Beim Autofahren ist nun wie beim Fliegen die Kompensation des eigenen CO2-Ausstosses möglich. Junge Unternehmer haben die Arktik-Karte für klimaneutrales Tanken erfunden. Einer der Gründer, Florian Skiba, sagt, die Idee bedeute weit mehr als Augenwischerei. Raphael Corneo: Arktik hat eine CO2-Kompensationskarte für Benzin erfunden – wie funktioniert das System? Florian Skiba: Mit der Karte können Autofahrer die CO2-Emissionen ihres Autos beim Tanken mit Hilfe von Klimaschutzprojekten ausgleichen. Mit unserer Kundenkarte zahlt man an der Tankstelle wie mit einer EC-Karte. Bei der Bezahlung berechnen wir dann, wie viel CO2 durch die getankte Menge Kraftstoff freigesetzt wurde. Pro getanktem Liter zahlt der Kunde für den CO2-Ausgleich zwei Cent (2,6 Rappen) extra, um die verursachten Emissionen an anderer Stelle durch Klimaschutzprojekte wieder einzusparen. Die kooperierenden Tankstellenunternehmen beteiligen sich ihrerseits mit weiteren 2,5 Cent pro Liter. Die 4,5 Cent pro Liter sorgen dann für einen vollständigen CO2-Ausgleich. Verwandte Themen| { Mit Holz und Mist vorwärts, 29.06.10 } | | { Umweltschonender in die Ferien, 22.06.10 } | | { Für einen fairen Ausgleich, 19.05.10 } | | { Vollgas bei Elektromobilität, 21.04.10 } | | { Umweltschutz belohnen, 12.03.10 } | | { Öko-Auto im Alltagstest, 16.02.10 } | | { Ampeln für Stromautos auf Grün, 27.01.10 } | | { BMW ist am nachhaltigsten, 25.01.10 } | | { Gefahr droht aus der Luft, 30.11.09 } | | { MAN bewegt umweltfreundlich, 12.11.09 } | | { Etikette führt in die Irre, 08.09.09 } | | { Die Bahn verliert , 25.08.09 } |
Raphael Corneo:Kann der Kunde dabei auch wählen, welche Projekte er unterstützen will? Florian Skiba: Ja, das kann er. Wir bieten drei Portfolios an. Diese fallen in die Bereiche Wind-Wasser-Sonne, Biomasse-Biogas und Energieeffizienzprojekte, wie zum Beispiel optimierte Kochhilfen, die Energie und somit auch CO2 einsparen Raphael Corneo:Wie kamen Sie auf die Idee, diese Karte zu lancieren? Florian Skiba: Arktik wurde von drei Jungunternehmern gegründet. Wir haben festgestellt, dass der CO2-Ausgleich für Flugreisen von Konsumenten genutzt wird. Da wir alle auch ein Auto haben, stellte sich die Frage, warum es sowas nicht für Autofahrer gibt. Wenn ich eine Flugreise buche, kann ich relativ einfach, indem ich beispielsweise bei Onlinebuchungen einen Haken setze, meine Reise CO2-neutral gestalten. Wo ist dieser Haken für Autofahrer im Alltag? Unsere Antwort ist die Karte. Raphael Corneo:Es gibt Arktik erst seit Ende letzten Jahres, wird die Karte bis dato angenommen? Florian Skiba: Das Geschäft läuft gut. Wir sind absolut im Soll und halten nach wie vor an der Planung von zwei- bis dreihunderttausend Kunden in den ersten drei Jahren fest. Wir haben auch bereits viele Unterstützer und wie den Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management, B.A.U.M. e.V., für uns begeistern können. Besonders freut uns, dass wir unsere Idee zum klimafreundlichen Tanken auf Einladung der Vereinten Nationen auf einem Symposium zum Thema „nachhaltige urbane Mobilität“ in Seoul vorstellen durften. Und das Geld fliesst auch schon in Projekte. Wichtig ist uns, dass wir für einen zeitnahen CO2-Ausgleich sorgen und nicht erst in drei Jahren. Wir garantieren, dass dies innerhalb von vier Wochen geschieht. Wir investieren das Geld in Projekte, die bereits bestehen. Raphael Corneo:Wäre es nicht trotzdem besser, einfach aufs Autofahren zu verzichten? Florian Skiba: Das stimmt. Auch wir sind der Meinung, dass es am besten ist, das Auto stehen zu lassen, wann immer es geht. Ziel ist es, weniger, aber auch sparsamer zu fahren und die restlichen Emissionen auszugleichen. Aber alle drei Punkte sind wichtig. Wir wollen den Leuten