Kompetenzen besser nutzen

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Geschrieben von: Steffen Klatt, Genf 08.06.10
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Die Westschweiz hat grosse Kompetenzen in den Cleantech-Sektoren, sagt Jean-Michel Cina. Doch diese schlagen sich noch nicht immer in Produkten und in Wirtschaftswachstum nieder. Die Cleantech-Akteure der Region sollten deshalb besser untereinander vernetzt werden, Dafür haben die Westschweizer Kantone nun CleantechAlps gegründet.

Steffen Klatt: Die Westschweizer Kantone spannen zusammen, um Cleantech zu fördern. Warum?

Jean-Michel Cina: Wir haben bereits drei solcher Cluster aufgebaut, um gemeinsam die Wirtschaftsentwicklung voranzutreiben. Wir haben ein Cluster BioAlp für die Biotechnologien. Wir haben ein AlpICT und ein weiteres zur Mikro- und Nanotechnologie. Jetzt bauen wir das vierte Cluster auf, um damit Cleantech zu fördern. Wir wollen national und international gemeinsam als ein Raum auftreten, der in diesem Bereich Kompetenzen hat. Wir wollen gleichzeitig Vernetzungen ermöglichen zwischen den Unternehmen in diesem Bereich sowie zwischen diesen Unternehmen und den Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Wir denken da besonders an die Eidgenössische Technische Hochschule in Lausanne und an die Fachhochschulen.

Steffen Klatt: Warum gerade Cleantech?

Jean-Michel Cina: Ich habe diese Idee entwickelt, auch weil das Wallis mit seiner Wasserkraft und seinen Windkraftprojekten in diesem Bereich schon aktiv sind. Dazu kommen die Förderprogramme bei der Gebäudesanierung. Für mich war klar, dass dieser Bereich Zukunft hat und die Westschweiz dabei Wettbewerbsvorteile aufweist. Das muss entsprechend gefördert und vermarktet werden.

Steffen Klatt: Welche Stärken bringt die Westschweiz mit?

Jean-Michel Cina: Schauen Sie auf die Eidgenössische Technische Hochschule in Lausanne. Dort gibt es zahlreiche Lehrstühle, die in diesem Bereich hervorragend positioniert sind. Schauen Sie auf Projekte wie SolarImpulse von Bertrand Piccard. Auch das CSEM (Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique: Schweizer Zentrum für Elektronik und Mikrotechnologie) in Neuenburg ist in diesen Bereichen aktiv. Wir stehen vor der grossen Herausforderung, das in unserer Region vorhandene Wissen in wirtschaftliches Wachstum umzuwandeln. Dafür braucht es aus meiner Sicht auch eine kritische Masse, um die Kompetenzen und die Fördermittel zu bündeln. Oft müssen wir feststellen, dass wir zwar Weltmeister bei Patenten sind, aber das nicht in Produkte und Wirtschaftswachstum umzuwandeln.

Steffen Klatt: Woran liegt das?

Jean-Michel Cina: Diese Frage habe ich mir oft gestellt. Deutschland etwa hat gute Einrichtungen, um die Kompetenzen in Produkte umzuwandeln. Ein gutes Beispiel ist die Steinbeis-Stiftung (Die Stein-beis-Stiftung ist eine Einrichtung, die den Technologie- und Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft fördert. Zum Steinbeis-Verbund gehören rund 750 fachlich spezialisierte Steinbeis-Transferzentren, -Beratungszentren, -Forschungszentren, -Transfer-Institute und GmbHs in Deutschland und weltweit). Vielleicht ist das eine Frage der kritischen Grösse. Vielleicht verzetteln wir uns zu sehr. Es gibt bei uns auch auf kantonaler Ebene Versuche, Technologietransfer zu fördern. Vielleicht sollte man den Mut haben, gemeinsam etwas zu machen. Mit CleantechAlps wollen die Westschweizer Kantone den Anfang machen.

Steffen Klatt: Wie können Sie Unternehmen dazu bringen, sich zu beteiligen?

Jean-Michel Cina: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es keine Rolle spielt, wo die Forschungsresultate erzielt werden. Die Westschweiz ist immer noch klein. Wichtig ist, dass die Unternehmen die richtigen Kontakte erhalten. CleantechAlps dient als eine Art Eingangspforte, welche die Kontakte herstellt und begleitet. Bis das zu einem Produkt wird, müssen mehrere Prozesse durchlaufen werden. Das gelingt oft nicht, wenn es dafür keine professionelle Begleitung gibt. Gerade kleinen Unternehmen fehlen oft die Zeit, die Energie und das Geld. Da können Enabler helfen.

Steffen Klatt: Welche Mittel stellen die Westschweizer Kantone dafür zur Verfügung?

Jean-Michel Cina: Die Mittel kommen sowohl von den Kantonen als auch vom Staatssekretariat der Wirtschaft.  Wir sind auch der Meinung, dass die Mittel aus der Regionalpolitik zunehmend für überregionale Projekte eingesetzt werden sollten.

Steffen Klatt: Was bringt CleantechAlps dem Wallis?

Jean-Michel Cina: Wir sind Teil der Westschweiz. Über ein Unternehmen, das bereits vor vielen Jahren gegründet wurde – Cimark -, haben wir jetzt das Sekretariat von CleantechAlps übernehmen können. Wir haben auch Mandate des Bundesamtes für Energie übernehmen können. Uns ermöglicht CleantechAlps, uns in diesem Bereich zu positionieren.
Im Bereich Wasserkraft und auch bei den kleinen Wasserkraftwerken haben wir ein sehr grosses Know How. Wir haben auch sehr innovative Unternehmen wie Studer Innotec  (Studer-Innotec ist ein Schweizer Hersteller von Wechselrichtern und Wechselrichter-Batterieladern. Studer-Innotec ist basiert in Sitten VS). Wir haben das Potential, eine wichtige Rolle zu übernehmen im Westschweizer Netzwerk. Aber allein sind wir zu klein.

Steffen Klatt: Haben Sie auch Wünsche an Bern?

Jean-Michel Cina: Der Bund geht jetzt mit der Osec-Exportplattform und den Massnahmen, die im Zusammenhang mit den Stabilisierungsprogrammen beschlossen worden sind, den richtigen Weg.

Steffen Klatt: Ist Cleantech eine Mode, die in wenigen Jahren vergehen wird?

Jean-Michel Cina: Das glaube ich nicht. Das Bewusstsein für einen sparsamen Umgang mit der Energie und Ressourcen wie dem Wasser wird erhalten bleiben. Für mich ist das keine Modeerscheinung.
 
 
Zur Person:
Jean-Michel Cina ist Präsident der Schweizerischen Konferenz kantonaler Volkswirtschaftsdirektoren und Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Wallis. Er ist einer der Initianten von CleantechAlps, dem Cluster der Westschweizer Kantone für Umwelttechnologien und erneuerbare Energien. Vor seiner Wahl in den Walliser Staatsrat 2005 war er seit 1999 Mitglied des Nationalrats und zuletzt Fraktionschef der CVP. Von 1993 bis 2005 war er Gemeindepräsident von Salgesch.
 
 
 

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