Eigentümer der Deepwater Horizon soll weltweit mysteriöse Geschäfte machen. Der inzwischen in der Schweiz ansässige Konzern scheint in mehrere dubiose Geschäfte verwickelt zu sein. Auch laufen Steuerermittlungen. Das Unternehmen soll auch Verbindungen zum Iran und zu Syrien haben, wie die New York Times berichtet.
Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko rückt die Eignerfirma der versunkenen Ölplattform Deepwater Horizon ins Licht. Die heisst Transocean und ist ausser bei Fachleuten für das Ölgeschäft kaum bekannt, zumindest nicht einer breiten Öffentlichkeit. Auch kaum bekannt ist, dass es immer wieder zu Grenzfällen bei Geschäften der grössten Tiefseeborggesellschaft der Welt gekommen ist, die häufig in den Verdacht geriet, Gesetze zu brechen oder Steuern zu hinterziehen. Laut einem Bericht der New York Times hat Transocean Geschäfte mit den Diktatoren von Myanmar, Syrien und Iran gemacht. In Brasilien, Norwegen und den USA wurde oder wird wegen Steuervergehen ermittelt.
Nur auf dem Papier eine Schweizer Firma
Gerichtsverfahren gehören bei multinationalen Unternehmen zum Alltag. Und so erklärte Transocean auch, dass man „stets korrekt gehandelt“ habe und sicher sei, alle Ermittlungen gut zu überstehen. Transocean macht seit der Explosion auf der Bohrinsel im Golf von Mexiko am 20. April den Ölmulti BP für das Desaster dort verantwortlich. Denn BP hat die Plattform von Transocean geleast. BP ist offenbar der grösste Kunde von Transocean, hat mit zwölf Prozent zu dessen Umsatz von 11,5 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr beigetragen.
In den USA steht Transocean jetzt unter ganz besonderer Beobachtung. Denn offiziell ist es jetzt eine Schweizer Firma mit Sitz in Zug. Der Firmensitz war früher im US-Bundesstaat Delaware, der für besonders unternehmerfreundliche Gesetze bekannt ist. Aber auch damals war das wahre Hauptquartier von Transocean in Houston in Texas, dem Sitz der amerikanischen Ölindustrie. 1999 zog Transocean um auf die Cayman Islands, einem bekannten Steuerparadies. Und 2008 wurde der offizielle Sitz nach Zug in der Schweiz verlegt.
In Zug arbeiten aber nur rund 20 der insgesamt 21.000 Angestellten von Transocean und noch einmal so viele in Genf, heisst es in dem Zeitungsbericht. In Houston arbeiten dagegen 1300 Angestellte bei Transocean.
Diese Schein-Verlagerung könnte nach den US-Gesetzen illegal sein. Die verbieten es amerikanischen Firmen, ihren Sitz zum Zweck der Steuerersparnis ins Ausland zu verlegen.
Senator will ermitteln lassen
Der demokratische Senator Mac Baucus aus Montana hat eben Ermittlungen wegen dieses Sachverhalts gegen Transocean angekündigt. „Die zweifelhaften Geschäftspraktiken von Transocean können Schuld sein am Verlust von Menschenleben und Lebensräumen an der Golfküste“, sagte der Vorsitzende des Senats-Finanzausschusses. „Jetzt gibt es auch Fragen zur Steuerpraxis der Firma. Hart arbeitende Amerikaner müssen sich jeden Tag schwer anstrengen, um ihre Steuern zu bezahlen. Für amerikanische Unternehmen muss dasselbe gelten.“
Gesetzesgrenzen weltweit getestet
Die New York Times berichtet über andere mögliche Gesetzesübertretungen in Ländern rund um den Globus. Norwegische Behörden ermitteln wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung beim Verkauf von Ölinseln von einer Tochtergesellschaft zu anderen. Schon vor Jahren hatten die Transocean-Verantwortlichen in Norwegen ein Öl-Rigg von Norwegen in britische Gewässer schleppen lassen, die Plattform mehrfach zwischen Tochterfirmen hin und her verkauft und dann die Zahlung von Steuern mit der Begründung verweigert, dass die Gewinne ja ausserhalb Norwegens angefallen seien. Der Fall wurde später beigelegt.
In Myanmar besass Transocean dem Bericht nach eine Bohrstelle zusammen mit einer Firma in Singapur, die angeblich verflochten war mit Heroinhändlern, die für die Regierung von Myanmar Geldwäsche betrieben. Nach den US-Gesetzen sind Geschäfte mit der Regierung von Myanmar verboten. Die Firma erklärte, dass kein zu ihr gehörendes Unternehmen „das dem US-Verbot unterliegt“ jemals Geschäfte in Myanmar getätigt habe.
Weiter soll Transocean Ausrüstungen über den Iran verschifft haben, einen Anteil an Unternehmen in Syrien bis zum vergangenen Jahr besessen haben und Brasiliens Steuergesetze verletzt haben. Im Februar gab Transocean bekannt, dass es 2008 den brasilianischen Behörden 142 Millionen Dollar überwiesen habe, um einen Streitfall über die ausgelaufenen Förderrechte einer Ölplattform beizulegen. Der Fall hatte sich acht Jahre zuvor ereignet.
Bild: Die BP Plattform Thunder Horse im Golf von Mexico. BP ist offenbar der grösste Kunde von Transocean, hat mit zwölf Prozent zu dessen Umsatz von 11,5 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr beigetragen. (www.bp.com)
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