Japan setzt auf grüne Seefahrt

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Geschrieben von: Susanne Steffen, Tokio 18.06.10
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Mehrere japanische Unternehmen wollen umweltfreundliche Schiffe entwickeln. Denn alle Handelsschiffe der Welt stossen pro Jahr etwa soviel Treibhausgase aus wie ganz Deutschland. Und die Tendenz ist steigend.

Der Ökoboom hat nun auch die Schifffahrtsindustrie erreicht. Kürzlich kündigten gleich mehrere japanische Unternehmen an, die ersten Öko-Schiffe der Welt zu entwickeln. Sie reagieren damit auf den wachsenden internationalen Druck, die Seeschifffahrt umweltfreundlicher zu machen. Laut einer Erhebung der internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO (International Maritime Organization) emittierten Handelsschiffe im Jahr 2007 zusammen 870 Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid – fast so viel wie Deutschland im gleichen Jahr (956 Millionen Tonnen). Das entspricht drei Prozent des weltweiten Gesamtausstosses des Jahres. Ohne globale Massnahmen zur Reduktion des Kohlendioxidausstosses in der Seeschifffahrt könnten sich nach IMO-Angaben die CO2 Emissionen um bis zu 250 Prozent erhöhen.

Fähre mit Batterieantrieb

Wie beim Auto spielen auch bei den Öko-Frachtern Hybrid- und Elektromotoren sowie Brennstoffzellen die Hauptrolle – allerdings in gigantischen Ausmassen. Ein Tochterunternehmen des Schwermaschinenherstellers IHI will eine 30 Meter lange Passagierfähre mit einer Lithium-Ionen-Batterie ausstatten, die bis zu 300 Mal grösser ist als eine entsprechende Autobatterie. Diese erste Plug-in Fähre der Welt, auf der 800 Fahrgäste Platz finden, soll nach Unternehmensangaben mit einer Batterieladung maximal 80 Kilometer zurücklegen können. Für den Einsatz auf Kurzstrecken völlig ausreichend, befinden die Ingenieure. Bis 2015 wollen sie die Technologie zur Anwendungsreife bringen. Konkurrent Mitsui Engineering & Shipbuilding arbeitet derzeit an der Entwicklung eines Diesel-Elektro-Hybridantriebssystems für Langstrecken-Containerschiffe. Im Normalbetrieb wird ein Dieselmotor den Schiffsmotor antreiben, der gleichzeitig auch als Stromgenerator fungiert. Der so erzeugte Strom wird in einer Batterie gespeichert. Bei schwerer See oder anderen Umständen, die eine stärkere Antriebskraft erfordern, soll der Kapitän die Option haben, die Batterie zuzuschalten. Auch ein alleiniger Batteriebetrieb soll möglich sein. Laut Unternehmensangaben wird diese Technologie den CO2-Ausstoss im Vergleich zu herkömmlichen Antriebstechniken halbieren.

Wieder Segel für die Frachter

Selbst mit alternativen Energiequellen wie Sonnen- und Windkraft könnten Öko-Schiffe in Zukunft über die Ozeane befördert werden. Bis 2030 will die Schifffahrtsgesellschaft NYK das „NYK Super Eco Ship 2030“  zur Anwendungsreife bringen. Noch befindet sich das 353m lange Containerschiff in der Designphase. An Deck sollen insgesamt 31.000 Quadratmeter mit Solarzellen bestückt werden. Ausserdem soll das Schiff mit mindestens acht Windsegeln ausgestattet werden. Hauptantriebskraft sollen Brennstoffzellen auf Flüssigerdgasbasis mit einer Gesamtleistung von 40 MW sein.  Um den Reibungswiderstand unter Wasser zu verbessern, soll das Schiff eine Art Haifischhaut bekommen, an der sich Luftblasen bilden. Sollten die Ingenieure das Schiff tatsächlich fertig stellen, würde es knapp 70 Prozent weniger CO2 emittieren als heutige dieselgetriebenene Frachter.

Ohne Hightech: Langsamer fahren spart deutlich

Bis die ersten High-Tech-Öko-Schiffe tatsächlich auf den Markt kommen, könnte eine ganz simple Methode helfen. Experten haben errechnet, dass das Drosseln der Geschwindigkeit um 10 Prozent  fast ein Drittel weniger Brennstoff kostet – in den meisten Fällen also extrem klimaschädliches Schweröl.

Bild: Bis 2030 will die Schifffahrtsgesellschaft NYK das „NYK Super Eco Ship 2030“ zur Anwendungsreife bringen. Hier ein Prototyp-Model des Öko-Schiffs. (www.nyk.com)

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