Klimastiftung hilft beim CO2-Sparen

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius, Zürich 19.07.10
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Seit Juni wird erstmalig die CO2-Abgabe rückvergütet. Und 21 Schweizer Unternehmen spenden diese der Klimastiftung Schweiz, die damit CO2-Projekte von KMU fördert. Swiss Re-Umweltmanager und Klimastiftung-Geschäftsführer Vincent Eckert hilft beim CO2-Sparen.

Yvonne von Hunnius: Welche CO2-Sparmassnahmen sind besonders effektiv?

Vincent Eckert: Viele ökonomische Massnahmen sind sehr wirksam. Swiss Re konnte beispielsweise den  CO2 Verbrauch durch verbesserte Ausnutzung der Standorte und durch Kostenmanagement erfolgreich weiter senken. Beispielsweise wurden Budget-Kontrollen der Reisetätigkeiten eingeführt. All diese Massnahmen haben grosse Volumen an CO2-Einsparungen ermöglicht, denn Kostenreduktionen sind meist immer noch stark mit CO2-Einsparung verbunden. Zudem sind es viele kleine Massnahmen, die gut funktionieren. Unsere Techniker haben zahlreiche Vorschläge, die nicht mit einer Investition verbunden sind.

Die Klimastiftung Schweiz

Ziel der 2008 gegründeten Stiftung ist, die an die Unternehmen zurückfliessenden Gelder aus der CO2 -Abgabe gebündelt und dadurch mit möglichst grosser Wirkung für Klimaschutzprojekte einzusetzen. Unterstützt werden vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die durch die CO2-Abgabe tendenziell stärker als grössere Dienstleistungs- oder Handelsunternehmen belastet werden. Die Stiftung ist unabhängig und untersteht der Bundesaufsicht.

Die Partner der Klimastiftung Schweiz

Die Klimastiftung Schweiz ist ein Zusammenschluss von Schweizer Unternehmen, die gemeinsam Projekte zur Reduktion der CO2-Emissionen unterstützen. Die Stiftungsfirmen sind Allianz Suisse, AlternativBank Schweiz, AXA Bank, AXA Winterthur, Bank Vontobel, Gebäudeversicherung Bern, Gebäudeversicherung Kanton Zürich, KPMG, Man Investments, Microsoft Schweiz, PartnerRe, Pictet & Cie, PricewaterhouseCoopers, Raiffeisen Schweiz, SAP, Sanitas, Sarasin & Cie AG, Swiss Life, Swiss Re, Vaudoise Versicherungen und XL Insurance.

Yvonne von Hunnius:Swiss Re hat seit über drei Jahren das Projekt COyou2 eingeführt, das Mitarbeitenden Zuschüsse bewilligt, wenn sie im privaten Bereich CO2 sparen. Muss es immer Geld als Mitarbeiteranreiz sein?

Vincent Eckert: Es stimmt, das Geld ist sicherlich auch ein weiterer Anreiz bei dem Projekt. Doch ich glaube, es wirkt viel mehr durch seine pure Existenz. Ich bekomme täglich E-Mails von Mitarbeitenden, die erkennen, dass man durch einfache Massnahmen an vielen Ecken den CO2-Fussabdruck des Unternehmens weiter verkleinern könnte. Ich bin mir sicher, das Programm hat das Bewusstsein für dieses Thema noch weiter in den Vordergrund bei den Mitarbeitenden gerückt.

Yvonne von Hunnius:Haben die internen Massnahmen auch die Swiss Re-CO2-Abgabe seit 2008 vermindern können?

Vincent Eckert: Bereits seit 2007 verwenden wir in der Schweiz nur noch grünen Strom und brauchen Öl nur für Backup-Maschinen. Zudem bauen wir seit 2000 auch all unsere Gebäude gemäss Minergiestandard oder höher. Unsere Abgabe ist gering.

Yvonne von Hunnius:Erstmals fand nun eine Rückvergütung der CO2-Abgabe statt und Sie als Geschäftsführer der Klimastiftung sammeln die Gelder von grossen Schweizer Unternehmen für CO2-und Energieeffizienz-Projekte der KMU. Wie schwer war es, Firmen zu überzeugen, ihr Geld zu stiften? 

Vincent Eckert: Wir sind mit elf Unternehmen gestartet – heute sind es einundzwanzig. Diese Unternehmen übergeben ihre Nettorückvergütung der Klimastiftung Schweiz. Diesen Juni kommen insgesamt acht Millionen Franken zusammen. Viele Firmen haben nicht realisiert, dass sie diese Mittel zurückerstattet erhalten, denn dieser Prozess geht in der AHV-Abrechnung etwas verloren. Daher ging es meistens darum, diese Unternehmen darauf aufmerksam zu machen. Dabei stösst die Klimastiftung bei den meisten Unternehmen auf grosses Wohlwollen – es werden noch einige Unternehmen mehr dazustossen.

Yvonne von Hunnius:Werden denn schon Projekte gefördert?

