Neuchâtel - Der Grossraum Genf entlang der Schweizer und der französischen Grenze fällt durch seine demografische Dynamik und verhältnismässig junge Bevölkerung auf. Das konstatiert das Schweizer Bundesamt für Statistik (BFS) nach Auswertung der ersten grenzüberschreitenden Datenerhebung in Europa. Das Audit war im Jahr 2006 im Raum Genf und dessen französischem Einzugsgebiet in den grenznahen Regionen der Ssments Ain und Haute-Savoie vorgenommen worden. Mit 802.000 Einwohnerinnen und Einwohnern sei dieser Raum im europäischen Vergleich zwar relativ klein, räumt das BFS sein. Die Agglomeration entwickle sich jedoch stürmisch. Der kosmopolitische Charakter und die hohe Erwerbsquote des urbanen Raums Franco-Valdo-Genevois seien hauptsächlich dem schweizerischen Teil zu verdanken, während der verhältnismässig hohe Anteil von Familien mit kleinen Kindern und von Wohneigentümerinnen und Wohneigentümern in erster Linie auf den französischen Teil zurückzuführen ist. Aufgrund seines verhältnismässig hohen Anteils von Familien mit kleinen Kindern (28 Prozent) weist der urbane Raum Franco-Valdo-Genevois laut BFS diesbezüglich grosse Ähnlichkeit mit französischen Ballungsräumen auf, wo deren bis zu 30 Prozent betrage). Damit sei ein deutlich Unterschied zu den schweizerischen und noch ausgeprägter zu den deutschen und italienischen Grossagglomerationen gegeben, wo der Anteil junger Familien nur bei 20 bis 23 Prozent liege. In der Agglomeration Franco-Valdo-Genevois beträgt der Anteil der 15- bis 64-jährigen Erwerbspersonen nach Angaben des Amtes 76 Prozent. Die Verhältnisse im schweizerischen Teil, in dem unter anderem mehr Teilzeitstellen angeboten werden, ziehe die Erwerbsquote nach oben. Die Rate in der grenzüberschreitenden Region liege zwischen den Verhältnissen in der Schweiz (in Zürich beträgt die Erwerbsquote 83 Prozent) und in Frankreich (in Lyon und Grenoble liegt die Erwerbsquote unter 70 Prozent). Mit gut 530 Autos pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner ist der Motorisierungsgrad im urbanen Raum Franco-Valdo-Genevois dem BFS zufolge verhältnismässig hoch, was mit der Motorisierung im französischen Teil zusammenhänge. Die italienischen Ballungsräume (rund 600 Autos auf 1000 Einwohnerinnen und Einwohner, knapp 700 in der Agglomeration Rom) lägen diesbezüglich klar an der Spitze des Feldes. Am anderen Ende der Bandbreite befänden sich die nordeuropäischen Städte mit einem viel tieferen Motorisierungsgrad wie beispielsweise Kopenhagen (320 Autos pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner). Die Schweiz beteiligte sich laut der BFS-Mitteilung im Jahr 2006 am europäischen Urban Audit mit einem Pilotversuch, der vom Bundesamt für Statistik (BFS) und vom Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) in vier grossen Schweizer Städten (Zürich, Genf, Bern und Lausanne) durchgeführt wurde. Im Rahmen dieses Projekts wurden die Daten nicht nur auf der Ebene der Stadt (Zentrumsgemeinde), sondern auch auf Quartierebene und auf der Ebene der Agglomeration erhoben. Vor diesem Hintergrund lasse sich der Einflussbereich von Genf in den grenznahen französischen Gemeinden kaum ausklammern. Deshalb habe das Observatoire statistique transfrontalier das BFS und das Schweizerische Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) gebeten, den gesamten urbanen Raum von Genf sowohl diesseits als auch jenseits der Schweizer Landesgrenze zu berücksichtigen. In Zusammenarbeit mit dem französischen Statistikamtes Institut national de la statistique et des études économiques (INSEE) sei dieses Audit eines grenzüberschreitenden urbanen Raums zum ersten Mal in Europa durchgeführt worden. (ug)
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