Es wird weiter gebohrt

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 07.07.10
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Öl wird zunehmend auf hoher See gefördert. Daran dürfte sich trotz der Katastrophe im Golf von Mexiko nichts ändern. Doch es wird nicht leicht sein, höhere Sicherheitsstandards durchzusetzen – die Vorschriften auf See sind oft lax.

Die Bilder aus dem Golf von Mexiko wirken. Auch in anderen Ölförderländern wird nun die Frage gestellt, ob eine solche Katastrophe auch an den eigenen Küsten ausbrechen könne. „Wir müssen die Möglichkeit ins Auge fassen, dass ein solches Unglück auch uns trifft“, sagte etwa EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso vor dem EU-Parlament. „Die Fördertechniken ähneln sich, auch wenn die Nordsee flacher ist als der Golf von Mexiko.“

Umweltschützer fordern Pause

Rund um die Welt wird Öl auf hoher See gefördert, vor Brasilien, Kanada, Nigeria, Angola, im Persischen Golf und im Südchinesischen Meer. Bisher jedenfalls will kein Land die Produktion auf Dauer unterbrechen. Im Gegenteil: Eine ganze Reihe von Ländern wie Australien, Aserbaidschan und Libyen planen neue Bohrungen. Auch BP wollte vor dem Untergang der Deepwater Horizon seine Tiefseebohrungen massiv ausbauen.
Umweltschützer freilich stellen diese Strategie nun in Frage. „Offensichtlich gibt es noch keine Technologie, um eine Katastrophe wie den Untergang der Deepwater Horizon zu verhindern“, sagt Julia Marton-Lefèvre, Generaldirektorin der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) in Gland am Genfersee. „Weil wir die Folgen der Katastrophe nicht abschätzen können, müssen wir die Förderung von Öl und Gas nicht nur in der Tiefsee, sondern in allen ökologisch empfindlichen Regionen einstellen, die Polargebiete eingeschlossen“, fügt die Chefin der Organisation hinzu, welche die Roten Listen der bedrohten Arten herausgibt.

Obama reformiert Aufsichtsbehörde

Zumindest derzeit sind die Regierungen gezwungen, solche Forderungen ernst zu nehmen. US-Präsident Barack Obama hat ein Moratorium über neue Bohrungen verhängt. Ein Bundesrichter hat dieses Moratorium allerdings aufgehoben; Obama liess dagegen Berufung einlegen. Inzwischen wird die zuständige US-Aufsichtsbehörde überholt. Der Minerals Management Service hatte sich als zu lax im Umgang mit BP erwiesen. Beobachter sagen, dass die Katastrophe hätte verhindert werden können, wenn die Behörde ihre eigenen Vorschriften durchgesetzt hätte. Ein ehemaliger Beamter des Justizministeriums, Michael Bromwich, soll die Behörde nun reformieren. Dabei sei es entscheidend, der Behörde die Fähigkeit zu geben, selber Untersuchungen anzustellen. „Wir müssen aggressiv Vorwürfen nachgehen, die Unternehmen täten nicht das, was sie tun sollen“, sagte Bromwich bei einer Anhörung im US-Kongress.
Dabei kann er auch von anderen Ländern lernen: Norwegen etwa gilt als das Land mit den höchsten Sicherheitsstandards. Dabei ähneln die Vorschriften denen in den USA. „Die Gesetze sind in Norwegen nicht so verschieden von denen in den USA. Aber Norwegen verfügt über eine Ausrüstung, die bei uns fehlt“, sagt Melinda Taylor, Professorin für Umweltrecht an der Universität Texas. Dazu gehören Vorrichtungen, die den Austritt von Methangas automatisch verhindern.

Schwaches internationales Seerecht

Auch andere Staaten verschärfen nun ihre Sicherheitsmassnahmen. Kanada verstärkt seine Kontrolle über eine geplante Tiefseeförderung von Chevron vor Neufundland. Das staatliche chinesische Tiefseeförderunternehmen investiert in Schutzausrüstung gegen den Gasaustritt. Die französische Total hat eine Arbeitsgruppe gebildet, welche die Förderanlagen des Unternehmens prüfen soll.
Allerdings unterliegen nicht alle Förderanlagen strengen Vorschriften. Oft befinden sie sich in internationalen Gewässern und arbeiten mit Beschäftigten aus aller Herren Länder. Sie unterstellen sich jeweils den Staaten, die ihre Tätigkeit kaum kontrollieren können. „Heute können viele Ölförderer unter den minimalen Standards des internationalen Seerechts operieren“, sagt James Oberstar, der Vorsitzende des Transportausschusses des US-Repräsentantenhauses.
Doch allzu streng dürften die Vorschriften auch in Zukunft nicht werden. „Wir gehen davon aus, dass die Welt in den nächsten Jahrzehnten alle Energie brauchen wird, die produziert werden kann“, sagte Shell-Chef Peter Voser kürzlich an einer Tagung des Fortune Global Forums in Südafrika. „Wir erwarten, dass die Tiefseeförderung fortgesetzt wird“, fügte der Schweizer hinzu.

 

Bild: BP-Bohrinsel im Golf von Mexiko (www.bp.com).

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