BP fährt wieder volles Risiko

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 14.07.10
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Mit dem neuen 70 Tonnen schweren Abdicht-Ventil hofft Ölmulti BP jetzt, sein Bohrloch in 1600 Metern Tiefe im Golf von Mexiko endgültig zu schließen. BP war nicht nur in diesem Fall sehr risikofreudig, sondern hatte schon früher Katastrophen erlebt.

Ölmulti BP meldet einen Erfolg bei den Reparaturarbeiten am Bohrloch der im April versunkenen Plattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko, allerdings mit Vorbehalt. Denn es ist gelungen, ein gewaltiges Verschlussventil auf die Reste der Installation in 1600 Metern Tiefe zu setzen.  Ob es hält, dies vielleicht sogar das Ausströmen des Öls ins Meer auf Dauer beendet, ergeben Tests, die am Dienstag angelaufen sind und bis zu 48 Stunden dauern sollen.

Dicht heisst nicht dicht auf Dauer

„Es wird erwartet, aber es ist nicht sicher, dass während des Tests kein Öl mehr ins Meer fliessen wird“, heisst es in einer BP-Erklärung. „Allerdings wird das noch kein Hinweis darauf sein, dass der Ölfluss aus dem Bohrloch auf Dauer gestoppt ist.“  Vieles ist unklar, auch die Dauer des Belastungstests wurde am Dienstag mit zwischen sechs und 48 Stunden angegeben. Auf jeden Fall gehen die Arbeiten an Bohrungen neben dem Bohrloch der havarierten Plattform weiter, durch die eine Mischung aus Beton und schwerem Schlamm gepumpt werden soll, die das Loch dann endgültig stilllegen soll. Mit dem Einpumpten soll Ende Juli oder im August begonnen werden.

Abdichtung mit Risiko

Hält die neue Kappe auf dem Leck nicht, oder fliegt sie durch den Druck aus der Ölquelle gar weg, so wird die  bisherige Katastrophe noch verschlimmert. Der gewagte Versuch scheint allerdings in die Firmenphilosophie von BP zu passen, die immer wieder dazu geführt hat, dass man technisch schwierige Entscheidungen mit hohem Risiko getroffen hat.
Der BP-Verantwortliche für Suchbohrungen und Produktion, Doug Suttles, sagte vor Beginn des Tests, man wolle erstmals versuchen, das Leck völlig zu schliessen. Bisher war trotz Teilabdichtung noch immer eine grosse Menge Öl ausgelaufen. Hält der neue Ventilkopf zwischen sechs und 48 Stunden dem Druck aus der Tiefe stand, dann bedeute dies, dass das neue Ventil korrekt arbeite, sagte Suttles. „Im besten Fall steigt der Druck genau bis zu dem Punkt, wo wir ihn erwarten. Dann können wir die Quelle geschlossen halten.“
Ist das aber nicht der Fall so muss die neue Abdichtung wieder entfernt werden und das Öl strömt ungehindert ins Meer, etwa 60.000 Barrel Rohöl am Tag. Ein Barrel entspricht 159 Litern.

„Zeit, die Aktie zu kaufen“ 

Bisher hat BP für die Reinigungs- und Reparaturarbeiten am Golf von Mexiko rund 3,5 Milliarden Dollar ausgegeben. Hinzu kommt noch der mit der US-Regierung vereinbarte Entschädigungsfonds von 20 Milliarden Dollar, aus dem vor allem für teure Umweltschäden bezahlt werden soll.

Trotz dieser Finanzbelastungen sehen die Märkte die Nachricht von der neuen Dichtkappe als positiv. „Es gibt jetzt viel mehr Vertrauen, dass der Ölfluss gestoppt werden kann“, sagt Peter Hutton vom Brokerhaus NCB in London. Die neue Abdichtung werde das Bohrloch schliessen. „Die BP-Aktie war im freien Fall. Jetzt ist es an der Zeit, zu kaufen.“

Dass man damit ein Risiko eingeht, weiss der Händler. Denn BP hatte schon öfter Schwierigkeiten. So 2005, als ein Ventil bei der eine Milliarde Dollar teuren Plattform Thunder Horse im Golf von Mexiko falsch angebracht wurde und die Anlage deshalb in einem  Hurrikan beinahe gesunken wäre. Später erwies sich auch, dass viele Schweissnähte unter dem Zeitdruck, den die Firma den Technikern auferlegt hatte, mangelhaft waren.

Frühere Katastrophen

Ebenfalls 2005 explodierte die BP-Raffinerie in Texas City im Bundesstaat Texas. 15 Menschen kamen dabei ums Leben. Amerikanische Bundesinspektoren sprachen in ihrem Untersuchungsbericht von „organisatorischen und Sicherheitsmängeln“. BP musste die damalige  Rekord-Strafe von 20 Millionen Dollar zahlen. Auch in späteren Jahren kam es noch zu gelegentlichem Stolpern auf dem Weg von BP, zweitgrösster Ölkonzern der Welt zu werden. Dabei sollte niemand BP aufhalten. „Sie waren sehr arrogant und überheblich und abweisend“, erzählt Steve Arendt, ein Sicherheitsexperte, der BP nach dem Unglück von Texas City beriet.

Robert Dudley, Mitglied der BP-Geschäftsführung, der für die Reinigungsarbeiten in der Golfregion verantwortlich ist, sagte nur, jede Ölfirma sehe sich immer wieder Gefahren ausgesetzt. „Ich denke, wir werden sehen, dass dies eine unglaublich komplizierte Reihe von Vorfällen war, mit Einzelentscheidungen und Materialversagen, die zu einem sehr komplizierte Industrieunfall geführt haben.“

Bild: BP p.l.c.

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