Open Air als CO2-Schleuder

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Geschrieben von: Elke Bunge, Berlin 12.07.10
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Sommerzeit ist Open Air-Zeit. Doch gerade die grossen Veranstaltungen mit ihren Zehntausenden Besuchern sind auch grosse CO2-Schleudern. Das soll sich ändern. Die Green Music Initiative sucht nach Alternativen.

Endlich ist es soweit, der Sommer hat begonnen. Es ist die Zeit der Open-Air-Konzerten oder Musikfestivals. Mögen es die Einen eher ruhiger und besinnlicher, so lieben die Anderen das gemeinsame Erlebnis auf einer Grossveranstaltung: Laut soll es sein und viel Spass bieten. Und dieser Spass soll auch ein bisschen dauern: Drei bis vier Tage sind keine Ausnahme. Veranstaltungen wie Rock am Ring in Deutschland, das Roskilde Festival in Dänemark, das Montreux Jazz Festival in der Schweiz oder das Frequenzy Festival in Österreich ziehen zwischen 40.000 und 90.000 Musikliebhaber an.

Wie bei Woodstock

Und all diese Menschen müssen anreisen, mit dem Auto, dem Bus, der Bahn oder sogar dem Flugzeug. All diese werden essen und trinken. Einwegflaschen, Plastikteller, Plastikbesteck und auch Essensabfälle entstehen in Mengen. Toiletten müssen aufgestellt und gereinigt werden. Dieselgeneratoren sind nötig, um ausreichend Strom für Licht und Beschallung zu produzieren und aus der grünen Wiese einen Ort des Miteinanders zu machen. Wie beim legendären Woodstock Festival 1969 in Bethel. Zu dieser Zeit dachte wahrscheinlich niemand, dass dies einen Einfluss auf die Umwelt hat.

25 Kilogramm CO2 pro Kopf

Das ist nun anders. Britische und amerikanische Wissenschaftler haben dazu Untersuchungen durchgeführt. C. Bottrill, D. Liverman and M. Boykoff veröffentlichten in diesem Frühjahr eine detallierte Studie in den „Environmental Research Letters“. Erforscht wurde der Zusammenhang von Klimawandel und der Musikindustrie in Grossbritannien. Ihr Ergebnis: Die britische Musikindustrie produziert jährlich 540 000 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2), dies entspricht der Menge, die eine Stadt mit 54 000 Einwohnern in einem Jahr produziert. Drei Viertel dieser umweltschädlichen Treibhausgase entstehen durch Live-Veranstaltungen, wie Open-Air-Konzerte, ein Viertel durch Aufnahme und Produktion von Musik, also beispielsweise die Herstellung einer CD.
Auch die Pro-Kopf-Emission  von CO2 für den Besuch eines Open-Air-Konzertes wurde berechnet. Im Jahresdurchschnitt gehen in Grossbritannien etwa 5 Millionen Musikfans zu 500 verschiedenen Festivals. Jeder einzelne Besucher einer Open-Air-Veranstaltung produziert durch den Besuch des Festivals 25 Kilogramm CO2. Zum Vergleich: Der Besuch einer klassischen Konzertveranstaltung löst pro Besucher nur eine Emission von 5 Kilogramm CO2 aus .

Im Hotelzug statt mit Auto

Open-Air-Konzerte sind somit intensive CO2-Verursacher. Die Green Music Initiative, eine Plattform zur Förderung einer klimaverträglichen Musik- und Entertainmentbranche in Deutschland, sucht nach Lösungen, diese Emissionen deutlich zu verringern.  40 Prozent der schädlichen Treibhausgase entstehen durch An- und Abreise der Besucher. Besonders umweltunfreundlich ist dabei die An- und Abreise mit dem eigenen PKW. Die Green Music Initiative startete nun zusammen mit dem Melt!-Festival, das jährlich in einem Bergbaufreiluftmuseum bei Gräfenhainichen östlich von Dessau stattfindet, eine grosse Umwelt-Offensive. So wird zum Beispiel eine attraktive Alternative zur Autoanreise angeboten. Sie riefen den Melt!-Festival-Hotelzug ins Leben, eine Kooperation mit der Deutschen Bahn AG. Der Festival-Zug dient nicht nur zur Hin- und Rückreise, er hält direkt auf dem Gelände und bleibt die ganze Zeit vor Ort. Für vier Nächte hat man somit ein eigenes bequemes Bett, unabhängig von Wind und Wetter. Kein Stau bei der Anreise, keine Schlepperei und kein Stress.

Umweltbewusstsein und Spass

Daneben bietet das Unternehmen Deutsche Bus GmbH Melt!-Besuchern eine ganz andere Form der Busreise: Durch ein neues Buchungsverfahren haben Konzertbesucher die Möglichkeit, sich als Initiator einen eigenen Bus zu chartern. Es gilt nun, weitere Mitfahrer z.B. über Social Networks zu finden, denn je mehr Mitfahrer, desto günstiger wird der Fahrpreis. Dazu Jacob Bilabel, Gründer der Green Music Initiative: „Die An- und Abreise von Fans ist immer der grösste Brocken im CO2-Fussabdruck eines Festivals. Hier haben die Melt!-Macher mit innovativen und kreativen Mobilitätsangeboten jenseits der üblichen Verzichts-Logik einen riesigen Schritt in Richtung Low Carbon Festival gewagt. Sie zeigen, dass mit smarten Ideen Umweltbewusstein und Spass durchaus zusammen passen.“
Um den Ort des Festivals so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten, haben die Veranstalter weitere vor Ort-Massnahmen entwickelt, zu ihnen gehören Konzepte der Müllverminderung, die Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern, sowie ein verstärktes Angebot CO2-freundlicher Speisen.

 

Bild: Jeder einzelne Besucher einer Open-Air-Veranstaltung produziert durch den Besuch des Festivals 25 Kilogramm CO2. Hier Impressionen vom Greenfield Festival in Interlaken 2010 (www.greenfieldfestival.ch)

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