Ökorevolution wird karmisch

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius 28.06.10
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Die "Karmakonsum"-Tagung in Frankfurt hatte Medizin gegen den Burnout der Welt parat. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Thomas D. Oder legen Sie eine Pause ein.

Unter dem Motto "Empowering a new spirit in business" traf man sich bezeichnenderweise dort, wo der alte Geist der Wirtschaft ein Zuhause hat: in der Frankfurter Wertpapierbörse in den Räumen der Industrie und Handelskammer Frankfurt. Und das genau während des G20-Gipfels. In Frankfurt zumindest hiess es: Öko wird Mainstream - ein Satz, der hier nicht zu Kopfschütteln, sondern zu bestätigendem Klatschen führte. Die Initianten und Teilnehmer der Tagung "Karmakonsum" probten demnach nicht die Revolution, sondern loteten aus, wo Synergien, wo Anknüpfungspunkte, wo Sollbruchstellen zwischen altem und neuem Geist zu finden sind. Und das geht am besten mit klarem Kopf, vegetarisch gefülltem Magen und in lockerer Atmosphäre. Alle drei Punkte hat die Karmakonsum erfüllt: Meinen Kopf haben der legendäre PR-Papst und Zen-Verfechter Paul Kohtes und die Guerilla-Meditatierer in der Gefolgschaft von Thomas D. geklärt. Mein Magen erfreute sich veganer Häppchen und für die Grundstimmung sorgte das Team um die Organisatoren Noel Klein-Reesink und Christoph Harrach.

Niemand machte es sich einfach und verkündete Heilsrezepte, wie die Wirtschaft nachhaltiger funktionieren könnte. Doch an Beispielen fehlte es nicht und ich habe einiges darüber mitgenommen, in welchem Denken das "Wie" besser in Angriff genommen werden könnte. Zum einen in hitzigen Diskussionen darüber, wo Konsumenten und Produzenten "abgeholt" werden sollten. Denn der österreichische Kräutermann Johannes Gutmann hat mit seinem Sonnentor-Konzept der regionalen landwirtschaftlichen Verwurzelung viele beeindruckt. Der Vorstand der nachhaltigen Bank GLS, Andreas Neukirch, hat bewiesen, wie unaufgeregt sozial-ökologisch verantwortlich mit Finanzströmen umgegangen werden kann. Und auch das Startup "Arktik", das zur CO2-Kompensation von Benzin eine Kundenkarte anbietet und mit Jet und Shell koorpiert, weist einen Weg in die Zukunft. Alle drei brausen mit grosser Geschwindigkeit in die Zukunft und wollen dabei anstossen, dass jeder einzelne sich stärker verantwortlich fühlt und danach handelt.

Entspannt den Überblick wiedergewinnen

Doch fern aller Geschwindigkeit war die Tagung im Herzen Frankfurts eine Entdeckung der Langsamkeit. Während vor dem Gebäude die Börsianer ihr Freitags-Viertele genossen und die Wertpapiercomputer rattern liessen, traf Kohtes mit seinem Plädoyer für die wertfreie Zenkultur der Leere ins Volle. Vogelperspektive wiedererlangen, Prozesse analysieren, innehalten und dann loslaufen. So kann auch gelingen, eine gewissen Ökoverkrampftheit, die sich zuweilen in unseren Landen breit macht, entspannter zu betrachten. Und unter dieser Prämisse müssen Ideen nicht immer extrem innovativ sein, um Schritte in die richtige Richtung zu weisen. Thomas D. überreichte am Abend den Karmakonsum Gründeraward 2010 an manomama. Das junge Unternehmen fertigt seit April faire Kleidungsstücke in der mittlerweile ehemaligen Textilstadt Augsburg.

Thomas D. tat gut, denn er kann es sich leisten, genauso über die Ökopolizei zu schimpfen wie über Grosskonzerne. Genau diese Distanz brauchen wir, um die Diskussion weiterzutreiben und das Rad weiterzudrehen. Fern jedes Esoterikanfluges hätte Kohtes vielleicht folgenden Zensatz zitiert: "Der erhabene Weg ist nicht schwer für den, der ohne Vorlieben ist." Verdammt schwer demnach für uns, die mitten in der Nachhaltigkeitsszene schwimmen. Doch zum Glück kommen wir zuweilen noch zum Nachdenken.

Bild: Thomas D. (rechts) mit einem der Initianten der Guerilla-Meditation. (conactor.de)

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