nicht vorschreiben, was sie tun sollen. Wir möchten einfach eine Lösung anbieten, die es heute schon ermöglicht, einen Beitrag zu leisten. Heute fahren noch viele Autos mit Verbrennungsmotor. Das ist nicht gut, das wissen wir. Aber wir glauben eben auch, dass es neben neuen Entwicklungen wichtig ist, schon heute etwas zu tun. Raphael Corneo:Wird die Karte dabei nicht zu einem Freipass, CO2 auszustossen? Florian Skiba: Ich glaube nicht. Und bei unseren Kunden weiss ich auch, dass dem nicht so ist. Wir werden darauf immer wieder angesprochen. Deshalb haben wir unsere Kunden befragt. Dabei gaben 86 Prozent an, dass sie genau so oft fahren wie vorher auch. Dies vor allem deshalb, weil viele auf ihr Auto angewiesen sind. Zwölf Prozent gaben an, dass sie, seit sie die Karte haben, sogar weniger fahren und nur zwei Prozent, dass sie nun mehr fahren. Raphael Corneo:Sie müssen mit Mineralölkonzernen kooperieren, die nicht gerade im Ruf stehen, sich um die Umwelt zu kümmern. Wie gehen Sie damit um? Florian Skiba: Wir sind unabhängig von den Konzernen und finanzieren uns ausschliesslich über die Kartengebühren. Wir profitieren also in keiner Weise von den verbrauchsabhängigen Zahlungen und haben daher auch keine Interessensüberschneidung mit den kooperierenden Tankstellenunternehmen. Die 4,5 Cent pro Liter werden zu hundert Prozent für den CO2-Ausgleich genutzt. Ich möchte aber anmerken, dass unsere Kooperationspartner nicht nur die Infrastruktur bereitstellen, sondern auch ihrerseits einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Sie zahlen 2,5 Cent pro Liter für den CO2-Ausgleich. Dies ist mehr, als der Kunde bezahlt. Ich denke, dass es auch in ihrem Interesse ist, zusätzlich zu den bestehen Bestrebungen für den Klimaschutz etwas zu leisten. Ausserdem können sie damit ihren Kunden einen Mehrwert bieten und ein Bedürfnis befriedigen. Raphael Corneo:Das klingt aber trotzdem danach, als ob sich die Mineralölkonzerne mit ihrer Hilfe das Image grün waschen... Florian Skiba: Letztlich entscheidet nicht der Konzern, ob er sein Image grün wäscht, sondern seine Kunden. Wir bieten Leuten, die etwas für den Klimaschutz tun wollen, eine Lösung an. An sie richtet sich unser Produkt und nicht an die Mineralölkonzerne. Es mag sein, dass die Konzerne von uns profitieren. Das ist aber nicht unsere Absicht. Im Vordergrund steht für uns die CO2-Kompensation. Alles andere sind Nebeneffekte, mit denen wir uns zwar auseinandersetzen müssen, die aber nicht in unserem Interesse liegen. Raphael Corneo:Wollen Sie auch in der Schweiz aktiv werden? Florian Skiba: Für uns ist es wichtig, das Produkt möglichst vielen Autofahrern anbieten zu können. Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Kooperationspartnern. Natürlich ist es unser Ziel, auch in einem größeren deutschsprachigen Gebiet aktiv zu sein, aber ich denke, man muss Schritt für Schritt wachsen. Deshalb wollen wir uns erst einmal auf Deutschland konzentrieren und dann mit der gesammelten Erfahrung ins Ausland expandieren. Dieses Jahr wäre es sicher noch zu früh. Zur Person: Florian Skiba ist 33 Jahre alt und Wirtschaftsingenieur. Als Gründer und Geschäftsführer zeichnet er sich bei ARKTIK verantwortlich für den CO2-Emissionshandel und strategisches Marketing. Nach dem Studium arbeitete er mehrere Jahre in einer großen Unternehmensberatung in der „Strategie- und Produktentwicklung“. Seine Promotion an der TU Hamburg hat das Thema „Erfolgsfaktoren von nutzergetriebenen Innovationen im Dienstleistungssektor“. Neben seiner Promotion hat Florian Skiba in den Jahren 2007 bis 2009 ehrenamtlich für Ashoka Deutschland als Coach gemeinnützige Unternehmen bei der dauerhaften und großflächigen Lösung gesellschaftlicher Probleme beraten.
|