Der französische Autobauer Renault will Vorreiter in Sachen Elektromobilität werden und bringt nächstes Jahr zwei erste Serienmodelle heraus. Das entspricht ganz der Linie der Regierung, die Elektroautos massiv fördert.
Sollte das gelb-graue Firmenlogo von Renault demnächst einen Grün-Stich bekommen, dürfte auch das Teil der Strategie sein, die der französische Autobauer fährt. Mit einem modernen Ruf der nachhaltigen Mobilität will er auf den Öko-Trend der Zeit aufspringen, der sich aus der Diskussion über Energie-Abhängigkeit und Erderwärmung speist. Der Konzern setzt auf die Produktion von Fahrzeugen mit geringem Energieverbrauch und CO2-Ausstoss bei gleichzeitiger Beibehaltung von Komfort, Fahrleistung und Preis.
Hybrid-Pioniere mit Stromauto überholen
Ein Balance-Akt, in dessen Kern die Entwicklung von Elektroautos steht, nachdem Experten bei Hybrid-Autos einen Verzug vor allem gegenüber Toyota und PSA Peugeot Citroën sehen. Ab Mitte nächsten Jahres kommen erstmals Elektromobile in der Masse auf den Markt. Jährlich werden 500.000 Batterien produziert „Bis 2015 wollen wir Vorreiter sein“, nennt Pressesprecher Jean-Marc Pinel das ehrgeizige Ziel. Mit konkreten Zahlen ist er allerdings vorsichtig. „Man geht davon aus, dass Elektromobilität in zehn Jahren rund zehn Prozent des internationalen Automarktes ausmachen wird.“ Rund vier Milliarden Euro (5,6 Milliarden Franken) investiert die Renault-Nissan Allianz in ihre Null-Emissionsstrategie. Verwandte Themen| { Tesla zieht es an die Wall Street, 30.06.10 } | | { Alpauffahrt mit 60 E-Autos, 30.06.10 } | | { Elektroauto erobert die Alpen , 10.06.10 } | | { Migros fördert E-Mobilität, 11.05.10 } | | { Stromschlag für Autoindustrie, 04.05.10 } | | { Stromträume auf chinesisch, 10.03.10 } | | { Autohersteller sind elektrisiert, 05.02.10 } | | { E-Autos schaden, 03.02.10 } | | { Ampeln für Stromautos auf Grün, 27.01.10 } | | { Die Steckdose lernt fahren, 21.01.10 } | | { Autos unter Strom, 13.10.09 } | | { Berlin fährt auf E-Mobil ab, 20.08.09 } | | { Autos sterben nicht, 13.08.09 } | | { Mit Strom aus der Krise , 12.08.09 } |
Pendler im Visier
Zunächst kommen Serienversionen der Stufenhecklimousine Fluence Z.E. („Zero Emission“, also ohne Emission) und des Kleintransporters Kangoo Rapid Z.E. Als Hauptzielgruppe nennt Christine Tissot, zuständig für den Ausbau der Kooperationen im Bereich Elektrofahrzeuge, Pendler und Vielfahrer. Deshalb seien neben integriertem Navigationssystem, Freisprecheinrichtung und Licht- und Regensensoren Luxus-Elemente denkbar, die einen „Wohlfühlraum“ schaffen – abgesehen von der zarten Geräuschkulisse durch das Dahingleiten ohne Verbrennungsmotor. Sie reichen vom CO2-Filter für reine Luft bis zum Fussboden-Belag aus Gel-Material. „Bei der Einstiegsversion wird es das aber nicht geben“, sagt Tissot. Der Preis solle nicht deutlich über dem herkömmlicher Modellen liegen, um den Sprung in den Markt zu schaffen.
Reichweite von 160 Kilometern
Denn bei aller Innovation kämpfen die Gefährte zunächst um die Bereitschaft der Kunden, von der Tankstelle auf die Steckdose umzusteigen. Mit aufgeladener Batterie beträgt die maximale Reichweite rund 160 Kilometer. Informationen über Batteriestatus und die nächste Ladestation sollen direkt auf das Mobiltelefon und ins Auto übertragen werden. Neben der sechs- bis achtstündigen Ladung an der Haushaltssteckdose wird es auch Schnell- und Kurz-Ladungen geben. Elektromobilität ist in Frankreich politisch ausdrücklich erwünscht und wird mit einem milliardenschweren Programm gefördert. Es sieht bei Hausneubauten und Parkplätzen standartmäßig Ladestationen vor und baut in zwölf Pilotregionen ein öffentliches Netz aus. Bis 2020 soll es 400.000 öffentliche und private Ladestationen geben. Bis 2025 rechnet die Regierung mit vier Millionen emissionsfreien Gefährten auf Frankreichs Strassen. Vor wenigen Wochen hat eine Gruppe aus staatlichen und privaten Firmen eine Grossbestellung von 50.000 Elektroautos aufgegeben, um eine erste Nachfrage zu schaffen; Renault und PSA Peugeot Citroën verpflichteten sich ihrerseits, bis 2012 60.000 Elektroautos auf den Markt zu bringen.
Staat belohnt Stromautofahrer
Seine Bürger steuert Frankreich mit einem Bonus-Malus-System, das den Kauf eines Neuwagens mit geringem CO2-Verbrauch belohnt und Spritfresser mit über 160 Gramm CO2 pro Kilometer bestraft. Bei Elektroautos winkt gar eine Prämie von 5000 Euro. Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë plant sogar ein Auto-Leihsystem, bei dem ab kommendem Jahr 3000 Elektroautos in Paris und Umgebung stationiert werden. Auch in anderen Ländern wie Holland oder Irland sei der Trend zur Elektromobilität nicht mehr aufzuhalten, sagt Christine Tissot. Und trotzdem gilt diese auch bei Renault als „Kirsche auf dem Kuchen“ – der Hauptakzent liegt auch langfristig auf konventionellen Autos mit verbesserter Technologie, sagt Philippe Schulz, zuständig für den Bereich Energie und Umwelt. „Wir brauchen ein Energie-Mosaik mit vielen Möglichkeiten.“ Er zählt dazu Flüssiggas, Start-Stopp-Motoren, emissionsfreie Fabriken, geringeren CO2-Ausstoss durch Verbesserungen der Aerodynamik, des Stromkonsums und des Gewichts. Und alles in allem ergebe das einen grünen Anstrich für das Unternehmen mit dem grau-gelben Logo. Und nichts weniger als eine „grüne Revolution“.
Bild: Kleintransporters Kangoo Rapid Z.E (Renault).
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