Tesla zieht es an die Wall Street

Drucken
E-Mail
Geschrieben von: John Dyer, Boston 30.06.10
Bookmark and Share
Stichworte:         

Bisher war ein Tesla-Sportwagen mit Elektromotor das teure Spielzeug der Reichen zwischen San Francisco und Hollywood. Jetzt will Unternehmenschef Elon Musk an der Börse genug Geld sammeln, um mit der Massenproduktion zu beginnen.

George Clooney fährt einen. Brad Pitt auch. Und natürlich Amerikas beliebtester Talkshow-Moderator Jay Leno. Sie alle sind mit einem Tesla-Kabriolett unterwegs, das als Besonderheit einen Elektromotor unter der Haube hat. Die Nischenfahrzuge für die Reichen mit einem Stückpreis von über 100.000 Dollar kommen aus Palo Alto in Kalifornien. Jetzt geht die Firma aus dem Silicon Valley an die Börse. Firmenchef Elon Musk plant ein zweites Modell, halb so teuer und für den Massenabsatz geeignet.

Gesamtwert von Tesla: 1,3 Milliarden

Am Dienstag vollzog Tesla Motors Incorporated seinen Börsengang, den ersten eines US-Automobilbauers seit Ford in den 50er Jahren seine Aktien ausgab. Die Firmenleitung hoffte, bei Preisen von 17 Dollar pro Aktie rund 230 Millionen Dollar einzunehmen.
Das ist zwar weniger als die 465 Millionen, die Tesla vom US-Energieministerium bekommen hat, aber es scheint genug für Tesla zu sein, um eine Toyota-Fabrik in Kalifornien zu kaufen, wo die Massenproduktion des Tesla-Roadsters und des neuen S-Modells beginnen soll. Mit dem Börsengang sollte der Gesamtwert von Tesla auf 1,3 Milliarden Dollar steigen.
Bei Tesla hofft man, nach dem Börsengang die traditionellen grossen Drei in Detroit in Sachen Umweltfreundlichkeit, Idealismus und Erfindungsreichtum zu überholen. Vom Silicon Valley aus soll die amerikanische Auto-Welt revolutioniert werden.
„Warum sollten wir Erfolg haben? Warum sollen wir nicht von einer der grossen Autofirmen platt gemacht werden?" fragte der 38-jährige Tesla-Chef Musk. „Wir sind eine Silicon Valley-Firma. Dichter an Apple oder Google als an GM oder Ford in der Art, wie wir arbeiten, wie das Geschäftssystem von Tesla ist. Ich glaube nicht, dass das etwas ist, was GM oder Ford jemals nachmachen können."
Musk gilt in den USA als eine schillernde Figur. Er hängt ständig mit seinen berühmten Kunden herum, musste bei einer Scheidung kürzlich eingestehen, dass er eigentlich bankrott sei und von Zuwendungen seiner Freunde lebe

Daimler testet Tesla-Batterie

Dennoch schien der Börsengang von Tesla unter einem guten Stern zu stehen. „Die Nachfrage scheint gross zu sein", kommentierte Matt Therian von Renaissance Capital, einer russischen Investmentfirma. „Sie haben schon eine Partnerschaft mit Daimler und Toyota investiert bei ihnen, sie haben also Rückendeckung von zwei grossen Autoherstellern." Daimler testet derzeit eine Tesla-Batterie für den Einbau in den Elektro-Smart.
Allerdings sind nicht alle Marktbeobachter so enthusiastisch. Vor sieben Jahren wurde Tesla gegründet, ist aber immer eine Art Spielzeug für Gründer Musk geblieben. Die Firma hat nie Gewinn gemacht. Im vergangenen Quartal hat sie 30 Millionen Dollar Verlust gemacht, das Doppelte des Verlustes im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Insgesamt hat Teslar bisher 300 Millionen Verluste geschrieben.
„Ich kaufe gern ein Lotterielos bei Tesla, denn genau das ist es, ein Lotterielos", sagte Geschäftsführer Damon Vickers von Nine Points Capital Partners, einem Hedgefonds aus Seattle. „Würde man Tesla jetzt nur aufgrund seiner Finanzen einschätzen, so hiesse das, sie sind immer noch in der Entwicklungsphase."

Eine riesige Laptop-Batterie

Die mehr als 400 Kilogramm schwere Batterie des Tesla Roadster zeigt Teslas Ambitionen und das Dilemma des Unternehmens. Die Autobatterie besteht aus 6800 zusammengeschalteten Computer-Batterien, die in eine flüssigkeitsgekühlte Bos installiert sind. Allein die Batterie kostet 30.000 Dollar.
Tesla bietet bisher nur ein Modell an: den Roadster – zum stolzen Preis von 109.000 Dollar.
Nach dem Kauf der Toyota-Fabrik kündigte Musk an, er wolle das „Model S" auflegen. In zwei Jahren soll es ausgeliefert werden. Das S-Modell soll einen Aktionsradius von 300 Meilen (450 Kilometer) mit einer Batterieladung haben und 50.000 Dollar kosten – immerhin noch das Jahreseinkommen eines Durchschnittsamerikaners. Musk hofft, davon jährlich 20.000 Stück zu verkaufen, eine typische Stückzahl für einen Luxuswagen.

Lutz sieht bitteres Erwachen voraus

General Motors-Chef Bob Lutz sagte Tesla ein bitteres Erwachen voraus, wenn man beginnt, Autos auf dem Massenmarkt zu verkaufen. Das Unternehmen sei eine Auto-Boutique, die an zahlungskräftige Kunden verkaufe. Bisher hätten alle Tesla-Versuche in dieser Richtung versagt. „Sie scheinen die übliche Sicht von Silicon Valley zu haben, dass diese Region der einzige Ort in den USA ist, wo man Intelligenz findet. Jedermann östlich der Berge wird als stumpfsinniger Dinosaurier gesehen."
Nissans Elektroauto „Leaf", das bald auf den Markt kommt, soll zwar nur 100 Meilen (150 Kilometer) pro Batterieladung fahren können, kostet aber nur 25.000 Dollar. Der „Volt" von Chevrolet hat einen Elektro-Hybrid-Antrieb und soll ab Jahresende für 35.000 Dollar verkauft werden. Und der schon erfolgreiche „Prius", ein Hybrid-Auto von Toyota, wird für 23.000 Dollar verkauft.

 

Bilder: Tesla

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

Cleantech.ch

cleantech_ch

SCA_LOGO_RGB_marginal
mit swisscleantech ins neue Energiezeitalter

Meistgelesene Artikel

    Abonnieren Sie noch heute Ihren persönlichen Newsletter.
    Noch grössere Aktualität erhalten Sie mit unserem RSS-Feed.

    Kalender

    Der Veranstaltungskalender wird vorbereitet.

    {Zum Kalender}

    Magazin Cleantech Switzerland

    Magazin Cleantech Switzerland 2011-1

    Gründungssponsoren