Das japanische Bauunternehmen Shimizu hat eine Technologie entwickelt, mit der die Menge an radioaktivem Betonmüll beim Abriss alter Kernkraftwerke reduziert werden kann. Auf etwa ein Hundertstel können die Forscher den strahlenden Betonmüll reduzieren. Ausstieg aus der Atomkraft hin oder her – irgendwann droht jedem Atomkraftwerk das Aus. In den 1970er Jahren, als die Kernkraft weltweit als die ultimative Lösung aller Energieprobleme galt und ein Kraftwerk nach dem anderen gebaut wurde, setzten Experten die Lebensdauer eines Reaktors mit 30 bis 40 Jahren an. In Kürze wird also eine Abrisswelle riesigen Ausmasses beginnen. Derzeit werden weltweit etwa 100 Atomreaktoren abgerissen. Dabei fallen gigantische Mengen radioaktiven Mülls an. Verwandte Themen| { Der Mülleimer ist eine Schatztruhe, 15.07.10 } | | { Kernfusion ist ein Fass ohne Boden, 07.07.10 } | | { Atommüll XY ungelöst, 21.05.10 } | | { Müll ist nicht gleich Müll, 10.05.10 } | | { Atommüllproblem nicht gelöst, 06.05.10 } | | { Italien will Russlands Atomkraft, 28.04.10 } | | { Atomkraft hat keine Zukunft, 30.11.09 } | | { Beste Recycling-Idee gesucht, 29.10.09 } | | { Krümmel-Monster nicht beliebt, 22.10.09 } | | { Der Atomlobby die Stirn bieten, 26.08.09 } |
Tonnenweise verstrahlter Beton Nicht nur die hochgradig radioaktiv verseuchten Brennstäbe müssen entsorgt werden, sondern auch Zigtausende Kubikmeter radioaktiv verseuchter Beton. Laut einer Studie der japanischen Regierung fallen beim Abriss eines Siedewasserkraftwerks mit einer Leistung von 1,1 Millionen KW 2000 Kubikmeter (ca. 4.000 Tonnen) radioaktiver Betonmüll pro Reaktorturm an. Dieser Müll ist so stark verseucht, dass er nicht wie gewöhnlicher Industriemüll entsorgt werden kann. Angesichts des ohnehin knappen Angebots an Lagerstätten für Strahlenmüll ein bislang ungelöstes Problem. Doch jetzt hat das japanische Bauunternehmen Shimizu erstmals eine Technologie entwickelt, mit der die Menge an radioaktivem Betonmüll reduziert werden kann – eine Weltneuheit. Auf etwa ein Hundertstel können die Forscher den strahlenden Betonmüll reduzieren, frohlockt das Unternehmen. Die Technologie stehe bereits kurz vor der Anwendungsreife, so Shimizu. Mahlen, säuern, filtern Das Verfahren klingt verblüffend einfach: Die Forscher machen sich die Tatsache zunutze, dass nur die in geringen Mengen im Beton enthaltenen Metalle Europium und Kobalt radioaktiv verseucht sind. Um die kontaminierten Metalle von dem ansonsten sauberen Beton zu trennen, wird der Beton zunächst in ca. 8mm grosse Stückchen zerkleinert, dann bei etwa 120 Grad Celsius 24 Stunden lang in Salpetersäure eingeweicht. Auf diese Weise lösen sich viele Metalle – auch die radioaktiv verseuchten - aus dem Beton. Anschliessend wird das Gemisch mit einer Lauge stufenweise neutralisiert. Da sich jedes Metall bei einem anderen PH-Wert ablagert, lassen sich die radioaktiv verseuchten Metalle gut herausfiltern und von den nicht verseuchten Metallen trennen. Ergebnis der Prozedur: Der auf diese Weise behandelte Beton ist fast strahlenfrei. Nur etwa ein Zehntel der radioaktiv verseuchten Metalle lassen sich nicht aus dem Beton herauslösen. Die Reststrahlung ist nach Angaben des Unternehmens jedoch so gering, dass der Beton sogar recycelt und etwa beim Bau neuer Atomkraftwerke eingesetzt werden kann. Dank dieser Technologie müssen nach Unternehmensangaben von ursprünglich einer Tonne radioaktiven Betonmülls nur 7,4 Kilogramm tatsächlich als radioaktiver Sondermüll entsorgt werden. Bild: Kernkraftwerk Big Rock Point (engl.: Big Rock Point Nuclear Power Plant) ist ein Kernkraftwerk mit einem Siedewasserreaktor, der von General Electric gebaut worden ist. Das Kernkraftwerk steht in Charlevoix (Michigan). Es war von 1962 bis 1997 in Betrieb (U.S.NRC).
|