Skyline mit Schattenseiten

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Geschrieben von: Ulrich Glauber, Frankfurt 22.07.10
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Zwei Grossprojekte werden die Skyline von Frankfurt verändern. Der Trend beim Hochhausbau in der deutschen Bankenmetropole geht in Richtung Abriss und Wiederaufbau oder Sanierung. Denn Immobilien, die ohne Berücksichtigung von Energieeffizienzstandards gebaut werden, haben kaum mehr eine Chance auf Vermietung. Die Deutsche Bank macht es vor.

Vor allem bei strahlendem Sommerwetter ist es, als hätte sich das Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au seinen Namen extra für sein Frankfurter Grossprojekt ausgesucht. Nach vielen Startschwierigkeiten wird seit dem Baubeginn im Frühjahr das Fundament dafür gelegt, dass der neue Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) in die Lüfte wachsen kann. Ein in sich gedrehter Doppelturm von 185 Metern wird neben der ehemaligen Grossmarkthalle der Main-Metropole errichtet. Der denkmalgeschützte Bau aus der Ära der klassischen Moderne wird ausgehöhlt und, zum Kongresszentrum umgerüstet und durch eine Art Gürtelschnalle mit dem neuen Wolkenkratzer verbunden. Für die 104.000 Quadratmeter Fläche, welche die EZB ab dem Jahr 2014 nutzen will, ist eine halbe Milliarde Euro an Baukosten eingeplant.

Immer höher hinaus

Neben dem Vorzeigeprojekt EZB-Neubau im Frankfurter Osten, das den Ruf Frankfurts als Knotenpunkt des europäischen Finanzwesens zementieren soll, sorgt gegenwärtig die Errichtung des Tower 185 im westlich des Zentrums eingerichteten Europa-Viertel zwischen Frankfurter Messe und Hauptbahnhof für Schlagzeilen. Nach seiner Fertigstellung im kommenden Jahr wird der Wolkenkratzer mit knapp 200 Metern Höhe zusammen mit dem Main Tower der Hessisch-Türingischen Landesbank das vierthöchste Bürogebäude Deutschlands sein. Nur der Commerzbank-Tower (259 Meter), Messeturm (259 Meter) und dem Westend Tower (208 Metern) der Genossenschaftsbanken-Zentrale DZ übertreffen den 50-stöckigen Neubau.

Magische zwei Millionen Quadratmeter

Den grössten Teil der Bürofläche des Tower 185 hat sich das Beratungsunternehmen PriceWaterhouseCoopers gesichert. Auch andere Hochhäuser in Toplagen finden Interessenten. So hat sich die Schweizer Grossbank UBS im 170 Meter hohen Opernturm eingemietet, der Anfang des Jahres unmittelbar gegenüber des historischen Gebäudes der Alten Oper im Frankfurter Westend in Betrieb ging. Doch ansonsten stehen in Frankfurt seit Jahren viele Gewerbeimmobilien leer. Zwei Millionen Quadratmeter unvermieteten Büroraums lautet die magische Zahl.  


„Der Markt steht still“, sagte Marcus Mornhart, Leiter des Vermietungsgeschäfts beim Maklerhaus Jones Lang LaSalle (JLL) in Frankfurt, jüngst der Financial Times Deutschland (FTD). „Wenn die Banken schwächeln, dann kränkelt auch der Immobilienmarkt“. Die Spitzenmiete ist nach seinen Angaben seit 2008 von 37 Euro auf 33 Euro gefallen. Allerdings ist die Finanzkrise nicht allein ausschlaggebend für die mangelnde Nachfrage. Oliver Barth von der BNP Paribas Real Estate führt das Überangebot auf den Bauboom um die Jahrtausendwende zurück. Genährt wurde er durch die Hoffnung auf den Bedarf der Firmen der New Economy zurück. Als der Büroraum schliesslich zur Verfügung stand, gab es die Wunderkerzen des leichten Geldverdienens nicht mehr.

Neue Altlasten 

„Grüne“ Neubauten, die nach neuesten Erkenntnissen der Energieeffizienz errichtet werden, lassen in dieser Situation viele Hochhäuser aus dem letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts alt aussehen. Bestes Beispiel ist auch hier die EZB, die bisher in einem Hochhaus der längst abgewickelten Gewerkschaftsbank BfG untergebracht war. Rund 86.000 Quadratmeter Nutzfläche am zentralen Willy-Brandt-Platz in der Nachbarschaft der Städtischen Bühnen werden nach Ansicht von Immobilienexperten nahezu unvermietbar bleiben.

Doch der deutsche Bankenprimus macht vor, wie überholte Konzepte an neue Standards angepasst werden können. Die Doppeltürme der Deutschen Bank - auch als „Soll und Haben“ bezeichnet - sind für den Eigentümer schon deshalb unverzichtbar, weil das Foto ihrer spiegelnden Fassaden zu einem Logo für das Geldhaus selbst, wenn nicht für das deutsche Finanzwesen geworden ist. Also nahm das Institut den vorübergehenden Auszug der Mitarbeiter in Kauf, um das 155 Meter hohe Gebäudeduo im Frankfurter Bankenviertel den neuesten Kriterien der Energieeffizienz anzupassen. Bis Ende dieses Jahres sollen die Arbeiten beendet sein.

Eine Tochtergesellschaft der Schweizer Grossbank Credit Suisse will dem Wunsch des Frankfurter Magistrats nach Verdichtung statt neuem Flächenverbrauch in anderer Weise entgegenkommen. Sie hat einen Wettbewerb ausgeschrieben, um in bester Lage ein Hochhaus von 65 Metern zu errichten. Platz dafür soll gewonnen werden, indem das leerstehende Bürogebäude der Credit Suisse-Tochter an derselben Stelle abgerissen wird.

 

Bild: Frankfurts Hochhäuser (Yvonne von Hunnius).

 

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