Das Enterprise Europe Network will die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Hochschulen stärken, sagt Cedric Höllmüller. Mit Kontaktbörsen und der Veröffentlichung von Angeboten und Nachfragen im Internet will das Netzwerk mögliche Partner zusammenbringen und die Anbahnung von Geschäften und Kooperationen erleichtern.
Steffen Klatt: Was ist das Ziel des Enterprise Europe Network?
Cédric Höllmüller: Das Enterprise Europe Network hat die Mission, kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) die transnationale Kooperation zu erleichtern und zu ermöglichen. Dabei geht es um geschäftliche ebenso wie um technologische Zusammenarbeit, für direkte Zusammenarbeit wie auch über das EU-Forschungsprogrammen.
Steffen Klatt: Warum sprechen Sie gerade kleinere und mittlere Unternehmen an?
Cédric Höllmüller: Kleinere und mittlere Unternehmen bilden in Europa wie in der Schweiz das Rückgrat der Wirtschaft. Verwandte Themen| { Westschweiz will sauberen Erfolg, 01.06.10 } | | { Merkel im Morgenland, 27.05.10 } | | { Lockruf aus dem Osten, 04.05.10 } | | { Vom Labor ins Nomadenzelt, 29.04.10 } | | { Dem Export Flügel verleihen, 15.04.10 } | | { Cleantech-Export für die Zukunft, 01.04.10 } | | { Auf die Stärken besinnen, 18.03.10 } | | { Grösster Motor der Weltwirtschaft, 01.02.10 } | | { Den Horizont erweitern, 09.12.09 } | | { Cleantech-Unternehmen vernetzen, 24.11.09 } | | { Mikrofinanz wächst schneller, 28.10.09 } | | { Cleantech-Flieger hebt ab, 20.10.09 } | | { Innovative Unternehmer gesucht, 02.09.09 } | | { Frischer Wind am Bosporus, 19.08.09 } | | { Chance für den Finanzmarkt, 29.07.09 } | | { Nachhaltigkeit in den Chefetagen, 19.07.09 } |
Steffen Klatt: Was brauchen diese Unternehmen?
Cédric Höllmüller: Sie brauchen konkrete, personalisierte Unterstützung. Wir müssen ihnen einerseits die Möglichkeiten transnationaler Zusammenarbeit aufzeigen und andererseits auch als Übersetzer auftreten. Das gilt nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell. Wir sind Brückenbauer. Wir helfen, wenn zwei Welten nicht die selbe Sprache sprechen. Das kann zwischen KMU und Hochschule der Fall sein, zwischen KMUs aus verschiedenen Sektoren und zwischen KMUs aus verschiedenen Ländern. Wenn man in der Schweiz etwas vereinbart, dann hält man sich daran. Das ist in andern Ländern nicht unbedingt der Fall; dort gibt es andere Geschäftsgewohnheiten, Wir können den Schweizer Unternehmen helfen. Wir kennen gleichzeitig unsere Kollegen im Netzwerk in Grossbritannien, Dänemark und anderen Ländern. Diese Kontakte machen den wahren Wert des Netzwerkes aus. Die Datenbank ist davon nur die sichtbare Spitze.
Steffen Klatt: Ihre Mittel sind beschränkt. Können Sie allen interessierten Unternehmen helfen?
Cédric Höllmüller: Wir können natürlich nicht allen helfen. Aber jeder Unternehmer, der zu uns mit einem Technologieangebot kommt, erhält bei uns persönliche Betreuung.
Steffen Klatt: Aus welchen Branchen kommt derzeit das grösste Interesse am Netzwerk?
Cédric Höllmüller: Die Schweizer Angebote kommen besonders aus den Branchen, in denen die Schweiz stark ist. Dazu gehört der Maschinenbau und Automation in weitem Sinn, Informations- und Kommunikationstechnologien, die Biotechnologie, die Mikro-und Nanotechnologie, Energie, Umwelt…
Steffen Klatt: Haben Sie Schweizer Unternehmen konkret helfen können?
Cédric Höllmüller: Wir haben in einem Jahr aufgrund von gezielten Angeboten 773 Kontakte zwischen Schweizer und ausländischen Unternehmen herstellen können. Wir haben 83 Schweizer Firmen betreut, die an 14 Kontaktbörsen im Ausland teilgenommen haben; diese Firmen haben dort 343 Treffen von dreissig Minuten mit möglichen Partnern gehabt, die sie im Vorfeld gewählt hatten.
Steffen Klatt: Können Sie ein Beispiel nennen, bei dem Sie das Gefühl gehabt haben, wirklich helfen zu können?
Cédric Höllmüller: Die Firma Domteknika in La Neuveville ist an zwei Kontaktbörsen gekommen. Wir konnten ihnen Kontakte in Schweden und Frankreich und mit möglichen Investoren vermitteln. Manche Unternehmen wollen natürlich nicht, dass wir über sie sprechen.
Steffen Klatt: Wie reagieren die Schweizer Hochschulen auf Ihr Angebot?
Cédric Höllmüller: Sie sind interessiert. Einige machen über unser Netzwerk Technologieangebote und suchen so Partner. Es gab dafür auch schon Interessensbekundungen aus dem Ausland. In der Schweiz konnten die Hochschulen dafür bereits bisher verschiedene Wege nutzen.
Steffen Klatt: Wer trägt das Netzwerk?
Cédric Höllmüller: Das Enterprise Europe Network insgesamt wird von der EU-Kommission getragen und finanziert. Es ist Teil des EU-Programmes Wettbewerbsfähigkeit und Innovation. Die Schweiz nimmt an diesem Programm nicht teil. Wir sind Teil des Netzwerkes und profitieren von seinen Dienstleistungen. Unsere Arbeit wird vom Bund bezahlt.
Steffen Klatt: Sind Sie mit dem Start des Netzwerks zufrieden?
Cédric Höllmüller: Es braucht immer Zeit, etwas Neues aufzugleisen. Aber es gut funktioniert. Die Leute fangen an, das zu nutzen. Die Anfragen kommen von allein zu uns. Wir arbeiten auch immer mehr mit anderen Akteuren wie CleantechAlps zusammen. Denn wir können allein nie die gesamte KMU-Szene der Schweiz kennen. Das ist unmöglich. Ich hoffe, dass Organisationen und Verbände Unternehmen auf unsere Dienstleistungen hinweisen und diejenigen Unternehmen zu uns schicken, für die das sinnvoll ist.
Zur Person Cédric Höllmüller ist bei Euresearch, der Schweizer Kontaktstelle für das EU-Forschungsrahmenprogramm, für das Enterprise Europe Network zuständig.
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