Minergie geht einen Schritt weiter

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Geschrieben von: Nathalie Schoch, Zug 24.06.10
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Der Aargauer Baudirektor und Landammann Peter C. Beyeler war während acht Jahren Präsident des Vereins Minergie. An der Generalversammlung vom 17. Juni 2010 gab er sein Amt in neue Hände. Zeit, um Bilanz zu ziehen.

Nathalie Schoch: An der Swissbau sagte Bundespräsidentin Doris Leuthard, die Schweiz sei in Sachen Gebäude-Energieverbrauch vom Idealzustand weit entfernt. Niemand wolle verzichten, geschweige denn sparen. Wird sich das in naher Zukunft ändern?

Peter Beyeler: Ich sehe das so: Sparen ist in diesem Zusammenhang ein schlechter Begriff. Wir müssen den Hausbau oder den Kauf eines Autos anders betrachten. Nicht mit dem Hintergedanken des Sparens, denn Sparen heisst immer, auf etwas verzichten zu müssen. Minergie heisst aber: Ich habe mehr Komfort, verbrauche weniger Energie und habe dadurch im Endeffekt auch weniger Kosten. Ich glaube, das ist die richtige Sichtweise. Und ich glaube auch, dieses Bewusstsein kommt immer mehr auf.

Nathalie Schoch: Und doch scheuen nach wie vor viele Bauherren den Bau eines Minergie-Hauses, weil sie Angst vor den zu hohen Investitionskosten haben. Machen diese Bauherren einen Denkfehler?

Peter Beyeler: Viele Bauherren denken nicht langfristig. Sie sehen nur das Investitionsvolumen, ohne die Rechnung auf die Langzeitdauer des Gebäudes und des Mehrwertes zu machen. Bei der Küche oder der Garage spart man auch nicht, Hauptsache, das Auto ist gut versorgt. Aber bei der Energie will man sparen. Das ist schade. Denn es würde sich gerade hier lohnen, wenn man langfristig denkt. Schliesslich hält ein Gebäude 30 bis 40 Jahre oder länger und die Preise für Gas, Öl und Strom werden sich in dieser Zeit sicher erhöhen.

Nathalie Schoch: Sie haben an der Generalversammlung vom neuen nachhaltigen Standard gesprochen, der mehr auf die Bedürfnisse internationaler Bauherrschaften eingehen soll. Weldche Bedürfnisse meinen Sie?

Peter Beyeler: Wenn man ein internationales Label hat, dann kann man auch internationale Produkte verwenden. Wenn ich zum Beispiel unsere Fenstertechnik mit Frankreich und England vergleiche, dann muss ich sagen, dass jene im Ausland doch sehr veraltet ist. Hier liegt ein Potenzial, mit anderen Labels zusammenzuarbeiten.

Nathalie Schoch: Wie sehen Sie die Chancen für den neu entwickelten Minergie A-Standard?

Peter Beyeler: Die bisherigen Standards haben sich bewährt und werden umgesetzt. Jetzt können wir einen Schritt weiter gehen. Mit Minergie A, also dem Null-Energie-Haus, möchten wir einen Trend setzen, mit dem wir in die Zukunft schreiten können. Es soll aufzeigen, dass wir die Technik mit Photovoltaik und Sonnenkollektoren nutzen sollten.

Nathalie Schoch: Sie haben an der Generalversammlung vom 17. Juni ihr Amt nach acht Jahren niedergelegt. Wo haben Sie begonnen und wo steht Minergie heute?

Peter Beyeler: Als ich das Amt übernommen habe, genoss Minergie noch wenig Akzeptanz. Bei vielen Bauherren war es unbekannt und viele Fachleute waren skeptisch. Heute ist Minergie etabliert – sogar soweit, dass die Kantone die Anforderungen in die Gesetze aufgenommen haben. Ich glaube, wir können durchaus von einem Quantensprung sprechen. Natürlich hat auch sehr viel von aussen dazu beigetragen, zum Beispiel der Film von Al Gore oder die Klima-Diskussionen. Das hat es gebraucht. Man hat plötzlich gemerkt, wie wichtig es ist, auch in Sachen Bau mit anderen Materialien und Techniken dieser Problematik entgegen zu wirken. Und nicht zuletzt sah man auch wirtschaftliche Chancen.

Nathalie Schoch: Wo sehen Sie noch dringenden Handlungsbedarf?

Peter Beyeler: Zum einen geht es nun darum, das an der Generalversammlung vorgestellte Minergie A voranzutreiben und international abzustimmen, wobei die Mittel für eine Vermarktung natürlich nicht ausreichen. Hier müssen die Kantone miteinbezogen werden, aber immer unter dem Aspekt, dass dies nicht zu explosionsartigen Mehrkosten führt, sondern wirtschaftlich ist.

Nathalie Schoch: Ihr Nachfolger Heinz Tännler ist ebenfalls Regierungsrat. Was raten Sie ihm, wo er seinen politischen Einfluss geltend machen soll?

Peter Beyeler: Zum einen sollte er sicherlich im Bereich der Energiedirektorenkonferenz aktiv sein und die Kantone in die Verantwortung mit einbeziehen. Zum anderen muss er Präsenz markieren, ein Netz schaffen und nicht zuletzt die Geschäftsleitung immer wieder motivieren und ihnen aufzeigen, dass es ohne ihr grosses Engagement nicht geht.

Nathalie Schoch: Was betrachten Sie als besonderen Erfolg Ihrer acht Jahren als Minergie-Präsident?

Peter Beyeler: Am Erfolg war nicht nur ich beteiligt; da haben viele andere mitgeholfen. Meine Stärke war vielleicht einfach, dass ich im Vorstand eine Einigkeit erlangen konnte und dass man pragmatisch umsetzbare Lösungen fand. Das beinhaltet für mich eine 90/10 Prozent-Variante, also dass man sich, wenn die letzten zehn Prozent zuviel gekostet hätten, lieber auf gute 90 Prozent beschränkt. Ein Erfolg war für mich auch, ein gutes Klima zu verbreiten.

Nathalie Schoch: Gab es Momente, in denen Sie scheiterten?

Peter Beyeler: Nein, ich denke nicht. Denn es war eine stetige Entwicklung. Sicher gab es Diskussionen, in denen man merkte, es geht nicht von heute auf morgen. Zum Beispiel bei der Entwicklung im Ausland, der Aus- und Weiterbildung der Fachleute oder bei politischen Prozessen. Aber ich glaube, wir sind eine gute Strategie gefahren und können optimistisch in die Zukunft blicken.

 

Zur Person:
Peter C. Beyeler ist nach acht Jahren als Präsident des Vereins Minergie zurückgetreten. Sein Nachfolger heisst Heinz Tännler: Der Regierungsrat und Baudirektor des Kantons Zug wurde an der Generalversammlung vom 17. Juni 2010 einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt. Peter C. Beyeler zieht eine ausgesprochen positive Bilanz seiner Präsidentschaft. Er betont insbesondere, dass Minergie in dieser relativ kurzen Zeit nicht nur zur Messlatte für energieeffizientes Bauen, sondern gleichzeitig zum Inbegriff einer modernen, trendigen Baukultur geworden sei.

 

Bild: zvg

 

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