Auf süssen Reifen Auto fahren

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Geschrieben von: Elke Bunge, Berlin 14.06.10
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Der Abschied vom Öl hat begonnen. Der Reifenhersteller Goodyear experimentiert zusammen mit einem dänischen Unternehmen an Reifen, die auf der Grundlage von Zucker hergestellt werden. Die ersten Bioreifen könnten 2015 auf den Markt kommen.

Es werden immer mehr, Autos, Busse, LKW, Flugzeuge. Alle dienen unserer Mobilität in einer immer mehr globalisierten Gesellschaft. Und all diese haben eines gemeinsam: Das Rad. Dieses erste von der Menschheit erfundene Maschinenelement gibt es bereits seit 6000 Jahren. Die Sumerer haben es etwa 4000 vor Christus entwickelt. War es jahrtausendelang aus Holz, so werden heute Gummireifen für die Fortbewegung genutzt.

Zuerst Bio, dann Erdöl…

Unter dem Begriff Gummi versteht man zunächst ein Naturprodukt, den Kautschuk, der anschliessend durch ein spezielles Verfahren, der Vulkanisation, weiter verarbeitet wird. Kautschuk ist der Milchsaft des Kautschukbaums. Dieser Naturkautschuk reicht aber bei weitem nicht aus, um den Bedarf an Gummi, nicht nur zur Produktion von Autoreifen, zu decken. Etwa die Hälfte dieses Basismaterials wird heute synthetisch aus Erdöl hergestellt. Sein Hauptbestandteil sind lange, vernetzte Polyisoprenketten.
Diese langen Ketten machen aber noch keinen Gummi. Erst durch die Erfindung der Vulkanisation im Jahre 1839 durch Charles Goodyear wurde der Werkstoff Gummi erfunden. In dem Verfahren, das vulkanischen Prozessen nachempfunden ist, wird dem Basismaterial Kautschuk Schwefel zugeführt. Dabei kommt es dann zu einer Quervernetzung des Materials und Gummi entsteht.

… und jetzt wieder bio

Heute, 172 Jahre später, macht sich das nach Goodyear benannte Unternehmen Gedanken, wie man wieder zu einem Reifen kommen kann, der frei ist vom immer knapper werden Rohstoff Erdöl. Goodyear und das Unternehmen Genencor, eine Tochter der Danisco, haben gemeinsam auf der 239. Konferenz der American Chemical Society, eine der weltweit anerkanntesten Tagungen im Fachbereich Chemie, ein Verfahren vorgestellt, dass aus Biomasse synthetischen Kautschuk herstellt. In ihrem Verfahren wird Zucker mit Hilfe von Bakterienstämmen zu Isopren, dem Basismaterial für die Reifenherstellung, umgewandelt. „Der neue Reifen wird ein ‚süsser’ Fortschritt in Richtung umweltfreundlichem, nachhaltigen Transport in einem ganz wörtlichen Sinne sein” so Joseph McAuliffe, Forschungsleiter bei Genencor. „ Auf Basis eines Fermentationsprozesses wird Zuckerrohr, Maiskolben oder andere Biomasse mit Hilfe von modifizierten Bakterienstämmen zu Isopren umgewandelt. Dieses sogenannte Bioisopren ist eine biobasierte, erneuerbare Alternative zu herkömmlichem Isopren auf Erdölbasis.”

Ab 2015 auf dem Markt

Bislang finden die Experimente noch im Labormassstab statt, aber bereits Ende 2013 soll Bioisopren im Industriemassstab hergestellt werden. Wenn Genecor diese Entwicklung abgeschlossen hat, übernimmt die Firma Goodyear das weitere Verfahren. Hierfür planen die Industrieforscher einen Zeitraum von weiteren zwei Jahren ein, um aus dem Biorohstoff einen konkurrenzfähigen Autoreifen herzustellen. 2015 soll der Bioreifen auf dem Markt sein.
Und der Bedarf ist gros: 200 Millionen Reifen verkauft allein Goodyear jährlich. Aber nicht nur Autoreifen werden aus Isopren hergestellt. Ein riesiger Industriezweig verwendet Isopren als Basismaterial für die Polymerisation: Matratzen, Teppichrückenbeschichtungen, Schwämme, dünne Filme für Handschuhe, Luftballons oder Hygieneartikel werden aus Isopren hergestellt. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, werden jährlich etwa 775000 Tonnen synthetischer Kautschuk aus Erdöl hergestellt. Ein riesiger Markt für Biohersteller - wenn denn der Zucker reicht.

 

Bild: Joe McAuliffe von Genencor überreicht Dave Benko von Goodyear die erste Bioisoprenflaschen (Genencor).

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