Italien bereits geplant. Im Allgäu-Projekt werden noch weitere Schritte zur Energieeffizienz realisiert, die ich aber leider noch nicht weiter erläutern kann. Sicher ist aber, dass wir unser Möglichstes tun werden, um den CO2-Fußabruck so klein wie möglich zu halten.
Zur Person: Jean Henkens ist Chef-Biologe der Ferienpark-Kette Center Parcs. Seit 30 Jahren ist er für das Unternehmen tätig und hat sich als Botaniker auf die Bananen- und Reiskultur spezialisiert, für die er als Fachmann auch weltweit beratend tätig ist. Außerdem ist er Experte für den Transport tropischer Pflanzen und Bäume und engagiert sich seit vielen Jahren aktiv gegen die Abholzung des Regenwaldes.
Bild: Center Parcs
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