Vincent Eckert: Obwohl das Geld noch nicht rückerstattet worden war, konnten wir bereits 2009 vier Projekte unterstützen. Denn bei der Gründung haben die Mitglieder beschlossen, einen Vorschuss von einer halben Millionen Franken in die Kassen vorzuschiessen. Im März haben wir in einer zweiten Runde 25 Anfragen erhalten, wovon acht Projekte unterstützt werden. Insgesamt wurde bereits eine Millionen Franken gesprochen.

Yvonne von Hunnius:Welches der unterstützen Projekte hat denn besonders grosses Sparpotential?

Vincent Eckert: Ein gutes Beispiel für Energie- und CO2-Effizienz ist die Innovation von OEKAG. Hier geht es um Entlüftungsröhren an Gebäuden, die zumeist am Dach austreten. In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Luzern haben die Ingenieure errechnet, dass hierbei 50 bis 70 Liter Öl pro Lüftungsrohr und pro Jahr verschwendet wird. Weil die Röhren immer offen sind, geht permanent Energie verloren. Die Idee ist nun, intelligente Ventile zu konstruieren, die nur die Luft herauslassen, die nötig ist und ansonsten verschlossen bleiben. Ein sehr grosser Multiplikationseffekt entsteht somit: Würde man alle Röhren in der Schweiz austauschen, könnte eine halbe Million Tonne CO2 pro Jahr eingespart werden.

Yvonne von Hunnius:Fungieren Sie hier als Startup-Helfer?

Vincent Eckert: Keineswegs. Wir möchten Projekte von existierenden KMU unterstützen. Wir sind keine Venture-Kapitalisten. Die vergebenen Gelder sind als Förderungsgelder gedacht, um die Entwicklung in die richtige Richtung zu beschleunigen, und müssen daher nicht zurückbezahlt werden.

Yvonne von Hunnius:Nach welchen Kriterien werden die Projekte ausgewählt?

Vincent Eckert: Es gibt zwei Projektarten: Zum einen Effizienzprojekte, bei denen existierende Technologie effizient eingesetzt wird. Die dazu bewegen, beispielsweise alte Heizkessel zu ersetzen, das zu tun, was man als Unternehmer immer aufschiebt. Bei diesen Projekten sind die Energieeinsparungen oder CO2-Reduktionen massgebend. Zum anderen gibt es Innovationsprojekte, die neue Ideen für CO2- oder Energieeffizienz realisieren. Diese sollten innovativ und multiplizierbar sein. Wichtig ist auch, dass die Kompetenz für diese Entwicklung im Unternehmen vorhanden ist. Zudem freut es uns, wenn dahinter auch noch eine gute Geschichte steckt. Ein weiteres Beispiel hierfür ist eine Pilotanlage für Biogas in der Landwirtschaft. Wir hoffen, dass 50 weitere solcher Anlagen dank diesem Pilot gebaut werden.

Yvonne von Hunnius:Und in welchem Bereich gibt es mehr Anträge?

Vincent Eckert: Momentan im Bereich der Innovation, doch wir werden Ende August ein vereinfachtes Verfahren aufschalten. Dann kann man auch für kleinere Summen – ein paar hundert oder tausend Franken – einen Antrag für Effizienzprojekte stellen. Dann könnten auch kleinere, interne Effizienzprojekte schnell und unkompliziert unterstützt werden.

Yvonne von Hunnius:Für gute Ideen gibt es geschenktes Geld – was hindert KMU daran, sofort einen Antrag zu stellen? Die Antragsanzahl ist ja noch überschaubar…

Vincent Eckert: Es gibt 300000 kleine und mittlere Unternehmen in der Schweiz und es ist nicht einfach, sie zu erreichen. Wir versuchen deshalb, möglichst im Netzwerk zu arbeiten, denn wir stehen vor den gleichen Problemen wie andere Initiativen auch. Eine wichtige Kooperation haben wir mit der Energieagentur der Wirtschaft, EnAW. Wir unterstützen dabei KMU oder Unternehmen, die sich dem KMU-Modell anschliessen. Hierbei verpflichten sich Unternehmen zu freiwilligen Energiesparzielen. Dabei werden sie tatkräftig mit kompetenter Beratung und einem Monitoring seitens der EnAW unterstützt. Wir sind von dieser Idee begeistert und haben deshalb als Stiftung beschlossen, die Hälfte des Mitgliedsbeitrags am KMU-Modell für alle Unternehmen zu übernehmen.

Yvonne von Hunnius:Wie lange wird die Klimastiftung denn Gelder vergeben können?

Vincent Eckert: Die Partnerunternehmen haben sich verpflichtet,  ihre Nettorückvergütungen bis 2012 einzuzahlen. Sollte das CO2 Gesetz nach 2012 in der bestehenden Form fortgesetzt werden, gibt es eine Möglichkeit für eine Weiterführung der Stiftung. Bis dahin werden 16 Millionen für Projektunterstützung zur Verfügung stehen.


Zur Person:
Vincent Eckert ist Head Internal Environmental Management des Schweizer Rückversicherers Swiss Re und Geschäftsführer der Klimastiftung Schweiz.

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