Wer fahren lernt, verschwendet Energie. Das muss in diesem Ausmass nicht sein, sagt Philipp Mannhard. Seine Fahrschule war im Jahr 2000 europaweit die erste, die auf Erdgas umgestiegen ist.
Anna Birkenmeier: Woraus ist die Idee, auf Erdgas betriebene Fahrzeuge umzusteigen entstanden?
Philipp Mannhard: Die Idee ist rein zufällig entstanden. Als junge Fahrschule musste ich mir marketingmässig etwas Spezielles einfallen lassen, um aufzufallen. Zu dieser Zeit sind Erdgasautos aufgekommen und die Idee war geboren. Das ist natürlich nur der eine Aspekt. Der andere ist klar umwelttechnisch bedingt. Das Fahrschulfahren ist soviel unnötiges Herumfahren- da darf es ruhig umweltschonend sein. Verwandte Themen| { Biker unter Strom, 18.05.10 } | | { Migros fördert E-Mobilität, 11.05.10 } | | { Stromschlag für Autoindustrie, 04.05.10 } | | { Öko-Auto im Alltagstest, 16.02.10 } | | { Die Biotreibstoffe kehren zurück, 12.02.10 } | | { Ecocars erobern Automarkt, 12.02.10 } | | { Autohersteller sind elektrisiert, 05.02.10 } | | { E-Autos schaden, 03.02.10 } | | { Stromkonkurrenz für Zweitakter, 03.02.10 } | | { Ampeln für Stromautos auf Grün, 27.01.10 } | | { Autos unter Strom, 13.10.09 } | | { Wasserstoff treibt Auto der Zukunft, 21.08.09 } | | { Autos sterben nicht, 13.08.09 } |
Anna Birkenmeier: Wie kommt das Angebot bei den Kunden an?
Philipp Mannhard: Vom ersten Moment an ist das Angebot auf ein sehr grosses Interesse gestossen und noch heute bekomme ich Reaktionen wie: Ah, Sie sind doch die Fahrschule mit den Erdgasautos. Nun hatten wir einen Unterbruch mit den Erdgasautos, aber ab August stehen bei uns drei neue Autos von Fiat Punto bereit. Zu diesem Anlass wird es auch ein grosses Fest geben, in Zusammenarbeit mit Erdgas Zürich.
Anna Birkenmeier: Gibt es Unterschiede bei der Handhabung der mit Erdgas betriebenen Fahrzeuge zu den herkömmlichen Fahrzeugen?
Philipp Mannhard: Eigentlich nicht. Lediglich ein minimer Leistungsverlust von 10Prozent gegenüber den normalen handelsüblichen Autos. Viele Fahrschüler merken im ersten Moment gar nicht, dass sie ein Erdgas-Auto fahren. Erst wenn es ums Tanken geht, begreifen Sie, dass Sie anstatt mit Benzin mit Erdgas fahren. Das ist auch unser Ziel: ein möglichst selbstverständlicher Zugang der jungen Leute zu Erdgas Fahrzeugen. Meine kleine Tochter etwa schreibt ganz selbstverständlich zu ihrem gemalten Töff „Elektroroller".
Anna Birkenmeier: Warum engagieren Sie sich gerade als Fahrschule fürs Klima?
Philipp Mannhard: Ich komme aus dem Rennsport und habe Crossrennen bestritten. Da bin ich mir natürlich bewusst, dass ich die Umwelt stärker belaste. Für mich muss die persönliche Energiebelastung stimmen. Zudem ist für mich Umweltschutz sehr wichtig, obschon ich Freude am Rennsport und starken Autos habe. Hier muss ich also eine Balance finden und deswegen habe ich mir für den Stadtverkehr ein Elektrotöff gekauft. Für die Fahrschule bedeutet das Engagement zum einen Marketing und zum anderen Überzeugung.
Anna Birkenmeier: Elektrofahrzeuge sind momentan in aller Munde. Sind sie auch in Ihrer weiteren Planung vorgesehen?
Philipp Mannhard: Bei den Elektroautos haben wir als Fahrschule leider ein rechtliches Problem, da sie nicht an die Prüfung zugelassen werden. Somit können wir sie nicht als Lernfahrzeuge einsetzen. Als nächstes kommen bei uns die Elektroroller. Denn ein Automobilist muss keine Rollerprüfung ablegen, weshalb das in diesem Fall gut machbar ist.
Anna Birkenmeier: Sie bieten auch sogenannte Eco Drive-Fahrstunden zur Energieffizienz an. Wie sieht so eine Fahrstunde aus?
Philipp Mannhard: Im Vordergrund steht sicheres und zügiges fahren. Dabei spielt natürlich auch das Sparen von Benzin eine grosse Rolle. Wer die Eco-Drive-Fahrtechnik konsequent anwendet, kann 10 Prozent Treibstoff sparen und fährt entspannter und sicherer. Zur Energieeffizienz werden wir in Zukunft ein Package für Firmen anbieten, bei denen wir Mitarbeiter schulen, begleiten und nach einer gewissen Zeit einen Wettbewerb durchführen wer sich am effizientesten verhält. Wir haben zur Energieeffizienz bereits Schulungen für die Post mit den Rollern und der Spitex, durchgeführt.
Anna Birkenmeier: Gibt es bereits weitere Fahrschulen, die auf Erdgas Mobile umgestiegen sind?
Philipp Mannhard: Es gibt vereinzelt Fahrschulen, die auch auf Erdgas Fahrzeuge umgestiegen sind. Im Jahr 2000 waren wir aber tatsächlich die erste Fahrschule in ganz Europa, die auf Erdgas umgestiegen ist. Dazu mussten die Fahrzeuge umgerüstet werden, weil sie noch nicht serienmässig zur Verfügung standen. Aber es hat sich gelohnt.
Anna Birkenmeier: Welche Ziele und Ideen haben Sie in Bezug auf Ihre Fahrschule?
Philipp Mannhard: Wir möchten unser Angebot weiter ausbauen. Dabei steht ein guter Mix zwischen Elektro, Erdgas und herkömmlichen Fahrzeugen auf dem Programm. Wir müssen den Leuten einen guten Umgang mit den verschiedenen Möglichkeiten bieten. Ein motorgetriebenes Fahrzeug hängt für viele Leute mit Emotionen zusammen. Deswegen müssen wir sie darin schulen, möglichst umweltbewusst damit umzugehen und wenn möglich auf Alternativen umzusteigen.
Zur Person: Philipp Mannhard ist Gründer und Geschäftsführer der Fahrschule Mannhard in Zürich.
|