Aus dem Blog von {Steffen Klatt}
Cleantech ist auf den Radarschirm der Regierungen geraten. Zahlreiche Regierungen in den Industrie- und Schwellenländern fördern sie. Doch wenn die Förderung auf Umwelttechnologien und erneuerbare Energien beschränkt wird, greift Cleantech zu kurz. Nun also auch die Westschweizer Kantone. Die Regierungen des mehrheitlich französischsprachigen Landesteils spannen zusammen, um Cleantech zu fördern. Es geht dabei um verhältnismässig kleine Summen – eine halbe Million Franken (350000 Euro) bis Ende Jahr, später mehr – aber gut eingesetzt kann auch das etwas bewirken. Immerhin ist das Potential mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne, den Fachhochschulen und den vielen innovationsstarken Unternehmen gross. Die kleine Westschweiz mit ihren knapp 2 Millionen Einwohnern ist nur die letzte Region, die Cleantech fördert. Die meisten Stabilisierungsprogramme der vergangenen zwei Jahre waren gespickt mit „grünen“ Ausgaben. In absoluten Zahlen liegt dabei China an der Spitze, beim Anteil an den Gesamtmassnahmen gegen die Krise ist es Südkorea. Immer sind es Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Umwelttechnologien, die gefördert werden. Das ist gut für die betroffenen Branchen und gut für Umwelt und Klima. Aber wenn sich Cleantech darauf beschränkt, greift sie zu kurz. Denn es genügt nicht, Technologien zu entwickeln, die Energie, Ressourcen und Umwelt generell schonen. Diese Technologien müssen auch angewandt werden, und zwar in einer Weise, die ihr Möglichkeiten auch ausschöpft. Nicht die Technik schont die Umwelt usw. Vielmehr sind es immer Menschen, die es tun. Ein Minergiehaus oder ein Passivhaus können energiesparend sein – wenn sie entsprechend genutzt werden. Eine wasserlose Toilette spart Wasser – aber die Wirkung ist dahin, wenn der Besitzer zwei Meter entfernt jeden Tag ein Vollbad nimmt. Benzinsparende Autos sind toll, wenn die Neuwagenkäufer nicht jedes Wochenende eine Spritztour durch die Landschaft machen. Es reicht auch nicht, Energie, Ressourcen und Umwelt schonend zu gebrauchen. Eine energiesparende Fabrik ist nicht nachhaltig, wenn die Arbeiter darin für einen Hungerlohn schuften. Ein Solardach auf einem Bürogebäude ist nicht nachhaltig, wenn die Leute darin bis zum Umfallen arbeiten. Und ein sozial denkender Unternehmer arbeitet nicht nachhaltig, wenn sein Unternehmen bankrott geht – auch wenn das manchmal unvermeidlich ist. Die Brundtland-Kommission hat vor zweieinhalb Jahrzehnten Nachhaltigkeit definiert als ein Verhalten, das heute Wohlstand schafft, ohne die Grundlagen des Wohlstandes kommender Generationen zu untergraben. Dazu gehört neben dem Umweltschutz auch die soziale und die ökonomische Nachhaltigkeit. Cleantech ist die Übersetzung dieser „dreieinigen“ Nachhaltigkeit in Produkte und Dienstleistungen. Cleantech sind Innovationen, die den nachhaltigen Wandel der Wirtschaft vorantreiben. Wenn sich Cleantech nur auf den ökologischen Teil beschränkt – oder gar nur auf den Energieverbrauch -, dann ist Cleantech nichts weiter als der alte „kapitalistische“ Drang zur Effizienz. Daran ist nichts schlechtes. Aber dazu braucht es kein grünes Mäntelchen. Und dazu braucht es auch keine staatliche Förderung. Denn um Effizienz ist der Kapitalismus auch ohne Staatshilfe besorgt.
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