Der Mülleimer ist eine Schatztruhe

Drucken
E-Mail
Geschrieben von: Urs Fitze 15.07.10
Bookmark and Share
Stichworte:           

Rund die Hälfte der Schweizer Siedlungsabfälle wird heute durch Separatsammlung bereits rezykliert. Doch seltene Metalle wie Platin, Monazit oder Terbium in technischen Geräten schlummern noch im Schweizer Müll. Und diese Materialien werden langsam knapp. 

Die Schweiz ist eine einzige Kupfermine. Rund 300 Kilogramm Kupfer pro Kopf der Bevölkerung schlummern in den „urbanen Lagern“, vor allem in Gebäuden. Jährlich kommen sechs Kilogramm dazu. Das ist deutlich mehr, als die besten Kupferminen der Welt hergeben. Das Recycling beim Rückbau ist heute eine Selbstverständlichkeit. Eine Tonne Kunststoff birgt so viel Energie wie rund tausend Liter Dieselsprit – ein Lastwagen könnte damit viele Tausend Kilometer zurücklegen. Und in einer Tonne Mobiltelefone stecken 300 Gramm pures Gold – Marktwert derzeit um die 14.000 Franken – und eine ganze Reihe von extrem seltenen Rohstoffen. Dennoch landet nach wie vor jedes fünfte ausgediente Handy in der Mülltonne. Ähnlich ist das Verhältnis bei den PET-Flaschen – auch wenn die Abfüller-Branche, die eine indirekte Entsorgungsgebühr einzieht, von Werten nahe am Optimum spricht. Die meisten anderen Kunststoffe werden in den Kehrichtverbrennungsanlagen „thermisch verwertet“.

Weltmeister der Wiederverwertung

Wiederverwertung ist nichts Neues, sondern ein recht gut bewährtes Instrument der schweizerischen Abfallpolitik. Etwa die Hälfte der Siedlungsabfälle wird heute rezykliert – vor allem Glas, Papier, Elektronik und Altmetall – doppelt so viel wie vor 25 Jahren. Alex Bukowiecki, Geschäftsführer des Zweckverbandes Kommunale Infrastruktur, sagt sogar „Wir sind Weltmeister.“ Er bezieht dies auf die Rücklaufquoten, bemerkt jedoch gleich einschränkend: „Aber wir dürfen uns auf diesen Lorbeeren nicht ausruhen. Denn die Zukunft bringt ganz neue Herausforderungen mit sich“. Sie heissen Platin, Monazit, Lanthanum oder Terbium, stecken etwa in Mobiltelefonen, Flachbildschirmen oder Autos mit Hybrid-Antrieben – und sind alles andere als unbegrenzt verfügbar. Zwar lassen sie sich durchaus wieder verwerten. Doch mangelt es noch an der geeigneten Infrastruktur und zusätzlichen Anreizen, etwa Handys auch fachgerecht zu entsorgen.

Traum vom geschlossenen Kreislauf

Auch der Plastikmüll, der bislang in der Kehrrichtverbrennung landet, soll künftig rezykliert werden. Denn rund vier Fünftel des heute vor allem für Verpackungen verwendeten Kunststoffes sind gleich zusammengesetzt. Das erleichtert eine Wiederverwertung, auch wenn eine gleichwertige Anwendung wie beim PET ausgeschlossen ist. Bei PET kann immerhin rund 60 Prozent des rezyklierten Materials wieder zur PET-Flasche werden.

Und das wäre der Traum der Abfallpolitiker: Geschlossene Kreisläufe, in denen die verwendeten Materialien in stets gleich bleibender Qualität wiederverwertet werden können. Davon ist man noch ein gutes Stück entfernt, auch wenn man vor allem bei Metallen schon recht nahe dran ist. Stahl findet heute eine sehr sinnvolle Verwertung: Aus alten Velos werden etwa Stahlträger für die Bauindustrie. Die Technik ist auch soweit, dass viele Abfälle automatisiert getrennt und der Wiederverwertung zugeführt werden können.

Separatsammlung als Qualitätsgarant

Ist damit das in der Schweiz praktizierte Modell der Separat-Sammlungen schon bald überholt? „Nein“, meint Brigitte Fischer vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft im Kanton Zürich. „Nach wie vor erreichen wir damit eine deutlich bessere Qualität“. Die Zukunft der Separatsammlung hat damit erst begonnen. Doch wie wird sie aussehen? Hans-Ulrich Schwarzenbach, Geschäftsführer Zweckverband ZEBA Zug, sagt: „Die Bürger zeigen eine hohe Bereitschaft, zum Recycling beizutragen.“ Er erhalte regelmässig Anregungen: etwa auch Korken zu sammeln. „Doch das lohnt sich in den meisten Fällen nicht. Der Aufwand für die Sammlung ist schlicht zu gross“.

Sammelstelle im Supermarkt

Optimierungen sieht Schwarzenbach hingegen in der Logistik „In Zukunft wird es zentrale Sammelstellen geben, die alles annehmen, was sich wiederverwerten lässt“. Auch Unternehmen wie Migros machen mit. „Doch es gibt Grenzen“, sagt Christine Wiederkehr-Luther, Hauptprojektleiterin Ökologie bei Migros. „So können wir aus hygienischen Gründen etwa keine Dosen in unseren Filialen zurücknehmen“. Ausgediente CDs hingegen schon. Sie werden seit kurzem in verschiedenen grösseren Migros-Supermärkten angenommen.
Die beste Form des Recyclings spielt indes heute nur eine untergeordnete Rolle: Sie hiesse lange Nutzungsdauer und Haltbarkeit der Produkte, etwa bei Mobiltelefonen, die heute kaum eine Saison überdauern.

 

Bild: PET Schweiz

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

Cleantech.ch

cleantech_ch

SCA_LOGO_RGB_marginal
mit swisscleantech ins neue Energiezeitalter

Meistgelesene Artikel

    Abonnieren Sie noch heute Ihren persönlichen Newsletter.
    Noch grössere Aktualität erhalten Sie mit unserem RSS-Feed.

    Kalender

    Deprecated: Function ereg_replace() is deprecated in /home/www-data/nachhaltigkeit.org/components/com_jcalpro/config.inc.php on line 405

    Der Veranstaltungskalender wird vorbereitet.

    {Zum Kalender}

    Magazin Cleantech Switzerland

    Magazin Cleantech Switzerland 2011-1

    Gründungssponsoren